Zahl der Micro-Cars steigt in drei Jahren um fast 80 Prozent
Micro-Cars werden auf deutschen Straßen deutlich häufiger. Ende 2025 waren bereits rund 46.000 der maximal 45 km/h schnellen Fahrzeuge haftpflichtversichert – fast 80 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Gerade für kurze Wege und junge Fahrer können sie eine Alternative zum Auto sein. Doch die Schadenstatistik zeigt eine Besonderheit: Langsamer bedeutet offenbar nicht automatisch weniger Unfälle.
Mini-Autos, Moped-Autos oder Micro-Cars: Die kleinen Fahrzeuge sind im deutschen Straßenverkehr zwar weiterhin eine Nische, ihr Bestand wächst jedoch rasant. Nach Zahlen der deutschen Kfz-Versicherer waren Ende 2025 rund 46.000 Micro-Cars haftpflichtversichert. 2022 waren es noch knapp 26.000. Damit ist die Zahl innerhalb von drei Jahren um fast 80 Prozent gestiegen. Allein 2025 kamen rund 8.000 Fahrzeuge hinzu.
Micro-Cars erreichen höchstens 45 km/h, sind häufig elektrisch angetrieben und können mit einem Versicherungskennzeichen gefahren werden. Besonders interessant macht sie eine weitere Eigenschaft: Bereits Jugendliche ab 15 Jahren dürfen mit der entsprechenden Fahrerlaubnis ans Steuer.
„Micro-Cars können insbesondere für kurze Wege eine interessante Alternative zu größeren Autos sein“, sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Mit der zunehmenden Verbreitung müsse jedoch auch die Sicherheit der Insassen stärker in den Blick genommen werden.
So viele Haftpflichtschäden wie bei Pkw
Denn obwohl Micro-Cars erheblich langsamer unterwegs sind als normale Autos, fällt ihre Schadenhäufigkeit nicht entsprechend niedriger aus. 2025 registrierten die Versicherer rund 2.300 Kfz-Haftpflichtschäden mit Micro-Cars. Auf 1.000 versicherte Fahrzeuge kamen damit 50 Schäden. Nach Berechnungen des GDV entspricht das ungefähr der Schadenhäufigkeit herkömmlicher Pkw. Das ist insofern bemerkenswert, als die möglichen Geschwindigkeiten erheblich niedriger sind. Allerdings sagt die reine Schadenhäufigkeit zunächst nichts über die Schwere der Unfälle aus. Gerade beim Schutz der Insassen sieht der GDV jedoch ein grundsätzliches Problem.
45 km/h – aber kein Pkw-Sicherheitsstandard
Micro-Cars sehen teilweise wie sehr kleine Pkw aus, müssen deren Sicherheitsanforderungen aber nicht erfüllen. Airbags sind ebenso wenig vorgeschrieben wie ein elektronisches Stabilitätsprogramm oder Fahrerassistenzsysteme wie automatische Notbremsassistenten. „Die Fahrzeugstruktur eines Micro-Cars ist nicht mit der eines Kleinwagens vergleichbar“, erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Bei einem Zusammenstoß seien die Insassen deshalb einem deutlich höheren Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen ausgesetzt als in einem Pkw.
Damit entsteht ein besonderes Sicherheitsproblem: Die geschlossene Karosserie und das Erscheinungsbild können einen Schutz suggerieren, den die Fahrzeugklasse konstruktiv nicht im gleichen Umfang bietet wie ein klassischer Pkw.
Gewichtslimit begrenzt zusätzliche Sicherheitstechnik
Ein Hindernis für höhere Sicherheitsstandards sieht der GDV in den europäischen Vorgaben für die Fahrzeugklasse. Das zulässige Gewicht ist auf 425 Kilogramm begrenzt. Zusätzliche Sicherheitstechnik erhöht jedoch das Fahrzeuggewicht. Der Verband fordert deshalb mehr Spielraum bei der Gewichtsgrenze und verbindliche Sicherheitsanforderungen, die stärker an denen für Pkw ausgerichtet werden. Besondere Bedeutung bekommt die Forderung durch das niedrige Einstiegsalter. „Micro-Cars dürfen für ihre Insassen nicht zur Sicherheitsfalle werden“, warnt Käfer-Rohrbach. Das gelte insbesondere für Jugendliche, die noch wenig Erfahrung im Straßenverkehr hätten und Micro-Cars beispielsweise als Alternative zum Bus oder zum „Elterntaxi“ nutzten.
Vom Nischenfahrzeug zur neuen Mobilitätsoption?
Mit rund 46.000 versicherten Fahrzeugen spielen Micro-Cars im Vergleich zum Pkw-Bestand bislang nur eine kleine Rolle. Das Wachstum zeigt allerdings, dass die Fahrzeugklasse zunehmend Käufer findet. Gerade für kurze Strecken könnten die kleinen und häufig elektrischen Fahrzeuge eine Lücke zwischen Zweirad und klassischem Auto besetzen. Ihre steigende Verbreitung wirft damit zugleich die Frage auf, ob die Sicherheitsregeln mit der Entwicklung des Marktes Schritt halten.
Der GDV beantwortet diese Frage eindeutig: Wenn Micro-Cars im Straßenverkehr häufiger werden, müssten auch die Anforderungen an ihren Insassenschutz steigen.
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