Elementar Re: Versicherer legen Modell für neues Sicherungssystem vor
Die Klimaschäden in Deutschland haben sich seit 1980 verfünffacht – und die Kosten steigen weiter. Mit „Elementar Re“ präsentiert der GDV nun ein Modell, das bezahlbaren Versicherungsschutz in Hochrisikogebieten sichern soll. Doch die Vorschläge offenbaren auch: Ohne tiefgreifende Prävention bleibt jedes System auf Dauer instabil.
Die Diskussion um eine Reform der Elementarschadenversicherung gewinnt an Dynamik. Jetzt legt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erstmals ein konkretes Modell vor, das langfristig tragfähigen Versicherungsschutz ermöglichen und extreme Naturkatastrophen besser abfedern soll. „Die Klimaschäden haben sich in Deutschland seit 1980 verfünffacht. Unser Ziel ist ein Sicherungssystem, das dauerhaft funktioniert: fair für Hauseigentümer, stabil für den Markt und tragfähig für die öffentliche Hand“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Versicherung allein reicht nicht. Ohne konsequente Prävention werden die Risiken weiter steigen – und das gefährdet das ganze System.“
Das Konzept „Elementar Re“ versteht sich als fachlicher Impuls – und als Antwort auf zwei Kernprobleme:
- Wie bleibt Schutz gegen Naturgefahren langfristig bezahlbar?
- Und wie funktioniert eine Risikoteilung mit dem Staat bei Extremereignissen?
Hochrisikogebäude werden gebündelt – Prämien sollen gedeckelt werden
Mehr als 400.000 Wohngebäude liegen laut GDV in Lagen, in denen risikogerechte Prämien kaum tragbar wären. Genau hier setzt das Modell an: Elementar Re soll die Verträge dieser Hochrisikogebäude bündeln. Erstversicherer können die Policen dorthin weitergeben und erhalten Kalkulationssicherheit. Gleichzeitig sollen Prämien über eine feste Obergrenze gedeckelt werden – gestaffelt nach Gebäudegröße. Die Differenz zwischen marktkonformer Risikoprämie und dem Deckel soll über einen „kleinen, breit verteilten Ausgleich“ querfinanziert werden. „Mit Elementar Re halten wir auch die am stärksten gefährdeten Häuser versicherbar und bezahlbar – solidarisch finanziert, ohne den Markt zu verzerren“, sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführerin.
Stop-Loss-Mechanismus des Staates als Schutzanker für Extremereignisse
Für den Schadenfall ist eine dreistufige Absicherung vorgesehen:
- Rückversicherung der Elementar Re
- Sicherungsfonds, der schrittweise aufgebaut wird
- Staatlicher Stop-Loss – aber nur als ultima ratio
Letzterer soll erst bei Ereignissen greifen, die ein Schadenvolumen von mehr als 30 Milliarden Euro erreichen. Damit würde der Staat weder Erstversicherer noch dauerhafter Rückversicherer, sondern temporärer Schutzgeber in Katastrophenfällen – entsprechend den Leitlinien des Koalitionsvertrags.
Opt-out statt Pflichtversicherung: Elementarschaden als Regelfall
Politisch wurde zuletzt immer wieder über eine verpflichtende Elementarschadenversicherung diskutiert. Die Versicherungswirtschaft schlägt nun eine Opt-out-Lösung vor:
- Im Neugeschäft wäre Elementarschutz automatisch enthalten.
- Im Bestand soll es bis zu einem Stichtag eine gesetzlich geregelte Einmal-Umstellung geben.
- Wer sich dagegen entscheidet, verzichtet im Schadenfall auf staatliche Unterstützung.
Damit würde die Versicherungsdichte steigen, ohne eine Pflichtversicherung einzuführen – ein politisch sensibler Kompromiss zwischen Marktmechanismus und öffentlichem Interesse.
Prävention als Fundament des Modells
Die Versicherer machen deutlich: Ohne Prävention wird kein Sicherungssystem tragfähig sein. Der GDV fordert daher verbindliche Maßnahmen, unter anderem:
- Bauregeln für Gefahrengebiete
- Pflicht-Gefährdungsbeurteilungen bei Neubauten
- Transparenz über lokale Risiken, etwa durch ein bundesweites Naturgefahrenportal
- Naturgefahrenausweis für jedes Gebäude
Nur wenn Risiken sichtbar und baulich berücksichtigt werden, lässt sich Versicherungsschutz wirtschaftlich darstellen.
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