Energieeffizienz hat ihren Preis: Wo Käufer für sparsame Wohnungen besonders viel zahlen

Veröffentlichung: 19.08.2026, 11:08 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Gut gedämmte Wohnungen versprechen niedrigere Energiekosten und weniger Sanierungsbedarf – beim Kauf kann dieser Vorteil jedoch teuer werden. Der Postbank Wohnatlas zeigt enorme regionale Unterschiede: Während Käufer mancherorts mehr als 3.000 Euro je Quadratmeter zusätzlich zahlen, gibt es Regionen ganz ohne Effizienzaufschlag.

(PDF)
Energieeffiziente Eigentumswohnungen erzielen vielerorts deutliche Preisaufschläge. Wie hoch sie ausfallen, unterscheidet sich regional erheblich.Energieeffiziente Eigentumswohnungen erzielen vielerorts deutliche Preisaufschläge. Wie hoch sie ausfallen, unterscheidet sich regional erheblich.Redaktion experten.de / KI-generiert

Energieeffizienz wird beim Immobilienkauf zunehmend zu einem Preisfaktor. Im Durchschnitt aller 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte gehören 35 Prozent der angebotenen Eigentumswohnungen zu den Energieeffizienzklassen D oder besser. Doch sowohl das Angebot als auch der Preisaufschlag unterscheiden sich regional erheblich.
Das zeigt der Postbank Wohnatlas 2026. Für die Untersuchung hat das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Kaufangebote von Eigentumswohnungen ausgewertet, bei denen eine Energieeffizienzklasse angegeben war.

Hamburg verlangt den höchsten Aufpreis unter den Metropolen

Besonders deutlich wird der Preis der Energieeffizienz in den sieben größten deutschen Städten. Dort kosten Wohnungen der Klassen A+ bis D durchschnittlich 6.711 Euro je Quadratmeter. Wohnungen der schlechteren Klassen E bis H sind im Mittel 1.337 Euro günstiger.
Am größten ist die Differenz in Hamburg: Für eine Wohnung mit Effizienzklasse D oder besser werden durchschnittlich 7.558 Euro je Quadratmeter verlangt – 1.893 Euro mehr als für Wohnungen der Klassen E bis H. In München beträgt der Abstand 1.720 Euro, in Frankfurt am Main 1.599 Euro. Stuttgart weist mit 772 Euro den geringsten Aufschlag unter den sieben Metropolen auf.
Die Energieklasse wird damit neben Lage, Ausstattung und Zustand zu einem weiteren Faktor, der den Kaufpreis erheblich beeinflussen kann.

Rekordaufschlag von mehr als 3.000 Euro je Quadratmeter

Noch größer werden die Unterschiede außerhalb der Metropolen. In 83 Regionen beträgt der durchschnittliche Aufpreis für Wohnungen der Klasse D oder besser mindestens 1.000 Euro je Quadratmeter.
Den bundesweiten Spitzenwert erreicht der Landkreis Miesbach: Dort werden für energieeffizientere Wohnungen durchschnittlich 3.133 Euro je Quadratmeter mehr verlangt. Unter den zehn Regionen mit den höchsten Aufschlägen befinden sich sechs bayerische Kreise beziehungsweise Städte. Doch das Preisgefälle funktioniert auch in die andere Richtung.
In 66 Regionen liegt der Effizienzaufschlag unter 400 Euro. In zwölf Regionen sind Wohnungen der Klassen D oder besser im Durchschnitt sogar günstiger als energetisch schlechtere Angebote. Im Landkreis Aurich beträgt der rechnerische Preisvorteil beispielsweise 868 Euro je Quadratmeter.

Sanieren oder effizient kaufen?

Für Kaufinteressenten entsteht daraus eine zweite Rechnung. Wo der Aufpreis für eine energieeffiziente Wohnung besonders hoch ist, kann der Kauf einer schlechteren Effizienzklasse mit anschließender Sanierung wirtschaftlich interessanter werden. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt allerdings vom konkreten Gebäude ab. Rücklagen der Eigentümergemeinschaft, Heizungsanlage, notwendige Maßnahmen und die Zahl der Wohneinheiten können die Sanierungskosten erheblich beeinflussen. Gerade bei Eigentumswohnungen entscheidet zudem nicht der einzelne Eigentümer allein über größere energetische Maßnahmen.
Hinzu kommt die politische Entwicklung. Die Anforderungen an den Gebäudebestand steigen: Die europäische Gebäuderichtlinie sieht eine Senkung des durchschnittlichen Primärenergieverbrauchs von Wohngebäuden bis 2030 um 16 Prozent und bis 2035 um 20 bis 22 Prozent vor.
Auch die Energiepolitik bewegt sich zunehmend aus einer Phase umfassender Förderung heraus und stärker in Richtung Marktintegration. Für Immobilieneigentümer gewinnen damit neben dem aktuellen Energieverbrauch auch künftige Investitions- und Sanierungskosten an Bedeutung.

Energieklasse allein entscheidet nicht über den Immobilienwert

Der Wohnatlas zeigt allerdings auch die Grenzen einer rein energetischen Betrachtung. Eine effiziente Wohnung in schlechter Lage wird nicht automatisch zur besseren Immobilie. Umgekehrt kann eine weniger effiziente Wohnung in attraktiver Innenstadtlage trotz Sanierungsbedarf wertstabil bleiben. Energieeffizienz wird damit zu einem wichtigen zusätzlichen Kriterium beim Immobilienkauf – aber nicht zu einem Ersatz für Lage, Zustand und Kaufpreis.
Gerade die enormen regionalen Preisunterschiede zeigen deshalb, dass sich die entscheidende Frage nicht pauschal mit „effizient oder ineffizient?“ beantworten lässt. Für Käufer geht es vielmehr darum, den Aufpreis für Energieeffizienz gegen mögliche Energie- und Sanierungskosten abzuwägen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Steigende Einkommen verbessern vielerorts die Finanzierbarkeit von Wohneigentum. Gleichzeitig verschärfen knappe Mietangebote und geringe Umzugsmobilität die strukturellen Probleme des Wohnungsmarktes.Steigende Einkommen verbessern vielerorts die Finanzierbarkeit von Wohneigentum. Gleichzeitig verschärfen knappe Mietangebote und geringe Umzugsmobilität die strukturellen Probleme des Wohnungsmarktes.Redaktion experten.de / KI-generiert
Immobilien

Warum Wohneigentum wieder attraktiver wird – und viele trotzdem weiter mieten müssen

Steigende Einkommen und stabile Kaufpreise verbessern vielerorts die Bedingungen für den Erwerb von Wohneigentum. Gleichzeitig verschärft sich die Lage auf dem Mietmarkt weiter. Zwei aktuelle Analysen zeigen: Das eigentliche Problem des deutschen Wohnungsmarktes sind längst nicht mehr nur hohe Preise – sondern eine wachsende strukturelle Blockade.
Eine Analyse von immowelt zeigt: Eigentumswohnungen im Umland deutscher Großstädte sind bis zu 52 Prozent günstiger als im Stadtgebiet. Wo Käufer besonders viel sparen können.Eine Analyse von immowelt zeigt: Eigentumswohnungen im Umland deutscher Großstädte sind bis zu 52 Prozent günstiger als im Stadtgebiet. Wo Käufer besonders viel sparen können.experten.de, KI-generiert
4 Wände

Wohnungskauf: Warum sich ein Blick ins Umland auszahlen kann

Wer beim Wohnungskauf bereit ist, längere Pendelzeiten in Kauf zu nehmen, kann seine Finanzierungskosten deutlich senken. Eine Analyse von immowelt zeigt, wie stark die Angebotspreise für Eigentumswohnungen mit zunehmender Entfernung von deutschen Großstädten sinken.
Real estate agent showing young couple a new houseReal estate agent showing young couple a new house
4 Wände

Postbank Wohnatlas 2024 – Lage und Energieeffizienz punkten

Die Lage ist nicht mehr alles beim Kauf einer Eigentumswohnung: Energieeffizienz ist durch die stark gestiegener Preise der vergangenen Jahre auf der Kriterienliste für deutlich nach oben gerückt. Objekte mit Energieeffizienzklassen A+, A, B, C oder D beziehungsweise auf diesen Standard sanierte bieten entscheidende Vorteile.
Young couple getting tour through apartment they consider rentingYoung couple getting tour through apartment they consider rentingKzenon – stock.adobe.com
4 Wände

Eigentumswohnungen - wo gibt es noch Investitionschancen

Im Jahr 2023 musste in 384 von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten für eine durchschnittliche Eigentumswohnung inflationsbereinigt weniger ausgeben werden als im Vorjahr. Bis 2035 werden inflationsbereinigte Preisanstiege, in den sieben größten Metropolen, deren Umland und in weiteren Großstädten sowie Landkreisen im Süden und Nordwesten, erwartet.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht