Weltwirtschaft 2026: Diese drei Risiken sieht Portfoliomanager Jörg Held
Wachstum über dem Trend, sinkende Inflation und vorsichtig lockerer werdende Geldpolitik – auf den ersten Blick erscheint das makroökonomische Umfeld für 2026 stabil. Doch aus Sicht des Portfoliomanagers Jörg Held könnten mehrere Entwicklungen die Lage schnell verändern.
Makro-Umfeld derzeit vergleichsweise stabil
Die globale Wirtschaft startet nach Einschätzung von Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors, mit grundsätzlich günstigen Rahmenbedingungen in das Jahr 2026. In einem aktuellen Marktkommentar spricht er von einem sogenannten „Goldilocks“-Szenario. „Aktuell sehen wir ein konstruktives Makroumfeld: Wachstum über dem Trend, Inflation auf dem Rückzug und Zentralbanken, die mehrheitlich pausieren oder moderat lockern“, sagt Held. Auch strukturelle Faktoren wie die zunehmende Verbreitung von Künstlicher Intelligenz sowie fiskalische Impulse aus den USA und Deutschland könnten aus seiner Sicht kurzfristig unterstützend wirken. Gleichzeitig verweist der Portfoliomanager darauf, dass mehrere Risiken das derzeitige Umfeld schnell verändern könnten.
Risiko 1: US-Rezession durch strukturelle Veränderungen am Arbeitsmarkt
Ein mögliches Szenario betrifft nach Einschätzung Helds den US-Arbeitsmarkt. Sollten Unternehmen aufgrund von Produktivitätsgewinnen durch Künstliche Intelligenz weniger Personal einstellen, könnte dies negative Rückkopplungseffekte auslösen. „Zunehmender Stress am Arbeitsmarkt könnte Rezessionsängste auslösen – insbesondere, wenn KI-getriebene Produktivitätsgewinne die Einstellungsbereitschaft schneller senken als erwartet“, erklärt Held. Ein solches Szenario könne dazu führen, dass zwar Produktivität und Unternehmensgewinne steigen, gleichzeitig jedoch die Konsumnachfrage zurückgeht, weil Beschäftigungsmöglichkeiten sinken. An den Finanzmärkten könnte dies laut Held eine typische „Risk-off“-Phase auslösen, etwa mit Kapitalflucht in kurzlaufende US-Staatsanleihen. Allerdings bewertet er dieses Risiko aktuell als vergleichsweise gering: Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario liege seiner Einschätzung nach im Jahr 2026 bei unter zehn Prozent.
Risiko 2: Geopolitische Eskalation
Ein weiteres Risiko sieht Held in geopolitischen Spannungen. Neben dem Krieg in der Ukraine verweist er insbesondere auf Entwicklungen im Nahen Osten sowie auf zunehmende Spannungen zwischen den USA und China. „Die Interventionen im Iran belasten nicht nur die Rohstoffpreise, sondern erhöhen generell die globalen Risikoprämien“, sagt Held. Besonders kritisch könnte aus seiner Sicht eine weitere Eskalation im Verhältnis zwischen den beiden Großmächten USA und China werden. Ein mögliches Szenario wäre eine Verschärfung der Konflikte im Zusammenhang mit Taiwan. „Eine militärische Eskalation rund um Taiwan würden wir als ultimatives Risk-off-Event betrachten“, so Held. Geopolitische Schocks führten zwar häufig zu kurzfristiger Marktvolatilität, könnten langfristig jedoch auch Einstiegsmöglichkeiten für Investoren eröffnen.
Risiko 3: Bewertungskorrektur bei KI-Aktien
Als drittes mögliches Risiko nennt Held eine Korrektur bei Technologie- und KI-Titeln. In den vergangenen Jahren hätten Investoren erhebliche Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz bereits in die Bewertungen vieler Unternehmen eingepreist. „Die Märkte haben erhebliche KI-Produktivitätsgewinne bereits in die Unternehmensgewinne eingepreist“, erklärt Held. Sollte sich die Monetarisierung neuer Technologien langsamer entwickeln als erwartet oder neue technische Entwicklungen bestehende Geschäftsmodelle verändern, könnte dies aus seiner Sicht zu einer beschleunigten Rotation aus entsprechenden Titeln führen.
Positionierung aus Sicht des Portfoliomanagements
Vor dem Hintergrund dieser Einschätzungen setzt das Portfoliomanagement von ETHENEA derzeit weiterhin auf eine vergleichsweise offensive Ausrichtung bei Aktien, kombiniert mit Anleihen hoher Qualität und längerer Laufzeit. Diese Einschätzungen spiegeln jedoch die Marktanalyse des Hauses wider und stellen keine Prognose über den tatsächlichen Verlauf der globalen Wirtschaft dar.
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