Extreme Hitze wird zum Wirtschaftsrisiko: Deutschland drohen Milliardenverluste

Veröffentlichung: 29.05.2026, 13:05 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Extreme Hitze ist längst nicht mehr nur ein Gesundheits- oder Umweltthema. Nach einer Analyse von Allianz Trade könnten Hitzewellen die deutsche Wirtschaft bis 2030 bis zu 131 Milliarden US-Dollar kosten. Besonders betroffen wären Produktivität, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit.

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extreme-hitze-wirtschaftsrisiko-allianz-trade-deutschlandextreme-hitze-wirtschaftsrisiko-allianz-trade-deutschlandExtreme Hitze entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risikofaktor. Sinkende Produktivität, steigende Energiekosten und ausbleibende Investitionen könnten die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren erheblich belasten.Redaktion experten.de / KI-generiert

Extreme Hitze entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risikofaktor. Nach Berechnungen des Kreditversicherers Allianz Trade könnten sich die wirtschaftlichen Verluste in Deutschland zwischen 2026 und 2030 auf insgesamt bis zu 131 Milliarden US-Dollar summieren, wenn sich die Hitzewellen der vergangenen Jahre wiederholen. Damit rückt ein Thema stärker in den Fokus, das bislang häufig vor allem unter Umwelt- oder Gesundheitsaspekten diskutiert wurde. Die Analyse zeigt jedoch: Hitze beeinflusst Produktivität, Investitionen, Energieverbrauch und öffentliche Haushalte gleichermaßen.

Produktivität schmilzt bei über 30 Grad

Besonders problematisch sei die doppelte Belastung für Unternehmen. Einerseits sinkt die Produktivität. Nach Angaben von Allianz Research geht die Arbeitsleistung pro zusätzlichem Grad über 30 Grad Celsius um rund drei Prozent zurück. Gleichzeitig steigen die Energiekosten um etwa 1,2 Prozent je zusätzlichem Grad, weil Kühlungsbedarf und Stromverbrauch zunehmen. „Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern ein struktureller wirtschaftlicher Schock“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Besonders betroffen seien industrielle Volkswirtschaften wie Deutschland, die auf stabile Produktionsabläufe und hohe Arbeitsproduktivität angewiesen sind.

Der größere Schaden entsteht erst später

Die Studie verweist darauf, dass die unmittelbaren Produktivitätsverluste nur ein Teil des Problems sind. Mindestens ebenso schwer wiegen die langfristigen Folgen für Investitionen und Wachstum. Sinkende Renditeerwartungen könnten Unternehmen dazu veranlassen, Investitionen zurückzustellen oder ganz zu streichen. „Der größte Schaden entsteht nicht heute, sondern morgen“, warnt Bogaerts. „Sinkende Renditeerwartungen bremsen Investitionen – und damit die zukünftige Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.“ Damit entwickelt sich Hitze aus Sicht der Autoren zunehmend zu einem Standort- und Wettbewerbsfaktor.

Deutschland drohen bis zu drei Prozent weniger Wirtschaftsleistung

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland laut Allianz Trade zwar nicht an der Spitze der Risikoländer, gehört aber bereits zu den Volkswirtschaften, bei denen die wirtschaftlichen Effekte negativ ausfallen. „Bis 2030 könnte die Wirtschaftsleistung durch Hitzewellen in Deutschland deutlich niedriger ausfallen. Beim Bruttoinlandsprodukt sind in den kommenden vier Jahren Einbußen von bis zu drei Prozent möglich“, sagt Hazem Krichene, Senior Klimaökonom bei Allianz Research. Während Länder wie Irland oder Finnland aufgrund ihrer niedrigeren Durchschnittstemperaturen teilweise noch profitieren könnten, gerät Deutschland zunehmend in eine Übergangszone. „Deutschland ist kein Hotspot wie Südeuropa – aber wir überschreiten immer öfter die kritische 30-Grad-Schwelle“, so Krichene.

Europa ist auf Kälte ausgelegt

Die Studie sieht einen wesentlichen Grund für die wachsenden Probleme in der historischen Ausrichtung Europas. Gebäude, Infrastruktur und viele Arbeitsabläufe seien traditionell darauf ausgelegt, Wärme zu speichern und vor Kälte zu schützen. Auf anhaltende Hitzewellen seien viele Regionen dagegen nur unzureichend vorbereitet. Während in den USA rund 90 Prozent der Haushalte klimatisiert sind, liegt die Quote in Europa laut Allianz Trade bei lediglich etwa 19 Prozent. Andere Weltregionen seien deshalb trotz teilweise deutlich höherer Temperaturen häufig besser angepasst.

Folgen auch für Versicherer und Risikomanager

Für die Versicherungswirtschaft ist die Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Steigende Temperaturen erhöhen nicht nur die Wahrscheinlichkeit von Hitzeschäden, Ernteausfällen, Infrastrukturproblemen und Gesundheitsbelastungen, sondern wirken sich auch indirekt auf Unternehmensergebnisse und Bonitätsrisiken aus. Damit berührt das Thema sowohl die Schaden- als auch die Kreditversicherung und dürfte künftig stärker in Risikomodelle, Präventionskonzepte und Unternehmensbewertungen einfließen.

Hitzeresistenz wird zum Standortvorteil

Die Autoren der Studie sehen deshalb erheblichen Handlungsbedarf. Investitionen in Infrastruktur, Gebäudetechnik, Energieversorgung und den Schutz von Arbeitnehmern könnten künftig über Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum mitentscheiden. „Die grüne Transformation und die Anpassung an den Klimawandel sind mittlerweile zentrale Fragen der Wirtschaftspolitik“, sagt Krichene. „Länder, die bei Infrastruktur und Schutzmaßnahmen schneller vorankommen, werden im Vorteil sein.“

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