Wie Telefonie und KI Kunden gewinnen

Veröffentlichung: 28.08.2025, 11:08 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Wie lassen sich steigende Kundenkontakte, Fachkräftemangel und Kostendruck in Versicherungsbüros meistern? Dieser Frage geht Felix Pflüger, Geschäftsführer Peoplefone Deutschland, in seinem Gastbeitrag nach. Demnach liegt der Schlüssel in der Verbindung klassischer Telefonie mit moderner Plattformtechnologie und KI – mit überraschend handfesten Effekten auf Beratungskapazität und Kundenservice.

(PDF)
Die Zahl der Kundenkontakte steigt, qualifizierte Fachkräfte werden knapper – oder sind teuer. Versicherungsbüros stehen zunehmend unter Druck, ihren Betrieb mit begrenzten Ressourcen aufrechtzuerhalten.Die Zahl der Kundenkontakte steigt, qualifizierte Fachkräfte werden knapper – oder sind teuer. Versicherungsbüros stehen zunehmend unter Druck, ihren Betrieb mit begrenzten Ressourcen aufrechtzuerhalten.DALL-E

Die Herausforderung ist klar: Die Zahl der Kundenkontakte steigt, qualifizierte Fachkräfte werden knapper – oder sind teuer. Versicherungsbüros stehen zunehmend unter Druck, ihren Betrieb mit begrenzten Ressourcen aufrechtzuerhalten. Viele suchen deshalb nach Wegen, den Arbeitsalltag effizienter zu gestalten.
Ein Schlüssel liegt in der intelligenten Verbindung moderner Kommunikationstechnologie – vor allem der Telefonie – mit digitalen Tools wie KI-basierten Assistenzsystemen.
Ein Beispiel aus München zeigt, wie das aussehen kann: Der Versicherungsberater Sven D. hat sein Büro konsequent digitalisiert und entlastet sein Team durch eine Kombination aus strukturierter Kundenkommunikation, automatisierten Prozessen und moderner Infrastruktur.

Vom Telefon zur Digital-Plattform

Über Jahre hinweg war das klassische Bürotelefon – meist als traditionelle PBX-Anlage installiert – das zentrale Kommunikationsmittel. Doch diese Technik stößt an ihre Grenzen, weil neue Anforderungen hinzukommen: mobile Erreichbarkeit, digitale Dokumentation, sichere Video-Beratung und standortübergreifende Zusammenarbeit.

Viele Beratungsbüros erkennen inzwischen, dass Plattformen wie Microsoft Teams mehr leisten als reine Sprachkommunikation. Sie bieten eine zentrale Schnittstelle für Telefonie, interne Abstimmungen, Terminorganisation und sicheren Datenaustausch.

Die Integration mit bestehenden Telefonanlagen ist dabei kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Über Direct Routing oder Operator Connect lassen sich Systeme wie Microsoft Teams direkt mit dem öffentlichen Telefonnetz verbinden – entweder vollständig oder als hybride Lösung. So kann etwa ein Teil der Rufnummern über Teams laufen, während andere weiterhin über die klassische Anlage erreichbar bleiben. Für Versicherungsberater bedeutet das: Flexibilität und ein sanfter Übergang ohne Betriebsunterbrechung.

Kundenkommunikation in der Praxis

Im Büro von Sven D. wurde genau dieser hybride Ansatz umgesetzt: Ein Teil der Kunden nutzt digitale Kanäle, ein anderer bleibt beim gewohnten Telefonat. Die Telefonie ist nicht mehr isoliert, sondern eingebettet in eine zentrale Kommunikationsstruktur.
Das Herzstück des neuen Modells ist ein KI-gestützter Assistent. Kunden können über die Website oder einen Messenger-Link ihre Anliegen vorab schildern, werden durch strukturierte Fragen geführt und erhalten erste Informationen – noch bevor ein persönliches Gespräch stattfindet.
Routineanfragen wie Terminverschiebungen, Standardberatungen oder Dokumentenanforderungen werden so automatisiert bearbeitet. Ergänzend nutzen viele Kunden den Büro-Messenger für Rückfragen, Vertragsinformationen oder Terminabsprachen. Diese asynchronen Kanäle entlasten das Team in Stoßzeiten und ermöglichen auch außerhalb der Öffnungszeiten eine geordnete Kommunikation. Das klassische Telefon klingelt dadurch deutlich seltener – und die Beratungskapazität steigt.

Grenzen und Chancen

Noch können diese Systeme nicht in allen Fällen die Dringlichkeit eines Anliegens erkennen. Hier ist menschliche Erfahrung – oder künftig eine gut trainierte KI – gefragt. Besonders wertvoll wird die Technik, wenn sie mit der Kundendatenbank verbunden ist: Erkennt das System etwa, dass ein wichtiger Vertragsabschluss kurz vor Fristende steht, kann es die Anfrage priorisieren.

Was muss ein Beratungsbüro leisten?

Die technische Umstellung ist überschaubar, wenn die Infrastruktur durchdacht geplant wird. Wer heute noch mit einer klassischen PBX arbeitet, kann diese anbinden oder schrittweise ablösen. Wichtig ist eine stabile Verbindung zum Internet-Telefonnetz über SIP-Trunking, damit digitale Plattformen, Bürosoftware und Messaging-Dienste nahtlos zusammenarbeiten.

Für standardisierte Umgebungen ist Operator Connect eine schnelle Lösung – die Einrichtung erfolgt direkt im Microsoft Teams Admin Center, meist innerhalb weniger Stunden. Für individuelle Anforderungen (z. B. besondere Sicherheitsrichtlinien, komplexe Rufnummernkonzepte oder Netzwerkanpassungen) eignet sich Direct Routing, das mehr Kontrolle bietet. Beides lässt sich mit gängiger Versicherungssoftware kombinieren, sodass Kommunikation, Kundendaten und Dokumentation synchron laufen.
Die Effekte: Wo früher drei Mitarbeiterinnen die Kommunikation und Terminplanung stemmen mussten, reicht heute eine Kollegin – bei gleichbleibender Kundenzahl und höherer Flexibilität.

Sanfte Migration und klare Kommunikation

Ein entscheidender Erfolgsfaktor war laut Sven D. die schrittweise Einführung – eine „sanfte Migration“. Während ein Teil der Rufnummern noch über die alte Telefonanlage läuft, wurden neue Kanäle parallel aufgebaut. Das Team erhielt gezielte Schulungen, Kunden wurden mit einfachen Erklärungen abgeholt. Wer keine App nutzen möchte, kann weiterhin wie gewohnt anrufen. Die flexible Architektur sorgt für Akzeptanz – intern wie extern.

Über den Autor: Felix Pflüger ist Geschäftsführer von Peoplefone Deutschland. Er berät Unternehmen – darunter viele Versicherungsbüros – bei der digitalen Transformation ihrer Telefonie- und Kommunikationsstrukturen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Bildung

Digitale Effizienz trifft regulatorische Anforderungen: die eAkte mit KI für den BaFin-regulierten Markt

Versicherungs- und Finanzunternehmen stehen unter Druck: steigende regulatorische Anforderungen, wachsende Datenmengen und ein zunehmender Fachkräftemangel fordern Prozesse, die sicher, zuverlässig und effizient verlaufen. Eine intelligente, KI-gestützte eAkte kann hier Abhilfe verschaffen. Denn hierdurch werden die automatisierte Erschließung großer Datenmengen sowie die einfache und schnelle Bereitstellung von Informationen realisiert. 
Simon Moser (CEO muffintech) und Joachim Zech (GF die Bayrische Online-Versicherungsagentur und -Marketing GmbH)Simon Moser (CEO muffintech) und Joachim Zech (GF die Bayrische Online-Versicherungsagentur und -Marketing GmbH)die Bayrische
Digitalisierung

Mit KI zum digitalen Abschluss: die Bayerische und muffintech starten Pilotprojekt zur Antragsunterstützung

Die Versicherungsgruppe die Bayerische und das Technologie-Start-up muffintech starten ein gemeinsames Pilotprojekt zur digitalen Vertriebsunterstützung in der Sachversicherung. Im Zentrum steht der KI-Assistent LEA, der Kunden durch den Online-Antragsprozess begleitet und in Echtzeit Fragen beantwortet. Der erste Einsatz erfolgt im Bereich der Zahnzusatzversicherung, weitere Sparten wie die Hausratversicherung sollen kurzfristig folgen.
Jonathan Posselt, Teamleiter KI der FondsFinanzJonathan Posselt, Teamleiter KI der FondsFinanzFondFinanz Maklerservice GmbH
Digitalisierung

Wie KI-Agenten den Beratungsalltag neu definieren

Die Maklerarbeit verändert sich rasant: Digitale Assistenten auf KI-Basis übernehmen Routinetätigkeiten und ermöglichen so mehr Fokus auf Beratung und Beziehungspflege. Jonathan Posselt, Teamleiter KI bei Fonds Finanz, zeigt im Gastbeitrag, wie Maklerbüros schon heute die Weichen für die Zukunft stellen können. Der Text erschien zuerst im expertenReport 07/25.
Christine Berthold-Poje und Maxim Pertl von Clearwater AnalyticsChristine Berthold-Poje und Maxim Pertl von Clearwater Analytics
Investment

"Die Hälfte der Experten wird in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen"

Der Transformationsdruck in der Versicherungsbranche steigt: Kostenexplosion, demografischer Wandel, wachsende regulatorische Anforderungen. Maxim Pertl und Christine Berthold-Poje von Clearwater Analytics erklären im Gespräch, warum Technologie dabei nicht nur ein Werkzeug, sondern auch zum entscheidenden Differenzierungsfaktor wird. Der Text erschien zuerst im expertenReport 10/25.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht