Gen Z zwischen Stabilitätssehnsucht und Flexibilitätsanspruch: Moderne Spießigkeit oder neue Normalität?

Veröffentlichung: 31.03.2025, 17:03 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Generation Z wird oft als rebellisch, digital-native und individualistisch porträtiert. Doch eine aktuelle Umfrage der Hochschul-App UniNow unter fast 5.000 Studierenden in Deutschland zeichnet ein überraschend konservatives Bild: Die Mehrheit der Befragten wünscht sich eine klassische Familienstruktur, träumt vom Eigenheim – und legt erstaunlich wenig Wert auf Statussymbole wie Luxusautos.

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Ein vermeintlicher Widerspruch, der sich bei genauerem Hinsehen als Ausdruck eines veränderten Sicherheitsbedürfnisses entpuppt.

Familienidylle im neuen Gewand

„Viele Mitglieder dieser Generation stehen dem traditionellen Lebensmodell näher, als man denkt“,

konstatiert Dr. Wolfgang Achilles, Geschäftsführer der Jobbörse Jobware. Tatsächlich wünschen sich rund 58 % der Studierenden zwei oder mehr Kinder – allerdings mit deutlich verschobenem Zeitrahmen: Während nur 4 % eine Familiengründung ab 20 Jahren planen, steigt der Anteil ab 30 Jahren auf 42 %. Für Unternehmen ergibt sich daraus die Notwendigkeit, frühzeitig familienfreundliche Strukturen anzubieten – insbesondere im Kontext des demografischen Wandels.

Bemerkenswert: 20 % der Befragten schließen Kinder grundsätzlich aus. Diese Polarisierung verweist auf eine zunehmende Lebensplanung nach Maß – fernab kollektiver Normen, aber mit klaren Anforderungen an die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Eigenheim statt Sportwagen

81 % der Studierenden träumen vom eigenen Haus – ein Wert, der an vergangene Generationen erinnert. Dagegen wirkt der Reiz des Sportwagens verblasst: Nur 29 % verbinden damit ein Lebensziel. Die Gen Z verzichtet bewusst auf klassische Statussymbole und setzt stattdessen auf langfristige Sicherheit und Umweltverantwortung. Vor dem Hintergrund multipler Krisen – von Pandemie bis Klimawandel – gewinnt das Bedürfnis nach einem geschützten Rückzugsort und ökonomischer Beständigkeit an Relevanz.

Arbeitgeber unter Zugzwang

Die klare Wertehaltung der jungen Generation geht mit konkreten Erwartungen an ihre zukünftigen Arbeitgeber einher. Vier Dimensionen stehen im Fokus:

  • Stabilität: Sicherheit durch klare Karrierepfade, transparente Vergütungsmodelle und Zusatzleistungen wie Arbeitgeber-Bausparverträge.
  • Flexibilität: Wunsch nach individueller Zeiteinteilung, Remote-Arbeit und innovativen Arbeitszeitmodellen wie der 4-Tage-Woche.
  • Familienfreundlichkeit: Von der betrieblichen Kinderbetreuung bis hin zu flexiblen Rückkehrmodellen nach der Elternzeit.
  • Nachhaltigkeit: Umweltbewusstes Handeln als Unternehmensstandard – von E-Mobilität bis CO-Kompensation.

Diese Anforderungen sind keine Zugeständnisse, sondern Ausdruck eines Selbstverständnisses: Arbeit soll ins Leben passen – nicht umgekehrt.

Wertewandel ohne Bruch

Die Umfrage von UniNow zeigt, dass die Gen Z keineswegs radikal anders tickt – sie denkt nur weiter. Sie übernimmt bewährte Werte wie Sicherheit und Familie, stellt aber höhere Ansprüche an deren Realisierbarkeit. Wer als Arbeitgeber langfristig relevant bleiben will, muss diese Bedürfnisse ernst nehmen – nicht als Modeerscheinung, sondern als fundamentalen Wertewandel.

Denn die neue Spießigkeit ist keine Rückwärtsbewegung, sondern eine bewusste Entscheidung für ein Leben mit Substanz – und Plan.


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