Bundesbank mit Rekordverlust: 19,2 Milliarden Euro Minus im Jahr 2024
Die Deutsche Bundesbank hat das Geschäftsjahr 2024 mit einem historischen Defizit abgeschlossen. Mit 19,2 Milliarden Euro Verlust verzeichnet sie das höchste Minus ihrer Geschichte – und den ersten Fehlbetrag seit 1979. Damals lag das Defizit inflationsbereinigt bei umgerechnet 2,9 Milliarden Euro. Damit bleibt auch im fünften Jahr in Folge eine Ausschüttung an den Bundeshaushalt aus. Noch 2019 hatte die Bundesbank 5,85 Milliarden Euro an den Bund überwiesen. Diese regelmäßigen Einnahmen fehlen dem Staat nun schon seit mehreren Jahren.
Warum schreibt die Bundesbank Verluste?
Hauptgrund für das hohe Defizit sind die Folgen der geldpolitischen Wende der Europäischen Zentralbank (EZB). Nachdem die Inflation im Euroraum ab 2021 stark gestiegen war, erhöhte die EZB ab Sommer 2022 in mehreren Schritten die Leitzinsen, um die Teuerung einzudämmen. Während die Inflation mittlerweile deutlich gesunken ist, hinterlässt die Zinswende bei den Zentralbanken tiefe Spuren. Für die Bundesbank bedeutet das vor allem:
Höhere Zinskosten
Geschäftsbanken parken überschüssige Liquidität bei der Bundesbank – früher oft unverzinst oder sogar gegen Gebühr. Doch durch die Zinserhöhungen muss die Bundesbank nun hohe Zinsen für diese Einlagen zahlen. Je höher der Leitzins, desto teurer wird das für die Bundesbank.
Geringe Erträge auf Wertpapieren
Während die Kosten steigen, bleiben die Erträge aus den von der Bundesbank gehaltenen Staats- und Unternehmensanleihen niedrig. Diese Wertpapiere stammen aus den umfangreichen Anleihekaufprogrammen der vergangenen Jahre und wurden zu einer Zeit erworben, als die Zinsen extrem niedrig waren.
Negatives Zinsergebnis
Die Zinsmarge – also die Differenz zwischen den Zinserträgen und den Zinsausgaben – hat sich weiter verschlechtert und liegt nun bei -3,28 Prozent.
Die Bundesbank muss also den Banken für deren Einlagen deutlich mehr Zinsen zahlen, als sie selbst mit den von ihr gehaltenen Wertpapieren verdient.
Rücklagen aufgebraucht – Bundesbank trägt Verluste vor
Bereits 2023 stand die Bundesbank vor einem hohen Defizit. Damals konnte sie den drohenden Verlust aber noch vermeiden, indem sie ihre Wagnisrückstellung in Höhe von 19,2 Milliarden Euro komplett auflöste. Diese Rückstellungen waren über Jahre angesammelt worden, um Risiken abzufedern – doch jetzt sind sie aufgebraucht.
Für das Jahr 2024 standen nur noch 0,7 Milliarden Euro an Rücklagen zur Verfügung, um die Verluste zu reduzieren. Das reichte nicht aus. Der verbleibende Fehlbetrag wird nun ins Jahr 2025 vorgetragen.
Bilanzsumme schrumpft, aber Goldreserven gewinnen an Wert
Die Bilanzsumme der Bundesbank sank 2024 um 5,9 Prozent bzw. 149 Milliarden Euro. Das liegt vor allem an der schrittweisen Reduzierung der in den vergangenen Jahren stark angewachsenen Wertpapierbestände sowie an rückläufigen geldpolitischen Forderungen, etwa durch die Tilgung von pandemiebedingten Langfristkrediten an Banken (TLTROs).
Ein stabilisierender Faktor war hingegen der gestiegene Goldpreis. Die Bundesbank hält große Mengen an Goldreserven, die mit dem Marktwert in der Bilanz geführt werden. 2024 stieg die Neubewertungsreserve für Gold um 69 Milliarden Euro auf 263 Milliarden Euro. Insgesamt erhöhten sich die Neubewertungsreserven auf 267 Milliarden Euro. Diese Reserven stärken das Eigenkapital der Bundesbank und sorgen für finanzielle Stabilität – auch wenn sie die laufenden Verluste nicht direkt ausgleichen können.
EZB ebenfalls mit Rekordverlust – Gewinnausschüttung bleibt aus
Nicht nur die Bundesbank, sondern auch die EZB selbst verzeichnete 2024 ein historisches Defizit. Mit einem Verlust von 7,9 Milliarden Euro meldete sie das höchste Minus in ihrer über 25-jährigen Geschichte.
Für die Bundesbank hat das ebenfalls Folgen: Normalerweise schüttet die EZB ihre Gewinne anteilig an die nationalen Zentralbanken aus. Doch da auch die EZB hohe Verluste schreibt, entfällt diese Ausschüttung bereits zum zweiten Mal in Folge.
Wie geht es weiter?
Trotz der schlechten Zahlen sieht Bundesbank-Präsident Joachim Nagel Anzeichen für eine Stabilisierung: „Der Höhepunkt der jährlichen Belastungen dürfte hinter uns liegen.“
Entscheidend wird sein, dass die Reinvestitionen im Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) auslaufen und die Anleihebestände weiter schrumpfen. Dadurch sollte sich das negative Zinsergebnis mittelfristig verringern. Zudem könnte eine Senkung der Leitzinsen durch die EZB die Belastungen reduzieren.
Allerdings wird die Bundesbank wohl noch einige Jahre Verluste schreiben. Das bedeutet auch: Eine Rückkehr zu Gewinnausschüttungen an den Bundeshaushalt ist nicht in Sicht.
Auswirkungen auf den Bundeshaushalt
Die Bundesbank war über Jahrzehnte ein verlässlicher Geldgeber für den Bundeshaushalt. Besonders in Jahren hoher Gewinne flossen regelmäßig Milliarden nach Berlin. In den letzten fünf Jahren blieb diese Einnahmequelle jedoch komplett aus.
Noch 2019 überwies die Bundesbank 5,85 Milliarden Euro an den Bund. In früheren Haushaltsplanungen war oft ein Bundesbankgewinn von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr fest eingeplant. Dieses Geld fehlt nun – gerade in einer Zeit, in der der Staat hohe Ausgaben für Transformation, Verteidigung und Soziales stemmen muss.
Für den neuen Bundesfinanzminister bedeutet das: Er muss weiter ohne die sonst fest eingeplanten Milliarden auskommen. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, ob sich die Finanzlage der Bundesbank mittelfristig stabilisieren kann oder ob weitere schwierige Jahre bevorstehen.
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