Neue Inflationsdaten zeigen: Teuerung trifft nicht alle Haushalte gleich
Trotz stabiler Inflationsrate von 2,3 Prozent im November trifft die Teuerung die Haushalte unterschiedlich. Der aktuelle IMK-Inflationsmonitor zeigt: Während einige unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent bleiben, zahlen andere deutlich mehr – je nach Einkommen und Lebenssituation.
Von den neun betrachteten Haushaltstypen wiesen sieben eine Teuerungsrate über dem EZB-Ziel auf. Lediglich alleinlebende Personen und Paarfamilien mit geringem Einkommen lagen mit jeweils 1,9 Prozent darunter.
Geringe Spannbreite bei der Teuerung
Die haushaltsspezifischen Inflationsraten lagen im November zwischen 1,9 und 2,4 Prozent. Der Unterschied fällt damit deutlich geringer aus als während der Inflationsspitze im Herbst 2022. Damals betrug die Differenz mehr als drei Prozentpunkte. Maßgeblich für diese Entwicklung ist die veränderte Zusammensetzung der Preistreiber. Während Energie und Lebensmittel in der Hochinflationsphase stark ins Gewicht fielen, steigen inzwischen vor allem die Preise für Dienstleistungen. Diese machen in Haushalten mit mittlerem oder höherem Einkommen einen größeren Anteil am Konsum aus.
Langfristiger Vergleich zeigt Verschiebung
Im Vergleich zum Jahr 2019 haben sich die Preise für Haushalte mit niedrigem Einkommen weiterhin stark erhöht. Dennoch stehen sie nicht mehr an der Spitze. Besonders betroffen sind derzeit Paare ohne Kinder mit mittlerem Einkommen. Ihre Ausgaben sind im Sechsjahreszeitraum um 23,5 Prozent gestiegen. Bei Paarfamilien mit mittlerem oder hohem Einkommen sowie bei Alleinerziehenden mit mittlerem Einkommen liegt der Wert bei 23,1 Prozent. Haushalte mit sehr hohem Einkommen, die allein leben, verzeichnen mit 21,6 Prozent den geringsten Anstieg seit 2019.
Kritik an der Zinspolitik der EZB
Trotz der stabilisierten Preisentwicklung sieht das IMK weiteren wirtschaftlichen Handlungsbedarf. Die Ökonomin Silke Tober hält die aktuelle Inflationslage für kontrollierbar, warnt jedoch vor einer zu zögerlichen Reaktion der Europäischen Zentralbank. Der bestehende Spielraum für Zinssenkungen werde bislang nicht genutzt. Belastet wird die Konjunktur unter anderem durch hohe Energiepreise, Zollmaßnahmen der USA und Wechselkurseffekte durch einen stärkeren Euro.
Grundbedarfsartikel bleiben teuer
Besonders deutlich zeigt sich der Preisanstieg weiterhin bei Gütern des täglichen Bedarfs. Seit November 2019 sind die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um über 39 Prozent gestiegen. Energie verteuerte sich im gleichen Zeitraum um 37 Prozent, bei Haushaltsenergie liegt der Wert sogar bei 46 Prozent. Diese Entwicklungen liegen weit über dem EZB-Ziel von insgesamt 12,6 Prozent in diesem Zeitraum.
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