Heizöl fast doppelt so teuer wie vor einem Jahr
Wer seinen Heizöltank vor dem Winter auffüllen muss, zahlt derzeit fast doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Dabei sind weiterhin Millionen Haushalte auf Ölheizungen angewiesen. Warum ist Heizöl so teuer geworden, welchen Anteil haben Steuern und CO₂-Preis und weshalb führt selbst günstigeres Rohöl nicht automatisch zu sinkenden Heizkosten?
Die Heizsaison beginnt für Millionen Haushalte in Deutschland mit einer erheblichen finanziellen Belastung. Am 16. Oktober 2026 kostet Heizöl im bundesweiten Durchschnitt rund 169 Euro je 100 Liter. Für eine Lieferung von 3.000 Litern werden damit etwa 5.070 Euro fällig. Ein Jahr zuvor lag der Preis noch bei rund 93 Euro je 100 Liter.
Innerhalb von zwölf Monaten hat sich Heizöl damit um rund 82 Prozent verteuert. Die Preisentwicklung trifft vor allem Eigentümer und Mieter in älteren Gebäuden, deren Wärmeversorgung weiterhin auf Heizöl basiert
Rund 7,5 Millionen Wohnungen werden noch mit Öl beheizt
Trotz des zunehmenden Einsatzes von Wärmepumpen spielt Heizöl im deutschen Gebäudebestand weiterhin eine bedeutende Rolle. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wurden 2024 rund 17,2 Prozent der Wohnungen in Deutschland mit Heizöl beheizt.
Während im Neubau inzwischen überwiegend Wärmepumpen eingesetzt werden, verändert sich die Heizungsstruktur im Bestand nur langsam. Gerade ältere Ein- und Zweifamilienhäuser verfügen häufig noch über Ölheizungen. Ein Wechsel auf eine andere Heiztechnik ist mit Investitionen verbunden, die sich nicht jeder Haushalt kurzfristig leisten kann.
Für viele Verbraucher bleibt Heizöl deshalb auf absehbare Zeit ein notwendiger Bestandteil ihrer Wärmeversorgung.
Warum Heizöl derzeit so teuer ist
Die Preisentwicklung hängt maßgeblich mit den internationalen Energiemärkten zusammen. Rohöl wird weltweit gehandelt und reagiert empfindlich auf geopolitische Konflikte, Förderentscheidungen und Veränderungen der Nachfrage.
Mitte Oktober notiert die Nordseesorte Brent bei rund 105 US-Dollar je Barrel. Zu Jahresbeginn hatte der Preis zeitweise noch bei etwa 60 Dollar gelegen.
Doch der Rohölpreis allein erklärt die Entwicklung nicht vollständig. Heizöl wird nicht unmittelbar aus dem geförderten Rohöl an Verbraucher geliefert, sondern muss zunächst in Raffinerien hergestellt werden.
Dabei konkurriert Heizöl mit anderen sogenannten Mitteldestillaten, insbesondere Diesel, um Raffineriekapazitäten. Ist das Angebot an diesen Produkten knapp, können ihre Preise auch dann hoch bleiben, wenn Rohöl an den Börsen zeitweise günstiger wird.
Hinzu kommen gestiegene Transport-, Versicherungs- und Beschaffungskosten sowie die Auswirkungen des Euro-Dollar-Wechselkurses. Da Rohöl international überwiegend in US-Dollar gehandelt wird, beeinflusst auch die Entwicklung der Gemeinschaftswährung den Einkaufspreis europäischer Unternehmen.
Wie setzt sich der Heizölpreis zusammen?
Der Preis, den Verbraucher bei einer Heizölbestellung bezahlen, besteht aus mehreren Bestandteilen. Den größten Anteil machen die Beschaffungskosten für das Öl beziehungsweise das daraus hergestellte Heizöl aus.
Hinzu kommen Kosten für Raffinerieverarbeitung, Transport, Lagerhaltung und Vertrieb sowie staatliche Steuern und der CO₂-Preis.
Für schwefelarmes Heizöl gilt in Deutschland eine Energiesteuer von 6,135 Cent je Liter. Zusätzlich fällt der nationale CO₂-Preis an, der seit 2026 über die Versteigerung von Emissionszertifikaten innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 Euro je Tonne Kohlendioxid bestimmt wird.
Bei einem CO₂-Preis von 65 Euro je Tonne entspricht dies einer Belastung von rund 20,7 Cent je Liter Heizöl einschließlich Mehrwertsteuer. Bei 55 Euro je Tonne sind es etwa 17,5 Cent.
Auf den gesamten Verkaufspreis einschließlich der übrigen Preisbestandteile wird außerdem die reguläre Mehrwertsteuer von 19 Prozent erhoben.
Die staatlichen Belastungen sind damit ein relevanter Bestandteil des Heizölpreises. Den erheblichen Preisanstieg innerhalb des vergangenen Jahres erklären sie allerdings nur zu einem vergleichsweise kleinen Teil.
CO₂-Preis ist nicht der Hauptgrund für den Preissprung
Die CO₂-Bepreisung wird häufig als Ursache steigender Heizkosten genannt. Tatsächlich verteuert sie fossile Brennstoffe und erhöht langfristig den wirtschaftlichen Druck, auf klimafreundlichere Heizsysteme umzusteigen.
Für den außergewöhnlichen Preisanstieg im Jahr 2026 ist sie jedoch nicht der entscheidende Faktor.
Während der CO₂-Preis 2025 bei 55 Euro je Tonne lag, bewegt er sich 2026 zwischen 55 und 65 Euro. Selbst am oberen Ende des Korridors erhöht sich die Belastung gegenüber dem Vorjahr bei Heizöl lediglich um rund 3,2 Cent je Liter einschließlich Mehrwertsteuer.
Der größte Teil dieser Verteuerung ist somit auf die Entwicklung der internationalen Öl- und Raffineriemärkte sowie die damit verbundenen Beschaffungskosten zurückzuführen.
Eine Tankfüllung kostet Tausende Euro mehr
Wie stark sich die Preisentwicklung auf private Haushalte auswirkt, zeigt eine Beispielrechnung.
Bei einem Preis von 93 Euro je 100 Liter kostete eine Lieferung von 3.000 Litern Heizöl im Oktober 2025 rund 2.790 Euro. Beim aktuellen Preis von rund 169 Euro je 100 Liter werden für dieselbe Menge etwa 5.070 Euro fällig.
Das entspricht Mehrkosten von rund 2.280 Euro für eine einzige Tankfüllung.
Gerade für Haushalte mit begrenzten finanziellen Rücklagen kann eine solche Ausgabe erhebliche Schwierigkeiten verursachen. Anders als bei monatlichen Abschlagszahlungen für Gas oder Fernwärme müssen Heizölkunden den Brennstoff häufig in größeren Mengen auf einmal bezahlen.
Zwar können Verbraucher den Kaufzeitpunkt grundsätzlich selbst bestimmen und bei ausreichend großem Tank von günstigeren Marktphasen profitieren. Wer jedoch zu Beginn der Heizsaison nur noch geringe Vorräte hat, verfügt häufig nicht über diese Flexibilität.
Warum sinkende Rohölpreise nicht sofort beim Verbraucher ankommen
Ein Rückgang der Rohölnotierungen bedeutet nicht automatisch, dass auch Heizöl unmittelbar günstiger wird.
Entscheidend ist unter anderem der Preis für Gasöl, das an internationalen Handelsplätzen als Referenz für Diesel und Heizöl dient. Dieser kann sich aufgrund von Raffinerieengpässen oder einer angespannten Versorgungslage anders entwickeln als der Rohölpreis.
Auch Wechselkurse, regionale Lagerbestände und Transportkosten beeinflussen die Endkundenpreise.
Darüber hinaus kalkulieren Händler auf Grundlage ihrer jeweiligen Beschaffungs- und Lieferbedingungen. Deshalb können sich die Angebote regional und zwischen einzelnen Unternehmen deutlich unterscheiden.
Verbraucher sollten bei Preisvergleichen außerdem auf die bestellte Menge achten. Größere Lieferungen sind je Liter häufig günstiger, weil sich Transport- und Lieferkosten auf mehr Heizöl verteilen.
Wann wird Heizöl wieder günstiger?
Ob die Heizölpreise in den kommenden Monaten deutlich zurückgehen, lässt sich derzeit nicht verlässlich vorhersagen.
Entscheidend dürfte vor allem sein, wie sich die geopolitische Lage entwickelt und ob sich die Versorgung mit Rohöl und raffinierten Ölprodukten wieder stabilisiert.
Auch die Nachfrage während der Heizperiode spielt eine Rolle. Sinkende Temperaturen erhöhen den Verbrauch, während mildere Witterung und gut gefüllte Lager den Markt entlasten können.
Für Verbraucher bleibt die Situation damit schwierig: Wer ausreichend Heizöl im Tank hat, kann die Preisentwicklung beobachten und gegebenenfalls auf günstigere Angebote warten. Bei knappen Vorräten ist ein weiteres Hinauszögern der Bestellung dagegen mit dem Risiko verbunden, dass die Preise erneut steigen oder Lieferzeiten länger werden.
Der starke Preisanstieg verdeutlicht zugleich, wie abhängig Millionen Haushalte weiterhin von internationalen Energiemärkten sind. Solange ein erheblicher Teil des Gebäudebestands mit Heizöl beheizt wird, bleiben geopolitische Konflikte und Schwankungen an den Rohstoffmärkten ein unmittelbares finanzielles Risiko für Verbraucher.
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