Naturkatastrophen werden sichtbarer – die Angst davor sinkt

Veröffentlichung: 16.10.2026, 06:10 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Hitze, Niedrigwasser, Waldbrände: Naturgefahren waren auch 2026 sichtbar. Trotzdem geht die Sorge der Bevölkerung davor deutlich zurück. In der R+V-Langzeitstudie fällt die Angst vor Naturkatastrophen so stark wie keine andere abgefragte Sorge. Auch der Klimawandel landet weit hinten im Ranking. Was hinter dieser Entwicklung steckt, lässt die Befragung allerdings offen.

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Hitze, Niedrigwasser und Waldbrände bleiben sichtbare Naturgefahren. Trotzdem fürchten sich laut R+V-Langzeitstudie 2026 nur noch 27 Prozent der Deutschen vor Naturkatastrophen – neun Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.Hitze, Niedrigwasser und Waldbrände bleiben sichtbare Naturgefahren. Trotzdem fürchten sich laut R+V-Langzeitstudie 2026 nur noch 27 Prozent der Deutschen vor Naturkatastrophen – neun Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.Redaktion experten.de / KI-generiert

Die Angst vor Naturkatastrophen geht in Deutschland deutlich zurück. Nur noch 27 Prozent der Befragten äußern in der R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen 2026“ große Sorge vor solchen Ereignissen.
Gegenüber dem Vorjahr fällt der Wert um neun Prozentpunkte. Das ist der stärkste Rückgang unter allen in diesem Jahr untersuchten Ängsten. Im Gesamtranking landet die Sorge vor Naturkatastrophen auf Platz 21. Auch die Angst vor dem Klimawandel erreicht lediglich 30 Prozent und damit Platz 20.

Extremereignisse führen nicht automatisch zu größerer Angst

Die Entwicklung fällt besonders deshalb auf, weil Natur- und Klimarisiken keineswegs aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden sind. Die R+V verweist in ihrer Einordnung unter anderem auf Rekordhitze bereits im Juni, Niedrigwasser in Flüssen, Ernteausfälle und heftige Waldbrände. Trotzdem sinken sowohl die Klimawandel- als auch die Naturkatastrophen-Sorge.
Damit zeigt die Befragung zumindest eines: Die Wahrnehmung konkreter Ereignisse und die subjektiv geäußerte Angst davor müssen sich nicht parallel entwickeln. Warum die Sorge zurückgeht, lässt sich aus den Befragungswerten allein nicht bestimmen. Prof. Dr. Isabelle Borucki interpretiert die Entwicklung dahingehend, dass angesichts scheinbar unaufhaltsamer Veränderungen Resignation die Angst überlagern könnte. Das ist eine Deutung der Studienberaterin – die Untersuchung selbst weist keinen solchen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nach.

Finanzielle Sorgen verdrängen andere Themen

Eine weitere Einordnung liefert das Gesamtbild der Studie. Das durchschnittliche Angstniveau beträgt 2026 lediglich 38 Prozent und liegt damit nur zwei Prozentpunkte über dem bislang niedrigsten Wert aus dem Jahr 2021. Gleichzeitig erreichen acht Sorgen ihren jeweils niedrigsten bislang gemessenen Wert. Nach Einschätzung der Studienautoren rücken vor allem finanzielle Themen ins Zentrum, während andere Ängste an Bedeutung verlieren.
Tatsächlich stehen steigende Lebenshaltungskosten mit 59 Prozent an der Spitze der diesjährigen Befragung. Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen folgen mit 53 Prozent, die Sorge vor einer schlechteren Wirtschaftslage erreicht 51 Prozent. Der Rückgang der Naturkatastrophen-Angst muss deshalb nicht bedeuten, dass die Bevölkerung entsprechende Risiken für verschwunden hält. Gemessen wird, welche Themen den Befragten große Angst bereiten – und in diesem Ranking dominieren 2026 wirtschaftliche und finanzielle Sorgen.

Risikowahrnehmung bleibt eine eigene Größe

Gerade für Versicherer ist diese Unterscheidung relevant. Naturgefahren können objektiv Schäden verursachen, unabhängig davon, wie stark Menschen sie subjektiv fürchten. Die aktuelle R+V-Befragung zeigt deshalb vor allem eine Veränderung der Risikowahrnehmung – nicht eine Veränderung des tatsächlichen Naturgefahrenrisikos.

Für die Studie wurden rund 2.400 Menschen der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren persönlich befragt. Die Erhebung lief vom 11. Mai bis zum 29. Juli 2026. R+V untersucht die Ängste der Deutschen seit 1992 jährlich.

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