Klimafolgenanpassung: GDV fordert zentrales Lagebild

Veröffentlichung: 15.07.2025, 06:07 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Vier Jahre nach der Ahrflut werden im betroffenen Tal großangelegte Rückhaltebecken geplant – doch bundesweit fehlt der Überblick über laufende Präventionsprojekte. Der GDV fordert ein zentrales Radar der Klimaanpassung.

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Vier Jahre nach der Ahrflut werden im betroffenen Tal großangelegte Rückhaltebecken geplant (KI-Darstellung).Vier Jahre nach der Ahrflut werden im betroffenen Tal großangelegte Rückhaltebecken geplant (KI-Darstellung).DALL-E

Der Wiederaufbau im Ahrtal schreitet voran, zugleich entstehen neue Schutzmechanismen gegen künftige Extremwetterereignisse. Eine zentrale Rolle spielt dabei der geplante Bau mehrerer großer Rückhaltebecken, mit denen bis zu vier der insgesamt 17 identifizierten Standorte prioritär ausgebaut werden sollen. Die Region steht damit beispielhaft für vorausschauende Klimaanpassung – doch für den Rest Deutschlands bleibt unklar, wo vergleichbare Projekte laufen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mahnt an, dass es bislang keine zentrale Datenbasis gibt, die Klimaanpassungsmaßnahmen in Deutschland systematisch erfasst und öffentlich zugänglich macht. Das führe nicht nur zu einem unvollständigen Risikobild, sondern bremse auch den dringend notwendigen Wissenstransfer zwischen Kommunen, Fachbehörden und Versicherungswirtschaft.

Asmussen: „Wir brauchen ein Lagebild“

„Uns fehlt in Deutschland eine zentrale Plattform, die über alle laufenden und geplanten Anpassungsmaßnahmen informiert“, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Der GDV fordert daher ein nationales „Radar der Klimaanpassungsmaßnahmen“, das Informationen zu laufenden, geplanten und abgeschlossenen Schutzmaßnahmen zentral bündelt und regelmäßig aktualisiert. Nur so könne gezielt investiert, priorisiert und voneinander gelernt werden.

Die vorhandenen Daten sind in den zuständigen Behörden grundsätzlich vorhanden – etwa auf Ebene der Wasserwirtschaftsämter, Umweltministerien oder Katastrophenschutzbehörden. Doch es fehlt an Standardisierung, Transparenz und technischer Verknüpfung. Asmussen betont: „Derzeit kommen positive Effekte von Schutzmaßnahmen oft zu spät in den Risikomodellen an – weil es kein vollständiges Lagebild gibt.“

Naturgefahrenportal als Ausgangspunkt

Ein möglicher Ansatzpunkt für mehr Transparenz ist aus Sicht des GDV das bestehende Naturgefahrenportal, das bisher jedoch vor allem vergangene Ereignisse kartiert. Dieses sollte künftig auch präventive Maßnahmen abbilden und um weitere Risiken wie Erdbeben oder Erdsenkungen ergänzt werden.

Für die Versicherungswirtschaft wäre ein solches Lagebild eine wertvolle Grundlage, um Risikomodelle besser kalibrieren zu können. Für Kommunen und Entscheidungsträger würde ein zentrales Register die Möglichkeit bieten, eigene Projekte besser zu planen, von Erfahrungen anderer zu profitieren und Fördermittel gezielter einzusetzen.

Die Klimafolgenanpassung gilt als Schlüsselaufgabe der kommenden Jahrzehnte. Der Wiederaufbau im Ahrtal zeigt, was möglich ist – nun braucht es Strukturen, um diese Erkenntnisse bundesweit nutzbar zu machen.

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