Deutsche fürchten die Rezession – aber kaum den eigenen Jobverlust

Veröffentlichung: 01.10.2026, 14:10 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Der wirtschaftliche Pessimismus nimmt deutlich zu: Mehr als jeder Zweite fürchtet inzwischen eine schlechtere Wirtschaftslage. Gleichzeitig erreicht die Sorge vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes in der R+V-Langzeitstudie einen historischen Tiefstand. Zwei Zahlen zeigen, wie unterschiedlich die Deutschen auf die wirtschaftliche Lage und ihre persönliche Beschäftigungssituation blicken.

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Die Sorge um Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung wächst deutlich: 51 Prozent fürchten laut R+V-Langzeitstudie 2026 eine schlechtere Wirtschaftslage. Gleichzeitig erreicht die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes mit 20 Prozent einen historischen Tiefstand.Die Sorge um Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung wächst deutlich: 51 Prozent fürchten laut R+V-Langzeitstudie 2026 eine schlechtere Wirtschaftslage. Gleichzeitig erreicht die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes mit 20 Prozent einen historischen Tiefstand.Redaktion experten.de / KI-generiert

Die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands ist innerhalb eines Jahres kräftig gestiegen. 51 Prozent der Befragten fürchten 2026 eine schlechtere Wirtschaftslage. Im Vorjahr waren es noch 41 Prozent. Damit legt diese Angst um zehn Prozentpunkte zu – stärker als jede andere in der aktuellen R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen“.
Im Ranking macht die Sorge einen entsprechend großen Sprung: von Platz zehn im Jahr 2025 auf Platz vier in diesem Jahr. Studienleiter Grischa Brower-Rabinowitsch bezeichnet den Anstieg als stärkstes Signal der diesjährigen Untersuchung. Bemerkenswert ist allerdings, was gleichzeitig am anderen Ende der Befragung passiert.

Nur jeder Fünfte fürchtet um den eigenen Arbeitsplatz

Während jeder Zweite die wirtschaftliche Entwicklung mit Sorge betrachtet, fürchten lediglich 20 Prozent der Erwerbstätigen, ihren eigenen Arbeitsplatz zu verlieren. Das ist nicht nur ein vergleichsweise niedriger Wert. Die R+V erhebt die Angst vor Arbeitslosigkeit seit 1992 – und die 20 Prozent des Jahres 2026 markieren nach Angaben der Studie den bislang niedrigsten gemessenen Wert. Im Gesamtranking landet die Sorge vor Arbeitslosigkeit auf Platz 24.
Damit stehen zwei Entwicklungen nebeneinander, die auf den ersten Blick nur schwer zusammenpassen: Der Blick auf die wirtschaftliche Zukunft des Landes wird deutlich pessimistischer, während die persönliche Sorge um den Arbeitsplatz einen Tiefstand erreicht. Einen Grund für dieses Auseinanderlaufen liefert die Studie nicht. Die beiden Werte beziehen sich zudem auf unterschiedliche Bezugsgrößen: Die Sorge vor einer schlechteren Wirtschaftslage wird in der Bevölkerung erhoben, die Angst vor Arbeitslosigkeit naturgemäß unter Erwerbstätigen. Die Ergebnisse zeigen daher keine unmittelbare Kausalität – wohl aber einen auffälligen Gegensatz zwischen gesamtwirtschaftlicher und persönlicher Sorge.

Finanzielle Sorgen dominieren die Ängste

Dass die Wirtschaftslage stärker in den Vordergrund rückt, passt zum Gesamtbild der diesjährigen Untersuchung. Die größte Sorge der Deutschen sind steigende Lebenshaltungskosten. 59 Prozent fürchten, dass ihr Geld dauerhaft nicht zum Leben reicht. Gegenüber 2025 ist der Wert um sieben Prozentpunkte gestiegen.
Die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten steht damit zum sechzehnten Mal in insgesamt 35 Befragungen an der Spitze. Besonders ausgeprägt ist sie laut R+V im Westen Deutschlands: Dort erreicht sie 60 Prozent, im Osten 53 Prozent.
Auf Platz zwei folgt die Angst vor Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen. Sie steigt von 49 auf 53 Prozent. Auf Platz vier folgt bereits die Sorge um eine schlechtere Wirtschaftslage. Auch unbezahlbarer Wohnraum schafft es mit 50 Prozent auf Platz fünf. Die Spitzengruppe der Ängste wird damit 2026 stark von Fragen geprägt, die unmittelbar oder mittelbar mit der finanziellen Situation der Menschen zusammenhängen.

Gesamtangst bleibt trotzdem vergleichsweise niedrig

Ein grundsätzlich düsteres Stimmungsbild lässt sich aus der Untersuchung allerdings nicht ableiten. Über sämtliche abgefragten Themen hinweg beträgt das durchschnittliche Angstniveau 38 Prozent. Damit liegt es lediglich zwei Prozentpunkte über dem bislang niedrigsten Wert aus dem Jahr 2021 und deutlich unter dem bisherigen Höchststand von 52 Prozent im Jahr 2016.
Das macht die Verschiebung innerhalb der Studie umso interessanter: Nicht sämtliche Sorgen nehmen gleichermaßen zu. Vielmehr rücken finanzielle und wirtschaftliche Themen stärker in den Vordergrund, während andere Ängste zurückgehen oder auf niedrigem Niveau bleiben.
Die R+V-Langzeitstudie wird seit 1992 durchgeführt. Für die aktuelle Ausgabe wurden rund 2.400 Menschen der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren persönlich befragt. Die Erhebung fand zwischen dem 11. Mai und dem 29. Juli 2026 statt.

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