Typklassen 2027: Für 12,5 Millionen Autofahrer ändert sich die Einstufung
Neue Typklassen für rund 33.000 Automodelle: 7,4 Millionen Autofahrende werden in der Kfz-Haftpflicht höher, 5,1 Millionen niedriger eingestuft. Wie stark sich das auswirken kann, zeigen Berechnungen von Verivox – bei einzelnen Modellen geht es um Beitragsunterschiede von mehr als 20 Prozent.
Für Millionen Autofahrer verändert sich 2027 ein wichtiger Faktor ihrer Kfz-Versicherung. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die neue Typklassenstatistik veröffentlicht. Sie basiert auf den Schadenbilanzen der Jahre 2023 bis 2025. In der Kfz-Haftpflichtversicherung werden rund 7,4 Millionen Autofahrende höher eingestuft. Für etwa 5,1 Millionen geht es dagegen in eine niedrigere Typklasse. Für fast 30 Millionen beziehungsweise 71 Prozent bleibt die Einstufung unverändert. „Rund 7,4 Millionen Autofahrende werden in eine höhere und rund 5,1 Millionen in eine niedrigere Typklasse gestuft“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV.
Die Typklasse bildet ab, wie viele und wie teure Schäden mit einem bestimmten Automodell beziehungsweise einer konkreten Fahrzeugvariante im Vergleich zu anderen verursacht werden. In der Haftpflicht zählen dabei die Schäden, die gegenüber Dritten entstehen.
Jeep Wrangler: plus 25 oder minus 19 Prozent
Was eine Neueinstufung für den Versicherungsbeitrag bedeuten kann, hat Verivox anhand einzelner Fahrzeuge berechnet. Dabei zeigt sich, dass selbst unterschiedliche Varianten derselben Modellreihe völlig gegensätzlich betroffen sein können. Ein Jeep Wrangler 2.0 steigt nach Angaben des Vergleichsportals in der Vollkaskoversicherung um sechs Typklassen. Allein aufgrund dieser Veränderung verteuert sich die Vollkaskoversicherung im verwendeten Modell durchschnittlich um 25 Prozent. Beim Jeep Wrangler 3.6 geht es dagegen um sechs Vollkasko-Typklassen nach unten. Die modellierten Versicherungskosten sinken dadurch um durchschnittlich 19 Prozent. „Der GDV bestimmt die Typklassen für jede Variante einer Baureihe auf Basis der jeweiligen Schadensbilanzen“, erklärt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. Deshalb könnten selbst Fahrzeuge derselben Modellreihe unterschiedlich eingestuft werden.
Auch Mini, Dacia und BMW profitieren
Weitere Beispiele zeigen die mögliche Größenordnung. Beim Mini Cooper C 1.5 sinkt die Vollkasko-Einstufung um fünf Klassen, in der Haftpflicht um zwei. Nach Berechnung von Verivox reduziert sich der Beitrag für den Rundumschutz dadurch im Durchschnitt um 21 Prozent. Beim Dacia Duster 1.2 geht es um eine Haftpflicht- und vier Vollkasko-Klassen nach unten. Verivox errechnet daraus eine durchschnittliche Beitragssenkung um 16 Prozent.
Ein BMW 330 CI verbessert sich um vier Klassen in der Haftpflicht und um eine in der Vollkasko. Daraus ergibt sich im Modell ein Beitragsrückgang um 15 Prozent. Beim Mercedes-Benz CLA 180 wirken zwei Veränderungen gegeneinander: sechs Klassen nach unten in der Haftpflicht, eine Klasse nach oben in der Vollkasko. Unter dem Strich errechnet Verivox einen um durchschnittlich zehn Prozent niedrigeren Beitrag.
Typklasse allein bestimmt den Preis nicht
Die Beispiele dürfen allerdings nicht mit einer allgemeinen Prognose für die Kfz-Beiträge 2027 verwechselt werden. Die Typklasse ist lediglich einer von mehreren Faktoren bei der Kalkulation. Nach Berechnungen von Verivox verändert eine zusätzliche Vollkasko-Typklasse den Beitrag im Durchschnitt um etwa vier Prozent. Das verwendete statistische Modell isoliert dabei den Einfluss der Typklasse von anderen Tarifmerkmalen. Der tatsächliche Versicherungsbeitrag hängt zusätzlich beispielsweise von Regionalklasse, Jahresfahrleistung und individuellen Tarifmerkmalen ab. Auch steigende Reparatur- und Ersatzteilkosten beeinflussen die Prämien. Der GDV weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass sich aus einer veränderten Typklasse allein keine Aussage über die tatsächliche Beitragsentwicklung eines einzelnen Vertrags ableiten lässt.
Kaskoversicherung: Zwei Drittel bleiben unverändert
Auch für Voll- und Teilkaskoversicherungen werden die Schadenbilanzen jährlich neu ausgewertet. Dort behalten nach Angaben des GDV 67 Prozent der Versicherten ihre bisherige Typklasse. Tendenziell finden sich günstig zu reparierende Kleinwagen häufiger in niedrigeren Kasko-Typklassen. Der GDV nennt unter anderem Fiat Panda, Renault Twingo und VW Polo. Hochwertige Geländewagen, Sportwagen und Oberklassefahrzeuge sind aufgrund höherer Reparatur-, Ersatzteil- und Wiederbeschaffungskosten häufiger in höheren Klassen vertreten.
Die neue Statistik umfasst rund 33.000 Automodelle. In der Kfz-Haftpflicht reichen die Typklassen von 10 bis 25, in der Vollkasko von 10 bis 34 und in der Teilkasko von 10 bis 33.
Die GDV-Einstufungen sind für die Versicherungsunternehmen nicht verbindlich. Sie können für Neuverträge unmittelbar und für bestehende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr berücksichtigt werden.
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