Kfz-Versicherung erreicht Preisplateau
Nach drei Jahren kräftiger Prämiensteigerungen beruhigt sich der Markt für Kfz-Versicherungen. Haftpflichtangebote sind erstmals seit der Coronakrise wieder günstiger als im Vorjahr. Gleichzeitig wächst der Abstand zwischen günstigen und durchschnittlichen Tarifen – und damit die Bedeutung der kommenden Wechselsaison.
Die große Preiswelle in der Kfz-Versicherung scheint vorerst gebrochen. Über Haftpflicht, Teil- und Vollkasko hinweg liegen die Preise derzeit im Mittel nur noch 1,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. In der Kfz-Haftpflicht sind Angebote aus dem mittleren Preissegment sogar drei Prozent günstiger als vor einem Jahr.
Das zeigt der aktuelle Kfz-Versicherungsindex von Verivox. Für die Branche markieren die Zahlen eine deutliche Veränderung nach mehreren Jahren der Sanierung – und möglicherweise den Übergang in eine neue Wettbewerbsphase.
Haftpflicht wird günstiger, Vollkasko verteuert sich weiter
Ganz einheitlich entwickelt sich der Markt allerdings nicht. Während die Haftpflichtpreise um drei Prozent zurückgehen, bewegen sich die Teilkaskotarife mit einem Plus von 0,1 Prozent praktisch seitwärts. In der Vollkasko steigen die Preise dagegen weiterhin um 2,5 Prozent. Von einem generellen Preisrückgang kann deshalb noch keine Rede sein. Vielmehr scheint der Markt nach den außergewöhnlich starken Anpassungen der vergangenen Jahre ein Plateau erreicht zu haben. „Für die Kfz-Versicherer war der Sanierungskurs der letzten Jahre erfolgreich“, sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. Zugleich warnt er davor, die Stabilisierung für dauerhaft zu halten: Reparaturkosten stiegen weiterhin und der finanzielle Puffer der Versicherer sei nicht besonders groß.
Seit 2022 sind Kfz-Tarife fast 53 Prozent teurer geworden
Wie stark die vorangegangene Sanierungsphase ausgefallen ist, zeigt erst der längere Vergleich. Über alle Versicherungsarten hinweg liegen die Kfz-Tarife heute nach Berechnungen von Verivox im Mittel 52,8 Prozent über dem Niveau von 2022. Damals hatte die große Anpassungswelle noch nicht begonnen. Hintergrund waren insbesondere stark steigende Reparaturkosten und die nach den Corona-Jahren wieder zunehmende Schadenhäufigkeit. Das Kfz-Geschäft geriet dadurch tief in die Verlustzone, worauf die Versicherer mit erheblichen Prämienanpassungen reagierten.
Assekurata sah den Markt im Juni bereits an einem möglichen Wendepunkt. Nach der Sanierung stellte sich zunehmend die Frage, ob Versicherer in der kommenden Wechselsaison wieder stärker über den Preis um Kunden konkurrieren werden. Die aktuellen Verivox-Daten liefern dafür nun erste Anzeichen.
Zwischen Risikoselektion und Wachstum
Dabei dürften nicht alle Versicherer dieselbe Strategie verfolgen. Nach Einschätzung von Verivox achten viele Anbieter inzwischen stärker darauf, die Prämie am individuellen Schadenrisiko auszurichten. Nach den Verlustjahren soll verhindert werden, dass neu gewonnenes Geschäft erneut zulasten der Profitabilität geht. Andere Anbieter könnten dagegen wieder aggressiver kalkulieren, um Marktanteile zu gewinnen. Dass dafür Spielraum vorhanden ist, zeigt die Preisspanne im Markt. Günstige Angebote liegen über alle untersuchten Versicherungsarten hinweg 32,5 Prozent unter dem mittleren Preissegment. In der Teilkasko beträgt der Abstand 32,8 Prozent, in der Vollkasko 32,5 Prozent und in der Haftpflicht 31,9 Prozent.
Damit wird die kommende Wechselsaison auch zu einem Test dafür, wie viel Preiswettbewerb die Versicherer nach den zurückliegenden Sanierungsjahren wieder zulassen.
Das Preisplateau ist noch kein neuer Normalzustand
Die Branche startet dabei aus einer deutlich besseren Position als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig sind wesentliche Kostentreiber nicht verschwunden. Steigende Ersatzteil-, Werkstatt- und Reparaturkosten können die Kalkulation erneut belasten. Der gegenwärtige Stillstand bei den Prämien muss deshalb nicht bedeuten, dass die Kfz-Versicherung dauerhaft in eine Phase stabiler Preise eingetreten ist. Interessanter dürfte zunächst sein, wie unterschiedlich die Versicherer das zurückgewonnene Gleichgewicht nutzen: zur Absicherung ihrer Profitabilität – oder wieder stärker zur Gewinnung neuer Kunden. Die Wechselsaison 2026 könnte darauf eine erste Antwort geben.
Zur Methodik
Der Kfz-Versicherungsindex wird von Verivox gemeinsam mit Professor Wolfgang Bischof von der Technischen Hochschule Augsburg berechnet. Für die aktuelle Auswertung wurden anonymisierte Nutzerberechnungen vom 1. bis 30. Juni 2026 mit den entsprechenden Zeiträumen 2025 und 2022 verglichen. Das statistische Modell soll Veränderungen der Kundenstruktur und Nachfrage herausrechnen und bildet die Preisentwicklung für Versicherungswechsler ab.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Kfz-Versicherung: Mehrheit der Autobesitzer zahlt erneut höhere Beiträge
Kfz-Versicherung: Drei Vertragshebel senken Beiträge sofort
Kfz-Versicherung nach der Krise: Beginnt im Herbst der nächste Preiskampf?
Kfz-Versicherung: Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.











