Kfz-Versicherer: Von jedem Beitrags-Euro bleibt nur ein Cent
Die Kfz-Versicherer dürften 2026 knapp in den schwarzen Zahlen bleiben. Doch die Erholung steht auf wackligen Beinen: Werkstatt- und Ersatzteilpreise steigen weiter, die Schadenaufwendungen wachsen deutlich schneller als die Beitragseinnahmen. Der GDV rechnet mit einer Schaden-Kosten-Quote von 99 Prozent.
Die deutschen Kfz-Versicherer haben ihre Verluste der vergangenen Jahre weitgehend hinter sich gelassen. Von einer nachhaltigen Entspannung kann allerdings keine Rede sein. Nach einer aktuellen Hochrechnung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dürfte die Sparte 2026 lediglich einen geringen versicherungstechnischen Überschuss erzielen. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband eine Schaden-Kosten-Quote von 99 Prozent. Damit werden von jedem eingenommenen Beitrags-Euro rechnerisch 99 Cent für Schäden und Kosten benötigt. Während die Beitragseinnahmen voraussichtlich um knapp sieben Prozent auf rund 41 Milliarden Euro steigen, rechnet der GDV mit einem Anstieg der Leistungsauszahlungen um mehr als zehn Prozent auf etwa 35 Milliarden Euro. Die Erholung der Kfz-Versicherung bleibt damit fragil. Trotz der deutlichen Beitragsanpassungen der vergangenen Jahre wachsen die Schadenaufwendungen weiterhin schneller als die Einnahmen.
Ein Pkw-Sachschaden kostet inzwischen 4.600 Euro
Hauptursache sind die anhaltend hohen Reparaturkosten. Ein durchschnittlicher Pkw-Sachschaden kostet die Versicherer inzwischen rund 4.600 Euro. Gegenüber 2017 entspricht das einem Anstieg um etwa 70 Prozent. Allein 2025 erhöhten sich die Stundensätze der Kfz-Werkstätten um durchschnittlich 7,5 Prozent. Die Ersatzteilpreise legten um 5,6 Prozent zu. „Ein durchschnittlicher Pkw-Sachschaden kostet die Versicherer inzwischen rund 4.600 Euro – etwa 70 Prozent mehr als 2017“, erklärt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Die stark gestiegenen Werkstatt- und Ersatzteilpreise trieben die Schadenaufwendungen weiter nach oben. Wie weit sich die Reparaturkosten von der allgemeinen Preisentwicklung entfernt haben, zeigt der längerfristige Vergleich: Zwischen 2017 und 2025 verteuerten sich Werkstattstunden um 62 Prozent und Ersatzteile um rund 60 Prozent. Die allgemeinen Verbraucherpreise stiegen im gleichen Zeitraum dagegen um 26 Prozent. Die durchschnittlichen Beiträge in der Kfz-Haftpflichtversicherung erhöhten sich lediglich um 18 Prozent.
Elektroautos verursachen höhere Werkstattstundensätze
Besonders teuer sind nach Angaben des GDV Reparaturen an Elektrofahrzeugen. Die Werkstattstundensätze lagen 2025 im Durchschnitt etwa 15 Prozent über denen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Ein Grund ist die teilweise notwendige Reparatur in spezialisierten Werkstätten. Für Versicherer ist diese Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil steigende Stundenverrechnungssätze unmittelbar auf die Schadenkosten durchschlagen. Hinzu kommen teure Ersatzteile und die zunehmende technische Komplexität moderner Fahrzeuge.
Rückversicherer warnen bereits vor 2027
Die aktuelle GDV-Hochrechnung bestätigt damit eine Entwicklung, auf die auch die Rückversicherer E+S Rück und Munich Re hingewiesen haben. In ihrer Einschätzung zur Kfz-Versicherung 2027 sehen sie zwar eine Stabilisierung nach den verlustreichen Vorjahren. Die anhaltende Verteuerung von Reparaturen und Ersatzteilen gefährdet jedoch die wirtschaftliche Erholung.
Besonders deutlich wird die Entwicklung bei den Ersatzteilen: Zwischen 2017 und 2025 stiegen ihre Preise im Durchschnitt um 6,1 Prozent jährlich. Die Versicherungsprämien legten im selben Zeitraum durchschnittlich nur um 2,2 Prozent pro Jahr zu.
Was bedeutet das für den Herbstpreiskampf?
Für die laufende Wechselsaison ergibt sich daraus ein Spannungsfeld. Einerseits haben die kräftigen Beitragsanpassungen der vergangenen Jahre die wirtschaftliche Lage der Kfz-Versicherer verbessert. Andererseits begrenzen die weiterhin steigenden Schadenkosten den Spielraum für Preissenkungen. Bereits im Juni hatte eine Analyse von Assekurata die Frage aufgeworfen, ob nach der Rückkehr in die Gewinnzone ein neuer Preiswettbewerb einsetzen könnte. Die Beitragseinnahmen der Kraftfahrtversicherung waren 2025 um 13,4 Prozent gestiegen. Die aktuelle GDV-Prognose zeigt nun, wie schnell die Kostenentwicklung einen Teil dieser Entlastung wieder aufzehrt.
Schon 2025 warnte der GDV vor minimalen Erträgen
Neu ist das Problem nicht. Bereits vor einem Jahr hatte der GDV auf die stark steigenden Werkstatt- und Ersatzteilpreise hingewiesen. Damals rechnete der Verband für 2025 trotz deutlich höherer Beiträge nur mit einem geringen versicherungstechnischen Gewinn. Die damalige Prognose ging noch von einem Überschuss von drei Cent je eingenommenem Beitrags-Euro aus. Für 2026 liegt dieser rechnerische Wert nun bei nur einem Cent. Die beiden Hochrechnungen verdeutlichen, dass die Kfz-Versicherer trotz steigender Einnahmen unter erheblichem Kostendruck bleiben.
Allerdings steht auch die aktuelle Prognose unter Vorbehalt. Sie basiert auf den Zahlen des ersten Halbjahres und setzt voraus, dass die Belastung durch Sturm, Hagel und Überschwemmungen 2026 leicht unterdurchschnittlich ausfällt.
Ob die Kfz-Versicherer ihren knappen versicherungstechnischen Überschuss tatsächlich erreichen, hängt damit nicht nur von den Reparaturkosten, sondern auch vom Schadenverlauf in den verbleibenden Monaten ab.
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