Kfz-Versicherung: Der Wohnort kann den Beitrag um mehr als 60 Prozent verändern

Veröffentlichung: 09.09.2026, 10:09 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Gleiches Auto, gleiches Fahrerprofil – aber ein anderer Wohnort: Allein die Regionalklasse kann erhebliche Unterschiede beim Kfz-Versicherungsbeitrag verursachen. Berechnungen von Verivox zeigen zwischen Berlin und Emden Abweichungen von bis zu 61 Prozent. Selbst wenige Meter über eine Landesgrenze können sich deutlich bemerkbar machen.

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Der Wohnort kann den Beitrag zur Kfz-Versicherung erheblich beeinflussen. Modellrechnungen von Verivox zeigen zwischen Berlin und Emden bei identischem Fahrer- und Fahrzeugprofil Beitragsunterschiede von bis zu 61 Prozent.Der Wohnort kann den Beitrag zur Kfz-Versicherung erheblich beeinflussen. Modellrechnungen von Verivox zeigen zwischen Berlin und Emden bei identischem Fahrer- und Fahrzeugprofil Beitragsunterschiede von bis zu 61 Prozent.Redaktion experten.de / KI-generiert

Wo ein Auto zugelassen ist, kann erheblichen Einfluss auf dessen Versicherungskosten haben. Nach Veröffentlichung der neuen Regionalklassen durch den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat Verivox berechnet, wie groß die Preisunterschiede bei ansonsten identischem Fahrer- und Fahrzeugprofil ausfallen können. Besonders deutlich zeigt sich das im Vergleich zwischen Berlin und Emden. Für einen 45-jährigen Fahrer eines VW Golf VIII 2.0 TDI kostet eine Teilkaskoversicherung in Berlin nach den Berechnungen 61 Prozent mehr als in Emden. Bei der Vollkaskoversicherung beträgt der Unterschied 54 Prozent, bei der Kfz-Haftpflicht 47 Prozent.

Schadenbilanz des Zulassungsbezirks entscheidet mit

Grund dafür sind die Regionalklassen. Der GDV wertet dafür jährlich das Schadengeschehen der einzelnen Zulassungsbezirke über mehrere Jahre aus. Entscheidend ist also nicht allein, wie sich ein einzelner Versicherungsnehmer verhält, sondern auch, welche Schadenbilanz die Region insgesamt aufweist. Berlin befindet sich bei Haftpflicht und Teilkasko in den höchsten Regionalklassen. Emden wird dagegen jeweils in eine der niedrigsten Klassen eingestuft. „In Städten ist die Unfallquote wegen des dichten Verkehrs höher als in dünner besiedelten Regionen. Das führt zu höheren Regionalklassen für die Kfz-Haftpflicht“, erklärt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. In Berlin komme zudem eine hohe Diebstahlquote hinzu, die sich auf die Teilkaskoeinstufung auswirke.

Ein Gartenzaun, deutlich unterschiedliche Beiträge

Wie stark dieses Prinzip wirken kann, zeigt der Vergleich zwischen Berlin-Nikolassee und dem unmittelbar angrenzenden Kleinmachnow in Brandenburg. Obwohl die Wohnorte teilweise nur durch Grundstücksgrenzen voneinander getrennt sind, gelten unterschiedliche Regionalklassen. Beim von Verivox untersuchten Golf-Fahrer fällt die Vollkaskoversicherung auf Berliner Seite dadurch 41 Prozent teurer aus. Bei der Teilkasko beträgt der Unterschied 39 Prozent, bei der Haftpflicht 28 Prozent. Gerade dieses Beispiel verdeutlicht eine Besonderheit der Regionalklassen: Für die Einstufung zählt der Zulassungsbezirk. Zwei Versicherte können deshalb nahezu Tür an Tür wohnen und bei ansonsten identischen Voraussetzungen dennoch mit deutlich unterschiedlichen Beiträgen kalkuliert werden.

Regionalklasse ist nur ein Faktor der Kfz-Prämie

Die neuen Regionalklassen sind allerdings nicht mit den tatsächlichen Beiträgen für 2027 gleichzusetzen. Versicherer berücksichtigen bei ihrer Tarifkalkulation zahlreiche weitere Merkmale. Hinzu kommen die Typklassen der einzelnen Fahrzeugmodelle, deren neue Einstufungen ebenfalls in die Prämienberechnung einfließen. Auch eine günstigere Regionalklasse bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der individuelle Versicherungsbeitrag sinkt. Umgekehrt muss eine höhere Einstufung nicht im gleichen Verhältnis auf die Prämie durchschlagen.
Verivox sieht zugleich Anzeichen für einen stärkeren Preiswettbewerb. Nach den kräftigen Beitragsanpassungen der vergangenen Jahre verfolgten die Versicherer inzwischen unterschiedliche Strategien, erklärt Ziller. Das Vergleichsportal beziffert den derzeitigen Abstand zwischen günstigen und mittleren Tarifen auf durchschnittlich 33 Prozent.

Vergleich zeigt den Effekt – nicht den individuellen Beitrag

Für seine Berechnung verwendete Verivox ein einheitliches Musterprofil: einen 45-jährigen Alleinfahrer mit einem VW Golf VIII 2.0 TDI. Aus mehr als 400 Versicherungsangeboten wurden für Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko jeweils die fünf günstigsten Tarife ohne Telematik ausgewählt und daraus Durchschnittswerte gebildet.
Die genannten Unterschiede sind damit Modellrechnungen für ein bestimmtes Fahrerprofil. Sie zeigen, welchen Einfluss unterschiedliche Regionalklassen auf vergleichbare Angebote haben können – nicht, um wie viel die Kfz-Versicherung jedes Berliner Autofahrers gegenüber einem Fahrer in Emden tatsächlich teurer ist.

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