Kfz-Versicherung: Mit diesen Vertragsangaben lässt sich der Beitrag senken
Weniger Kilometer, ein kleinerer Fahrerkreis oder eine höhere Selbstbeteiligung: Veränderungen im Alltag können die Kfz-Versicherung deutlich günstiger machen. Eine Verivox-Auswertung beziffert das Sparpotenzial einzelner Vertragsmerkmale. Der größte Nachlass ist allerdings an eine wichtige Voraussetzung geknüpft.
Ein Kfz-Versicherungsvertrag bildet die Lebenssituation zum Zeitpunkt des Abschlusses ab. Doch die kann sich ändern: Der Arbeitsweg fällt weg, die jährliche Fahrleistung sinkt oder die Kinder nutzen das Familienauto nicht mehr. Bleiben die ursprünglichen Angaben im Vertrag bestehen, zahlen Versicherte möglicherweise weiterhin für ein Risiko, das so gar nicht mehr vorhanden ist.
Wie stark einzelne Vertragsmerkmale den Preis beeinflussen können, zeigt eine aktuelle Auswertung von Verivox. Das Vergleichsportal berechnet seinen Kfz-Versicherungsindex gemeinsam mit Professor Wolfgang Bischof von der Technischen Hochschule Augsburg. Das statistische Modell soll den Einfluss einzelner Tarifmerkmale auf eine Vollkaskoversicherung einschließlich Haftpflicht unabhängig von anderen Einflussfaktoren abbilden.
Junge Fahrer machen beim Beitrag einen großen Unterschied
Den stärksten Effekt ermittelt Verivox beim Fahrerkreis. Wird ein 18-jähriger Fahrer aus dem Vertrag genommen, sinkt der Beitrag der Modellrechnung zufolge um 39 Prozent. Das ist allerdings nur dann eine Sparmöglichkeit, wenn der junge Fahrer das Fahrzeug tatsächlich nicht mehr nutzt. Wer weiterhin regelmäßig oder gelegentlich ans Steuer soll, muss entsprechend der Vertragsbedingungen zum versicherten Fahrerkreis gehören. Dass junge Fahrer den Beitrag deutlich erhöhen können, ist nicht ungewöhnlich. Fahranfänger verursachen statistisch häufiger Schäden und werden von Versicherern entsprechend als höheres Risiko kalkuliert. Ändert sich die tatsächliche Nutzung des Fahrzeugs, lohnt deshalb ein Blick in den Vertrag. „Einmal im Jahr sollten Autofahrer nicht nur ihre Kfz-Versicherung vergleichen, sondern auch einen Blick auf die Vertragsangaben werfen“, rät Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH.
Weniger Fahrleistung kann den Beitrag reduzieren
Ein ähnlicher Effekt zeigt sich bei der jährlichen Kilometerleistung. Wer beim Vertragsabschluss beispielsweise 15.000 Kilometer angegeben hat, inzwischen aber dauerhaft weniger fährt, kann die Fahrleistung entsprechend korrigieren. Nach den Berechnungen von Verivox reduziert eine Verringerung von 15.000 auf 12.000 Kilometer den Beitrag um durchschnittlich sieben Prozent. Bei nur noch 10.000 Kilometern beträgt die Ersparnis elf Prozent.
Entscheidend ist auch hier die tatsächliche Nutzung. Eine niedrigere Fahrleistung lediglich anzugeben, um einen günstigeren Tarif zu erhalten, obwohl regelmäßig deutlich mehr Kilometer gefahren werden, kann im Schadenfall beziehungsweise bei einer Überprüfung durch den Versicherer Folgen haben. Auch die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass vereinbarte Voraussetzungen für Rabatte eingehalten werden müssen.
Selbstbeteiligung: Mehr Rabatt bedeutet mehr eigenes Risiko
Einen besonders großen Einfluss hat die Selbstbeteiligung in der Kaskoversicherung. Dafür gilt ein einfaches Prinzip: Je mehr Versicherte im Schadenfall selbst übernehmen, desto geringer kann der laufende Versicherungsbeitrag ausfallen. Bei einer Selbstbeteiligung von 150 Euro in der Teilkasko und 300 Euro in der Vollkasko ermittelt Verivox eine durchschnittliche Beitragsersparnis von 22 Prozent. Steigt der Eigenanteil auf 300 Euro in der Teilkasko und 500 Euro in der Vollkasko, erhöht sich die Ersparnis auf 27 Prozent. Bei 500 Euro beziehungsweise 1.000 Euro sind nach der Auswertung 34 Prozent möglich. Der größte Rabatt muss dabei nicht automatisch die wirtschaftlich sinnvollste Variante sein. „Eine Selbstbeteiligung von 1.000 und 500 Euro bringt nur zwölf Prozentpunkte Ersparnis mehr als ein Eigenanteil in Höhe von 300 und 150 Euro“, erklärt Ziller. Versicherte sollten deshalb prüfen, ob die zusätzliche Beitragsersparnis zum deutlich höheren Eigenanteil im Schadenfall passt. Die Verbraucherzentrale nennt die Selbstbeteiligung ebenfalls als Möglichkeit zur Senkung des Kaskobeitrags.
Jährliche Zahlung und Werkstattbindung bringen jeweils zehn Prozent
Auch Vertragsdetails mit geringerem finanziellen Risiko können sich bemerkbar machen. Wer den Versicherungsbeitrag einmal jährlich statt monatlich zahlt, spart der Verivox-Auswertung zufolge durchschnittlich zehn Prozent. Ebenfalls zehn Prozent sind bei einer Werkstattbindung möglich. Versicherte verpflichten sich dabei, Kaskoschäden in einer Partnerwerkstatt des Versicherers reparieren zu lassen. „Die Versicherer haben inzwischen gut ausgebaute Werkstattnetzwerke – auch in ländlicheren Gebieten“, sagt Ziller. Vor Abschluss empfiehlt er dennoch zu prüfen, welche Partnerwerkstätten tatsächlich in der Umgebung liegen.
Wichtig ist die Abgrenzung: Die Werkstattbindung betrifft die Reparatur versicherter Kaskoschäden. Für normale Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten gilt sie grundsätzlich nicht. Auch die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Tarife mit vereinbarter Partnerwerkstatt günstigere Kaskobeiträge ermöglichen können.
Erst den bestehenden Vertrag prüfen, dann vergleichen
Die Auswertung zeigt damit zwei unterschiedliche Wege zur Beitragsersparnis. Angaben wie Fahrleistung und Fahrerkreis sollten angepasst werden, wenn sich die tatsächlichen Lebensumstände verändert haben. Bei Selbstbeteiligung und Werkstattbindung entscheiden Versicherte dagegen bewusst, einen größeren Teil des Risikos selbst zu tragen beziehungsweise ihre Wahlmöglichkeiten im Schadenfall einzuschränken. Ein Blick in den bestehenden Vertrag kann sich deshalb bereits vor einem Anbieterwechsel lohnen.
Das ersetzt allerdings keinen Tarifvergleich. Wie groß die Preisunterschiede am Markt weiterhin sind, zeigte bereits der Kfz-Versicherungsindex von Verivox im August: Günstige Angebote lagen über die untersuchten Versicherungsarten hinweg rund ein Drittel unter dem mittleren Preissegment. experten.de berichtete über das Preisplateau und die wachsende Bedeutung der kommenden Wechselsaison.
Wer sparen möchte, sollte deshalb zwei Fragen getrennt beantworten: Passt der bestehende Vertrag noch zur tatsächlichen Nutzung des Autos – und ist der Tarif anschließend auch im Marktvergleich noch konkurrenzfähig?
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