Wenn Waldbrände zum Dauereinsatz werden: Feuerwehren brauchen mehr Personal und Technik
Großbrände in der Eifel und im belgischen Hohen Venn zeigen derzeit, wie aufwendig Vegetationsbrände werden können. Eine bundesweite Befragung unter mehr als 1.700 Feuerwehrangehörigen macht deutlich, was solche Extremwetterlagen für die Einsatzkräfte bedeuten: mehr Personal, mehr Technik, längere Einsätze – und zusätzliche gesundheitliche Belastungen.
Die aktuellen Wald- und Vegetationsbrände in der Grenzregion zwischen Belgien und Deutschland stellen Feuerwehren vor erhebliche Herausforderungen. Im Hohen Venn hat sich ein Großbrand über Tausende Hektar ausgebreitet und sich deutschem Gebiet bei Monschau stark angenähert. Deutsche Einsatzkräfte unterstützen die Brandbekämpfung auf belgischer Seite; die Bundeswehr setzt zudem zwei NH90-Hubschrauber für Löschwasserabwürfe ein.
Was derzeit als außergewöhnliche Einsatzlage sichtbar wird, könnte für Feuerwehren häufiger Teil ihrer Arbeit werden. Darauf weist eine bundesweite Befragung der DGUV Akademie im Auftrag der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord (HFUK Nord) hin. Fast jede zweite befragte Einsatzkraft berichtet bereits von zusätzlichen Belastungen durch Extremwettereinsätze. 85 Prozent erwarten, dass deren Zahl künftig weiter zunimmt.
Drei Viertel sehen steigenden Ressourcenbedarf
Die Folgen betreffen nicht nur die Zahl der Einsätze. Extremwetterlagen verändern auch deren Anforderungen. Rund 75 Prozent der Befragten beobachten einen höheren Zeitaufwand und Personalbedarf. Knapp 73 Prozent sehen zugleich einen steigenden Bedarf an technischer Ausstattung. Gerade Vegetationsbrände können Einsatzkräfte über lange Zeiträume binden. Brandherde und Glutnester müssen aufgespürt, Löschwasser teilweise über größere Entfernungen transportiert und bereits abgelöschte Gebiete weiter kontrolliert werden. Die aktuelle Lage verdeutlicht diese Problematik: Beim Brand im Hohen Venn erschweren unter anderem glimmende Torfschichten und wechselnde Windverhältnisse die Löscharbeiten. Damit wird aus einem einzelnen Brand schnell eine erhebliche organisatorische Belastung für Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen.
Hitze wird selbst zum Gesundheitsrisiko
Die Feuerwehrangehörigen betrachten langanhaltende Hitze als das größte klimabedingte Gesundheitsrisiko. Den höchsten Handlungsbedarf für Sicherheit und Gesundheit sehen sie jedoch bei der Bekämpfung von Vegetationsbränden. Dort treffen mehrere Belastungen aufeinander: körperlich schwere Arbeit bei hohen Temperaturen, Rauch- und Gefahrstoffexpositionen sowie lange Einsatzzeiten mit begrenzten Möglichkeiten zur Erholung. „Vegetationsbrände und langanhaltende Hitzeperioden stellen Einsatzkräfte vor besondere körperliche und organisatorische Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen, zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen konsequent umzusetzen“, sagt Christian Heinz, Geschäftsführer der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord. Dabei geht es teilweise um scheinbar einfache Dinge, die bei langen Einsätzen jedoch entscheidend werden.
Trinkwasser, Pausen – und andere Schutzkleidung
Jens-Oliver Mohr, Referent für gesundheitliche Prävention bei der HFUK Nord, nennt unter anderem eine verlässliche Trinkwasserversorgung sowie angemessene Pausen- und Regenerationszeiten. Auch die Einsatz- und Pausenplanung müsse stärker an Hitze und Wetterbedingungen angepasst werden. Hinzu kommt die persönliche Schutzausrüstung.
Die bei Feuerwehreinsätzen notwendige Schutzwirkung kann bei hohen Außentemperaturen selbst zur zusätzlichen körperlichen Belastung werden. Die HFUK Nord sieht deshalb auch bei der Anpassung der persönlichen Schutzausrüstung Handlungsbedarf, beispielsweise durch leichtere und besser belüftete Materialien unter Berücksichtigung der jeweiligen Gefährdung. Zugleich sollen Aus- und Fortbildungsangebote gezielter auf Vegetationsbrände und andere Extremwetterlagen vorbereiten.
Extremwetter verändert auch die Einsatzplanung
Die Ergebnisse zeigen damit eine Entwicklung, die über zusätzliche Feuerwehreinsätze hinausgeht. Wenn Vegetationsbrände, Hitze, Starkregen oder andere Extremwetterlagen häufiger auftreten, steigen nicht nur die Anforderungen an Fahrzeuge und technische Ausstattung. Auch Personalplanung, Ausbildung, Arbeitsschutz und Regeneration müssen an Einsatzlagen angepasst werden, die sich über längere Zeit hinziehen können.
Für freiwillige Feuerwehren kann das eine besondere Herausforderung darstellen. Denn die Befragung zeigt einen steigenden Personal- und Zeitbedarf ausgerechnet in einem System, dessen Einsatzfähigkeit wesentlich vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder abhängt.
Zur Studie:
Die DGUV Akademie und die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse Nord befragten bundesweit 1.735 Feuerwehrangehörige. Die Teilnehmer waren überwiegend Führungskräfte freiwilliger Feuerwehren. Die anonyme Onlinebefragung fand zwischen März und Juni 2025 statt und war als explorative Studie angelegt.
Untersucht wurden Belastungen, Risiken und Handlungsbedarfe der Feuerwehren im Zusammenhang mit klimabedingten Veränderungen. Die Zusammensetzung der Stichprobe sollte bei der Interpretation berücksichtigt werden: Die Ergebnisse bilden nicht repräsentativ sämtliche Feuerwehrangehörigen in Deutschland ab, geben aber Einblick in die Einschätzungen von mehr als 1.700 Einsatzkräften.
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