Wenn Waldbrände zum Dauereinsatz werden: Feuerwehren brauchen mehr Personal und Technik

Veröffentlichung: 17.08.2026, 11:08 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Großbrände in der Eifel und im belgischen Hohen Venn zeigen derzeit, wie aufwendig Vegetationsbrände werden können. Eine bundesweite Befragung unter mehr als 1.700 Feuerwehrangehörigen macht deutlich, was solche Extremwetterlagen für die Einsatzkräfte bedeuten: mehr Personal, mehr Technik, längere Einsätze – und zusätzliche gesundheitliche Belastungen.

(PDF)
Vegetationsbrände erfordern häufig lange und personalintensive Einsätze. Feuerwehrangehörige sehen insbesondere bei Personal, technischer Ausstattung und Gesundheitsschutz steigenden Handlungsbedarf.Vegetationsbrände erfordern häufig lange und personalintensive Einsätze. Feuerwehrangehörige sehen insbesondere bei Personal, technischer Ausstattung und Gesundheitsschutz steigenden Handlungsbedarf.Redaktion experten.de / KI-generiert

Die aktuellen Wald- und Vegetationsbrände in der Grenzregion zwischen Belgien und Deutschland stellen Feuerwehren vor erhebliche Herausforderungen. Im Hohen Venn hat sich ein Großbrand über Tausende Hektar ausgebreitet und sich deutschem Gebiet bei Monschau stark angenähert. Deutsche Einsatzkräfte unterstützen die Brandbekämpfung auf belgischer Seite; die Bundeswehr setzt zudem zwei NH90-Hubschrauber für Löschwasserabwürfe ein.

Was derzeit als außergewöhnliche Einsatzlage sichtbar wird, könnte für Feuerwehren häufiger Teil ihrer Arbeit werden. Darauf weist eine bundesweite Befragung der DGUV Akademie im Auftrag der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord (HFUK Nord) hin. Fast jede zweite befragte Einsatzkraft berichtet bereits von zusätzlichen Belastungen durch Extremwettereinsätze. 85 Prozent erwarten, dass deren Zahl künftig weiter zunimmt.

Drei Viertel sehen steigenden Ressourcenbedarf

Die Folgen betreffen nicht nur die Zahl der Einsätze. Extremwetterlagen verändern auch deren Anforderungen. Rund 75 Prozent der Befragten beobachten einen höheren Zeitaufwand und Personalbedarf. Knapp 73 Prozent sehen zugleich einen steigenden Bedarf an technischer Ausstattung. Gerade Vegetationsbrände können Einsatzkräfte über lange Zeiträume binden. Brandherde und Glutnester müssen aufgespürt, Löschwasser teilweise über größere Entfernungen transportiert und bereits abgelöschte Gebiete weiter kontrolliert werden. Die aktuelle Lage verdeutlicht diese Problematik: Beim Brand im Hohen Venn erschweren unter anderem glimmende Torfschichten und wechselnde Windverhältnisse die Löscharbeiten. Damit wird aus einem einzelnen Brand schnell eine erhebliche organisatorische Belastung für Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen.

Hitze wird selbst zum Gesundheitsrisiko

Die Feuerwehrangehörigen betrachten langanhaltende Hitze als das größte klimabedingte Gesundheitsrisiko. Den höchsten Handlungsbedarf für Sicherheit und Gesundheit sehen sie jedoch bei der Bekämpfung von Vegetationsbränden. Dort treffen mehrere Belastungen aufeinander: körperlich schwere Arbeit bei hohen Temperaturen, Rauch- und Gefahrstoffexpositionen sowie lange Einsatzzeiten mit begrenzten Möglichkeiten zur Erholung. „Vegetationsbrände und langanhaltende Hitzeperioden stellen Einsatzkräfte vor besondere körperliche und organisatorische Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen, zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen konsequent umzusetzen“, sagt Christian Heinz, Geschäftsführer der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord. Dabei geht es teilweise um scheinbar einfache Dinge, die bei langen Einsätzen jedoch entscheidend werden.

Trinkwasser, Pausen – und andere Schutzkleidung

Jens-Oliver Mohr, Referent für gesundheitliche Prävention bei der HFUK Nord, nennt unter anderem eine verlässliche Trinkwasserversorgung sowie angemessene Pausen- und Regenerationszeiten. Auch die Einsatz- und Pausenplanung müsse stärker an Hitze und Wetterbedingungen angepasst werden. Hinzu kommt die persönliche Schutzausrüstung.
Die bei Feuerwehreinsätzen notwendige Schutzwirkung kann bei hohen Außentemperaturen selbst zur zusätzlichen körperlichen Belastung werden. Die HFUK Nord sieht deshalb auch bei der Anpassung der persönlichen Schutzausrüstung Handlungsbedarf, beispielsweise durch leichtere und besser belüftete Materialien unter Berücksichtigung der jeweiligen Gefährdung. Zugleich sollen Aus- und Fortbildungsangebote gezielter auf Vegetationsbrände und andere Extremwetterlagen vorbereiten.

Extremwetter verändert auch die Einsatzplanung

Die Ergebnisse zeigen damit eine Entwicklung, die über zusätzliche Feuerwehreinsätze hinausgeht. Wenn Vegetationsbrände, Hitze, Starkregen oder andere Extremwetterlagen häufiger auftreten, steigen nicht nur die Anforderungen an Fahrzeuge und technische Ausstattung. Auch Personalplanung, Ausbildung, Arbeitsschutz und Regeneration müssen an Einsatzlagen angepasst werden, die sich über längere Zeit hinziehen können.
Für freiwillige Feuerwehren kann das eine besondere Herausforderung darstellen. Denn die Befragung zeigt einen steigenden Personal- und Zeitbedarf ausgerechnet in einem System, dessen Einsatzfähigkeit wesentlich vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder abhängt.

Zur Studie:
Die DGUV Akademie und die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse Nord befragten bundesweit 1.735 Feuerwehrangehörige. Die Teilnehmer waren überwiegend Führungskräfte freiwilliger Feuerwehren. Die anonyme Onlinebefragung fand zwischen März und Juni 2025 statt und war als explorative Studie angelegt.
Untersucht wurden Belastungen, Risiken und Handlungsbedarfe der Feuerwehren im Zusammenhang mit klimabedingten Veränderungen. Die Zusammensetzung der Stichprobe sollte bei der Interpretation berücksichtigt werden: Die Ergebnisse bilden nicht repräsentativ sämtliche Feuerwehrangehörigen in Deutschland ab, geben aber Einblick in die Einschätzungen von mehr als 1.700 Einsatzkräften.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Die versicherten Schäden durch Naturgefahren haben sich 2024 deutlich erhöht. Insgesamt verursachten Starkregen, Überschwemmungen, Sturm und Hagel in Deutschland Schäden von rund 5,7 Milliarden Euro – so viel wie seit Jahren nicht mehr.Die versicherten Schäden durch Naturgefahren haben sich 2024 deutlich erhöht. Insgesamt verursachten Starkregen, Überschwemmungen, Sturm und Hagel in Deutschland Schäden von rund 5,7 Milliarden Euro – so viel wie seit Jahren nicht mehr.Hans / pixabay
Assekuranz

Naturgefahrenstatistik 2024: GDV meldet verdoppelte Hochwasserschäden

Starkregen, Überschwemmungen, Stürme und Hagel haben im Jahr 2024 in Deutschland versicherte Schäden in Höhe von rund 5,7 Milliarden Euro verursacht. Das geht aus der aktuellen Naturgefahrenstatistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor.
Sinkende Pegelstände beeinträchtigen die Binnenschifffahrt und erhöhen den Druck auf Lieferketten. Für Unternehmen gewinnen deshalb neue Formen des Risikomanagements an Bedeutung.Sinkende Pegelstände beeinträchtigen die Binnenschifffahrt und erhöhen den Druck auf Lieferketten. Für Unternehmen gewinnen deshalb neue Formen des Risikomanagements an Bedeutung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Hintergrund

Wenn Flüsse zu flach werden: Warum Niedrigwasser neue Versicherungslösungen verlangt

Niedrige Pegelstände bremsen nicht nur die Binnenschifffahrt. Sie gefährden Lieferketten, Produktionsabläufe und Energieversorgung. Während Bundesverkehrsminister Steffen Bilger heute mit Vertretern aus Wirtschaft und Schifffahrt über die wirtschaftlichen Folgen des Niedrigwassers berät, rückt auch eine Versicherungsfrage stärker in den Mittelpunkt: Wie lassen sich Schäden absichern, die nicht durch Zerstörung, sondern durch ausbleibendes Wasser entstehen?
Waldbrände gefährden zunehmend auch Industrie- und Logistikstandorte. Neben direkten Brandschäden können insbesondere Betriebsunterbrechungen und Lieferkettenausfälle hohe wirtschaftliche Folgen verursachen.Waldbrände gefährden zunehmend auch Industrie- und Logistikstandorte. Neben direkten Brandschäden können insbesondere Betriebsunterbrechungen und Lieferkettenausfälle hohe wirtschaftliche Folgen verursachen.Royber99 / pixabay
Assekuranz

Waldbrände werden zum Risikofaktor für Industrieunternehmen

Waldbrände gelten längst nicht mehr nur als Umwelt- oder Forstthema. Nach Einschätzung von Risikoexperten entwickeln sie sich zunehmend zu einem Geschäftsrisiko für Industrie- und Logistikunternehmen. Dabei geht es längst nicht nur um direkte Brandschäden, sondern auch um Betriebsunterbrechungen und Lieferketten.
Investitionen in Hochwasserschutz, Rückhalteflächen und widerstandsfähige Infrastruktur können die Folgen künftiger Flutereignisse deutlich begrenzen. Studien zeigen, dass sich Präventionsmaßnahmen auch volkswirtschaftlich auszahlen.Investitionen in Hochwasserschutz, Rückhalteflächen und widerstandsfähige Infrastruktur können die Folgen künftiger Flutereignisse deutlich begrenzen. Studien zeigen, dass sich Präventionsmaßnahmen auch volkswirtschaftlich auszahlen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Studien

Hochwasserschutz: Jeder investierte Euro spart vier Euro Schaden

Fünf Jahre nach der Ahrflut rückt der wirtschaftliche Nutzen von Prävention stärker in den Mittelpunkt. Eine Studie von Allianz Trade zeigt: Investitionen in Hochwasserschutz rechnen sich nicht nur für betroffene Regionen, sondern für die gesamte Volkswirtschaft. Ohne zusätzliche Anpassungsmaßnahmen drohen langfristig deutlich höhere Schäden.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht