Miramar verklagt Ergo und Mannheimer nach Millionenbrand
Die Betreiber des Freizeitbads Miramar in Weinheim haben Klage gegen die Ergo Versicherung und die Mannheimer Versicherung eingereicht. Hintergrund ist die aus Sicht des Unternehmens bislang ausgebliebene Regulierung eines Großschadens nach dem verheerenden Brand der Salz- und Kristall-Therme im Dezember 2024. Nach Angaben des Wochenblatt Rhein-Neckar und des Südwestrundfunks (SWR) geht es um Forderungen von rund 21 Millionen Euro sowie um die grundsätzliche Frage, wie lange Versicherer die Prüfung von Großschäden hinauszögern dürfen.
Brand zerstörte Therme im Dezember 2024
Das Feuer brach in der Nacht vom 8. auf den 9. Dezember 2024 aus und zerstörte die Salz- und Kristall-Therme des Miramar nahezu vollständig. Darüber hinaus wurden auch die zentralen Sanitäranlagen und Umkleiden des Freizeitbads erheblich beschädigt. Das Bad musste daraufhin für mehrere Monate schließen.
Wie der SWR berichtet, ergaben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mannheim, dass ein technischer Defekt an einem Wäschetrockner den Brand ausgelöst hatte. Der Trockner befand sich in einem Wirtschaftsraum zwischen Freizeitbad und Therme. Hinweise auf Brandstiftung oder ein sonstiges Fremdverschulden fanden die Ermittler nicht. Der Sachschaden wurde zunächst auf mehr als zehn Millionen Euro geschätzt. Im weiteren Verlauf bezifferten die Betreiber ihre Ansprüche einschließlich der Kosten für die Betriebsunterbrechung auf rund 21 Millionen Euro.
Betreiber sehen Versicherungsvertrag erfüllt
Nach Informationen des Wochenblatt Rhein-Neckar besteht für die Therme Versicherungsschutz über einen Gruppenvertrag. Klägerin ist organisatorisch die Aqualand Freizeitbad am Fühlinger See GmbH & Co. KG, die als Versicherungsnehmerin den Vertrag für die Bäder der Familie Steinhart abgeschlossen hat. Die Klage wurde Ende November 2025 beim Landgericht Köln eingereicht. Neben den Kosten für die Beseitigung der Brandschäden werden auch Ansprüche wegen der monatelangen Betriebsunterbrechung geltend gemacht. Die erforderlichen Gerichtsgebühren im mittleren sechsstelligen Bereich wurden nach Angaben der Betreiber bereits entrichtet.
Diese Vorwürfe erheben die Betreiber
Die Miramar-Betreiber werfen Ergo und der Mannheimer Versicherung vor, die Schadenregulierung bewusst zu verzögern. Nach ihrer Darstellung wurden den Versicherern seit dem Brand fortlaufend umfangreiche Unterlagen, Gutachten und Nachweise zur Verfügung gestellt. Dennoch sei bis heute keine Entschädigungszahlung erfolgt.
Gegenüber dem SWR erklärte Miramar-Geschäftsführer Nicolas Steinhart, die Strategie der Versicherer könne darin bestanden haben abzuwarten, ob das Unternehmen den finanziellen Druck des Wiederaufbaus aus eigener Kraft bewältigen könne. Sein Vertrauen in die Vertragspartner sei durch die monatelangen Verzögerungen erheblich erschüttert worden. Rechtsanwalt Michael Thoma kritisierte gegenüber dem SWR zudem, das Verhalten der Versicherer strahle auf die gesamte Branche aus und vermittle den Eindruck, dass sich Versicherungsnehmer im Schadenfall nicht auf ihren Versicherungsschutz verlassen könnten.
Versicherer verweisen auf offene Fragen
Nach Angaben des SWR weisen die beklagten Versicherer die Vorwürfe zurück. Ihre Anwälte erklärten vor dem Landgericht Köln, dass zentrale Haftungs- und Verantwortungsfragen noch nicht abschließend geklärt seien. Zudem fehlten aus ihrer Sicht weitere Informationen der Betreiber, weshalb die internen Ermittlungen noch andauerten. Eine öffentliche Stellungnahme der Versicherer nach dem ersten Verhandlungstag erfolgte nicht.
Erste Gerichtsverhandlung ohne Annäherung
Der erste Verhandlungstag vor dem Landgericht Köln verlief nach Angaben des SWR ohne Annäherung zwischen den Parteien. Der Vorsitzende Richter versuchte zunächst, eine gütliche Einigung zu erreichen. Die Positionen blieben jedoch weit auseinander. Schließlich verpflichtete das Gericht die Betreiber, einen Fragenkatalog der Versicherer mit mehr als 200 Einzelfragen bis Mitte Oktober zu beantworten. Im November soll entschieden werden, wie das Verfahren weitergeführt wird.
Wiederaufbau aus eigener Kraft finanziert
Unabhängig vom laufenden Rechtsstreit haben die Betreiber den Wiederaufbau der Therme nach eigenen Angaben aus eigenen finanziellen Mitteln vorangetrieben. Nach Angaben des Wochenblatt Rhein-Neckar wurden bereits mehr als elf Millionen Euro in Vorleistung für die Beseitigung der Brandschäden investiert. Hinzu kamen weitere Investitionen in die Modernisierung sowie in den Neubau der Therme. Der SWR berichtet, dass die neugestaltete Therme Anfang Juli 2026 wieder für Gäste geöffnet wurde.
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