Altersvorsorge-Depot: Volkswohl Bund warnt vor „Klick-Lösungen“
Das geplante Altersvorsorge-Depot soll die private Altersvorsorge einfacher und attraktiver machen. Der Volkswohl Bund begrüßt die Reform grundsätzlich, warnt jedoch vor einer Unterschätzung der neuen Komplexität. Kunden stünden künftig vor weitreichenden Entscheidungen, die aus Sicht des Versicherers ohne qualifizierte Beratung schnell zu Fehlentscheidungen führen könnten.
Die Reform der privaten Altersvorsorge nimmt zunehmend Gestalt an – und die Versicherungswirtschaft positioniert sich für die Zeit nach dem Start des neuen Fördersystems. Der Volkswohl Bund kündigt an, zum 1. Januar 2027 mit neuen Altersvorsorgeprodukten an den Markt zu gehen und sieht gleichzeitig eine wachsende Bedeutung der persönlichen Beratung. „Mit der neuen Gesetzgebung rückt die dringend notwendige private Vorsorge fürs Alter bei den Menschen wieder stärker in den Fokus“, sagt Vertriebsvorständin Stefanie van Holt.
Einfachere Förderung, komplexere Entscheidungen
Während die politische Debatte rund um das Altersvorsorge-Depot häufig von Vereinfachung und Entbürokratisierung geprägt ist, sieht der Dortmunder Versicherer eine andere Entwicklung. „Die neue geförderte Altersvorsorge wird nicht einfacher, sondern vielfältiger sein“, betont van Holt. Zwar werde das Zulageverfahren künftig unkomplizierter. Gleichzeitig müssten Verbraucher deutlich mehr Entscheidungen treffen als bisher. Dazu gehören unter anderem Fragen zu:
- Garantien oder Kapitalmarktorientierung,
- Auszahlungsformen im Alter,
- Vertragsaufteilungen,
- Fördervarianten,
- sowie steuerlichen Auswirkungen.
Aus Sicht des Volkswohl Bund wächst damit der Beratungsbedarf.
Warnung vor Selbstabschlüssen
Besonders deutlich wird der Versicherer bei der Frage, wie Verbraucher künftig mit den neuen Angeboten umgehen sollten. „Kunden sollten sich ohne Beratung nicht in eine vermeintlich simple Lösung hineinklicken, die sich später vielleicht als fatale Fehlentscheidung entpuppt“, sagt van Holt. Die Aussage berührt einen zentralen Konflikt der Reformdebatte. Während Befürworter des Altersvorsorge-Depots auf einfache digitale Abschlussprozesse und mehr Eigenverantwortung setzen, verweisen Vermittler und Versicherer auf die langfristigen Folgen von Fehlentscheidungen. Schließlich geht es bei der privaten Altersvorsorge häufig um Vertragslaufzeiten von mehreren Jahrzehnten.
Versicherer bereiten sich auf den Neustart vor
Der Volkswohl Bund kündigt an, zum Inkrafttreten des Altersvorsorgereformgesetzes Anfang 2027 ein neues Produktangebot bereitzustellen. Geplant seien Lösungen mit Garantien, Produkte ohne Garantien, verschiedene Modelle für die Auszahlphase sowie flexible Anpassungsmöglichkeiten während der Vertragslaufzeit. „Die Möglichkeiten, die das neue Vorsorgesystem bietet, setzen wir bestmöglich in der Produktgestaltung um“, kündigt van Holt an. Konkrete Tarifdetails nennt das Unternehmen bislang nicht.
Beratung soll zum Wettbewerbsvorteil werden
Parallel dazu will der Volkswohl Bund bereits in diesem Jahr neue Unterstützungsangebote für Vermittler bereitstellen. Dazu gehören unter anderem digitale Werkzeuge, die:
- verschiedene Fördersysteme vergleichen,
- steuerliche Aspekte berücksichtigen,
- und die individuelle Vertragsgestaltung erleichtern sollen.
Damit deutet sich an, dass Versicherer künftig nicht allein über Produkte, sondern verstärkt auch über Beratungs- und Serviceleistungen um Kunden konkurrieren werden.
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