Studie: Deutsche sparen nicht nur mehr – sie investieren auch aktiver
Hohe Sparguthaben allein erklären das Anlageverhalten der Deutschen nicht. Nach einer europaweiten Studie von Crédit Agricole verwalten Sparer hierzulande ihr Vermögen auch deutlich aktiver als ihre Nachbarn. Digitale Angebote, regelmäßige Produktvergleiche und eine größere Bereitschaft zur Renditeoptimierung sorgen dafür, dass Deutschland im europäischen Vergleich an der Spitze liegt.
Die Deutschen verfügen nicht nur über überdurchschnittlich hohe Ersparnisse, sondern kümmern sich auch besonders aktiv um deren Verwaltung. Das geht aus dem aktuellen „Crédit Agricole European Savings Barometer“ hervor, für das Sparer in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien befragt wurden. Demnach erreicht Deutschland im neu entwickelten „Savings Vitality Index“ mit 56 Punkten den höchsten Wert unter den vier untersuchten Ländern. Der Index misst, wie aktiv Sparer ihre Geldanlage verwalten, Produkte vergleichen und Anlageentscheidungen treffen.
Hohe Sparfähigkeit trifft auf aktives Anlagemanagement
Mit einem durchschnittlichen Sparvermögen von 129.818 Euro liegen deutsche Sparer deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 85.055 Euro. Gleichzeitig können sie nach eigenen Angaben durchschnittlich 733 Euro pro Monat zurücklegen – europaweit sind es 617 Euro. Dabei belassen es viele nicht beim klassischen Sparen. Fast die Hälfte der Befragten strebt nach eigenen Angaben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheit und Rendite an. Besonders beliebt sind Investmentfonds (45 Prozent), Festgeld (43 Prozent) und Produkte der Altersvorsorge (35 Prozent). Für 38 Prozent steht dabei die finanzielle Absicherung unerwarteter Ereignisse im Vordergrund. Weitere 29 Prozent sparen gezielt für den Ruhestand oder die Ausbildung ihrer Kinder.
Digitale Angebote prägen das Sparverhalten
Nach Einschätzung der Studienautoren ist die hohe Dynamik des deutschen Sparmarktes eng mit der Nutzung digitaler Angebote verbunden. 72 Prozent der Befragten fühlen sich sicher bei der Online-Verwaltung ihrer Ersparnisse. 69 Prozent vertrauen digitalen Sparplattformen. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung bei den sogenannten „Digital Adepts“. Fast jeder zweite deutsche Sparer zählt nach der Studie zu dieser Gruppe. Sie nutzt digitale Anwendungen intensiv, vergleicht regelmäßig Produkte und trifft deutlich häufiger Anlageentscheidungen als der europäische Durchschnitt.
Rendite spielt eine größere Rolle
Die Studie zeigt zugleich eine höhere Bereitschaft, für bessere Ertragschancen Risiken einzugehen. Rund 45 Prozent der Deutschen bevorzugen eine ausgewogene Balance zwischen Sicherheit und Rendite. Innerhalb der besonders digitalaffinen Anleger sind sogar 76 Prozent bereit, ein angemessenes Risiko zugunsten höherer Renditechancen einzugehen.
KI gewinnt langsam an Vertrauen
Auch beim Einsatz Künstlicher Intelligenz zeigt sich eine vorsichtige Öffnung. 35 Prozent der deutschen Sparer geben an, KI bei Finanzentscheidungen grundsätzlich zu vertrauen. Fast jeder Zweite kann sich vorstellen, KI-gestützte Beratung für die Auswahl oder Verwaltung von Sparprodukten zu nutzen – vorausgesetzt, die Funktionsweise bleibt nachvollziehbar.
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