Phantomfrachtführer: Vom Einzelfall zum Präventionsthema
Sogenannte Phantomfrachtführer entwickeln sich zu einem der größten Betrugsrisiken im Straßengüterverkehr. Immer häufiger geben sich Täter als seriöse Transportunternehmen aus, übernehmen wertvolle Ladungen und verschwinden spurlos. Versicherer reagieren inzwischen nicht mehr nur mit Schadenregulierung, sondern investieren verstärkt in Prävention und Schulungen.
Was noch vor wenigen Jahren als vergleichsweise seltene Betrugsmasche galt, beschäftigt die Transportversicherer inzwischen mit wachsender Intensität. Sogenannte Phantomfrachtführer – auch Fake Carrier genannt – erschleichen sich mit gefälschten Identitäten Transportaufträge, übernehmen hochwertige Waren und tauchen anschließend unter. Die Folge sind Millionenschäden für Speditionen, Auftraggeber und Versicherer.
Dass sich das Risiko verschärft, hatten Transportversicherer bereits in den vergangenen Jahren mehrfach betont. Nun rückt zunehmend die Prävention in den Mittelpunkt.
Betrugsmasche gewinnt weiter an Bedeutung
Nach Einschätzung der KRAVAG haben sich Phantomfrachtführer von einem Einzelfall zu einem der bedeutendsten Betrugsrisiken im Straßengüterverkehr entwickelt. „Phantomfrachtführer haben sich in den vergangenen Jahren von einem eher selten auftretenden Einzelfall zu einem der bedeutendsten Betrugsrisiken im Straßengüterverkehr entwickelt“, sagt Anja Ludwig, Leiterin des KRAVAG KompetenzCenters Logistik und Mobilität. Sowohl die Zahl der Fälle als auch die Schadensummen nähmen spürbar zu. Nach Angaben der KRAVAG verschwindet inzwischen rechnerisch alle drei Tage eine komplette Lkw-Ladung in Deutschland.
Prävention rückt stärker in den Fokus
Die Reaktion der Branche verändert sich dabei sichtbar. Während Versicherer bislang vor allem über das Betrugsphänomen informierten und Schäden regulierten, investieren sie zunehmend in vorbeugende Maßnahmen. So entwickelt die SVG-Akademie gemeinsam mit der KRAVAG und den Straßenverkehrsgenossenschaften derzeit eine digitale Schulung für Disponenten und weitere Mitarbeitende in Speditionen. Ziel ist es, verdächtige Transportaufträge und gefälschte Identitäten frühzeitig zu erkennen und Betrugsversuche bereits vor der Beladung zu verhindern.
Damit folgt der Transportversicherer einem Trend, der sich auch in anderen Versicherungssparten beobachten lässt: Prävention gewinnt gegenüber der reinen Schadenregulierung zunehmend an Bedeutung.
Digitalisierung eröffnet Tätern neue Möglichkeiten
Phantomfrachtführer nutzen vor allem digitale Kommunikationswege und professionell gefälschte Unternehmensidentitäten. Auf den ersten Blick wirken die Unterlagen seriös, Ansprechpartner treten glaubwürdig auf und übernehmen reguläre Transportaufträge. Erst wenn die Ware nicht am Bestimmungsort ankommt, wird der Betrug sichtbar. Gerade weil Logistikprozesse zunehmend digital organisiert werden, steigen die Anforderungen an die Prüfung von Auftragnehmern und Dokumenten.
Versicherer setzen auf Sensibilisierung
Aus Sicht der Versicherungswirtschaft wird deshalb neben technischen Sicherheitsmaßnahmen auch die Sensibilisierung der Mitarbeitenden wichtiger. Disponenten und Logistikverantwortliche sollen verdächtige Anzeichen künftig schneller erkennen und Abläufe entsprechend anpassen. Die Entwicklung zeigt zugleich einen grundsätzlichen Wandel im Risikomanagement: Versicherer investieren zunehmend in Maßnahmen, die Schäden möglichst verhindern sollen, statt sich ausschließlich auf deren Regulierung zu konzentrieren.
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