Mehr Vorsorge, mehr Risiko: Junge Anleger investieren anders

Veröffentlichung: 13.07.2026, 05:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Generation unter 40 beschäftigt sich intensiver mit der privaten Altersvorsorge als ältere Anleger. Gleichzeitig investieren Jüngere deutlich häufiger in ETFs, Einzelaktien und Kryptowährungen. Eine Studie von Roland Berger sieht darin Chancen für den langfristigen Vermögensaufbau – aber auch wachsenden Beratungsbedarf.

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Frühe Vorsorge, höhere Risiken: Jüngere Anleger setzen deutlich häufiger auf ETFs, Aktien und Kryptowährungen als ältere Generationen.Frühe Vorsorge, höhere Risiken: Jüngere Anleger setzen deutlich häufiger auf ETFs, Aktien und Kryptowährungen als ältere Generationen.Redaktion experten.de / KI-generiert

Vorsorge beginnt früher als erwartet

Die private Altersvorsorge beschäftigt viele Menschen bereits deutlich vor dem Renteneintritt. Das zeigt eine aktuelle Studie von Roland Berger zum Anlageverhalten deutscher Retail-Kunden. Demnach verfolgen mehr als 85 Prozent der unter 40-Jährigen das Ziel, zusätzlich zur gesetzlichen Rente privat vorzusorgen. Bei den über 40-Jährigen liegt dieser Anteil mit rund 70 Prozent deutlich niedriger.
Für die Autoren der Studie ist das bemerkenswert. Schließlich liegt der Ruhestand für die jüngere Generation noch Jahrzehnte entfernt. Dennoch gehört der langfristige Vermögensaufbau für viele bereits heute zu den wichtigsten finanziellen Zielen.

ETFs und Kryptowährungen gehören selbstverständlich dazu

Gleichzeitig unterscheidet sich die Zusammensetzung der Portfolios deutlich zwischen den Generationen. Während ältere Anleger häufiger auf klassische und risikoärmere Anlageformen setzen, investieren jüngere Menschen wesentlich häufiger in ETFs, Einzelaktien und Kryptowährungen.
Besonders ausgeprägt ist die Bereitschaft, größere Vermögensanteile in renditestärkere Anlageklassen zu investieren. Nach Einschätzung von Roland Berger spricht dies für eine höhere Kapitalmarktaffinität der jüngeren Generation – gleichzeitig steigen damit aber auch die Anforderungen an das Verständnis von Risiken und Diversifikation. Dass junge Menschen häufiger in renditestärkere Anlageklassen investieren, ist allerdings nur eine Seite der Entwicklung. Wie experten.de bereits berichtet hat, sieht Roland Berger den eigentlichen Wandel im Retail-Banking darin, dass der Zugang zum Kapitalmarkt heute einfacher ist als je zuvor – das Finanzwissen vieler Anleger jedoch nicht im gleichen Tempo wächst. Vor diesem Hintergrund gewinnen gerade bei jüngeren Anlegern Fragen der Risikoeinschätzung und der passenden Beratung an Bedeutung.

Finanzwissen bleibt die entscheidende Stellschraube

Genau hier sieht die Studie eine Herausforderung. Zwar ist der Zugang zu Kapitalmärkten heute einfacher denn je, das Finanzwissen vieler Anleger entwickelt sich jedoch nicht im gleichen Tempo. Nur rund die Hälfte der Befragten beantwortet grundlegende Fragen zu Inflation, Diversifikation oder Zinseszins korrekt.

Gerade für jüngere Anleger kann dies problematisch werden. Wer früh Vermögen aufbauen möchte und dabei stärker auf Aktien oder Kryptowährungen setzt, benötigt nach Einschätzung der Autoren ein solides Verständnis der jeweiligen Chancen und Risiken.

Beratung bleibt auch für Digital Natives wichtig

Trotz ihrer hohen digitalen Affinität möchten viele junge Anleger wichtige Finanzentscheidungen nicht allein treffen. Die Studie zeigt insgesamt, dass persönliche Beratung insbesondere bei größeren Anlageentscheidungen weiterhin gefragt bleibt. Digitale Angebote und Self-Service-Lösungen gewinnen zwar an Bedeutung, ersetzen den persönlichen Austausch aber nicht vollständig.

Für Banken leitet Roland Berger daraus einen klaren Auftrag ab. Beratung müsse stärker auf den individuellen Wissensstand und die jeweilige Lebenssituation zugeschnitten werden. Gerade bei jungen Anlegern gehe es weniger darum, den Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen – dieser sei längst vorhanden. Entscheidend werde vielmehr, Orientierung zu geben und Finanzwissen aufzubauen.

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