Großinsolvenzen auf Rekordniveau: Deutschland treibt globale Pleitenwelle
94 Großinsolvenzen, ein historischer Höchststand und ein gefährlicher Dominoeffekt für Lieferketten: Die jüngste Analyse von Allianz Trade zeigt, warum Deutschland 2025 zu den zentralen Treibern der globalen Insolvenzdynamik zählt – und weshalb trotz leicht gebremster Aussichten für 2026 keine Entwarnung angebracht ist.
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt 94 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro meldeten Insolvenz an. Das sind sieben Fälle mehr als 2024 und entspricht einem Anstieg von 8 Prozent. Damit verzeichnet Deutschland den höchsten Wert seit Beginn der systematischen Auswertung durch Allianz Trade im Jahr 2015.
Besonders betroffen war der Dienstleistungssektor mit 14 Großinsolvenzen, darunter neun Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Auch die Automobilindustrie (12 Fälle) sowie die Chemie- und Metallbranche (jeweils 11) standen stark unter Druck. Es folgen das Baugewerbe (10) und der seit Jahren angeschlagene Einzelhandel (9).
Weltweit alle 18 Stunden eine Großpleite
Auch international spitzt sich die Lage zu. Weltweit registrierte Allianz Trade im Jahr 2025 475 Großinsolvenzen – statistisch gesehen eine alle 18 Stunden. Deutschland trägt dabei erheblich zur globalen Dynamik bei.
„Wenn es kracht, dann oft richtig. Wir sehen bereits seit vier Jahren deutlich ansteigende Großinsolvenzen, die 2025 den höchsten Stand seit 2015 erreicht haben – sowohl weltweit als auch in Deutschland“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Deutschland mache rund 20 Prozent der weltweiten Fälle aus und sei damit einer der zentralen Treiber.
Auffällig ist zudem die zeitliche Konzentration: Während das erste Halbjahr 2025 noch einen leichten Rückgang zeigte, kam es im zweiten Halbjahr – insbesondere im vierten Quartal – zu einem starken Anstieg. Allein im Schlussquartal wurden 37 Großinsolvenzen gezählt. Weltweit erreichte auch hier das vierte Quartal mit 147 Fällen einen neuen Höchstwert.
Dominoeffekte in den Lieferketten
Mit Großinsolvenzen steigen auch die Risiken für Zulieferer und Geschäftspartner. Besonders kleinere Unternehmen mit hoher Abhängigkeit von einzelnen Großkunden geraten unter Druck.
„Das Problematische an vielen Großinsolvenzen ist der mögliche Dominoeffekt auf die Lieferketten“, erklärt Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzanalyse bei Allianz Trade. Weltweit stieg der Gesamtumsatz der insolventen Großunternehmen um 12 Prozent auf 208 Milliarden Euro – und damit auch das Schadenspotenzial für Lieferanten. Die umsatzstärksten Insolvenzen entfielen dabei auf die USA und China, die gemeinsam 17 der 20 größten Fälle verzeichneten.
Deutschland: Mehr Fälle, aber geringere Umsatzschäden
Gegen den internationalen Trend zeigt sich für Deutschland eine differenzierte Entwicklung. Zwar stieg die Zahl der Großinsolvenzen deutlich, der Gesamtumsatz der betroffenen Unternehmen sank jedoch von knapp 18 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf rund 12 Milliarden Euro.
„Es gab 2025 zwar deutlich mehr Großinsolvenzen in Deutschland, aber die bei den Lieferanten dadurch verursachten Schäden gingen nach dem Höchststand 2024 zurück“, so Bogaerts. Eine Entwarnung sei dies jedoch nicht: Mit gut 12 Milliarden Euro liege der Wert immer noch auf dem zweithöchsten Niveau seit 2015. Unternehmen sollten daher ihr Risikomanagement weiter schärfen – auch gegenüber großen und bekannten Geschäftspartnern.
Ausblick: Insolvenzen bleiben hoch
Nicht nur Großinsolvenzen, auch die Gesamtzahl der Unternehmenspleiten ist 2025 weiter gestiegen. Weltweit lag der Zuwachs bei rund 6 Prozent, in Deutschland sogar bei 11 Prozent auf etwa 24.300 Fälle.
Für 2026 erwarten die Experten von Allianz Trade weltweit einen weiteren, allerdings moderateren Anstieg von rund 3 Prozent, unter anderem beeinflusst durch Zoll- und Handelskonflikte. In Deutschland dürfte das Plus bei etwa 1 Prozent liegen. Eine Trendwende sehen die Analysten frühestens 2027, dann mit einem leichten Rückgang der Fallzahlen – allerdings von weiterhin hohem Niveau.
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