Deutsche Exporte im Blick: Risiken verschieben sich in große Märkte

Veröffentlichung: 17.02.2026, 14:02 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Trotz geopolitischer Spannungen, Handelskonflikten und fiskalischer Unsicherheiten sinken die globalen Länderrisiken – zumindest auf dem Papier. Der neue Länderrisikoatlas von Allianz Trade zeigt zahlreiche Heraufstufungen. Doch ausgerechnet wichtige Handelspartner Deutschlands stehen unter Druck.

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Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz.Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz.Allianz Trade

Zum dritten Mal veröffentlicht der Kreditversicherer Allianz Trade seinen Länderrisikoatlas. Die Studie bewertet wirtschaftliche Aussichten, strukturelle Risiken und politische Rahmenbedingungen in 83 Ländern, die rund 94 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts abdecken.

36 Heraufstufungen – 14 Länder mit höherem Risiko

Nach Angaben der Volkswirte von Allianz Trade wurden insgesamt 36 Länder heraufgestuft, lediglich 14 herabgestuft. Zu den Volkswirtschaften mit verbesserten Ratings zählen unter anderem Argentinien, Ecuador, Ungarn, Italien, Spanien, die Türkei und Vietnam.

Gleichzeitig hat sich die Zahl der Herabstufungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht: 2024 waren es fünf Länder, nun sind es 14 – nahezu eine Verdreifachung. Entgegen der allgemeinen Erwartung sinken damit die globalen Länderrisiken insgesamt, auch wenn sich die Risikoverteilung verschiebt.

Deutschland: Risiken in zentralen Absatzmärkten

Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ergibt sich ein gemischtes Bild. „Sinkende globale Länderrisiken sind zunächst eine sehr gute Nachricht für die exportorientierte deutsche Wirtschaft“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Allerdings sind unter den 14 Ländern mit steigenden Risiken keine ‚kleinen Fische‘: Insbesondere Frankreich, Belgien und die USA gehören zu den wichtigsten Handelspartnern der Deutschen. Sie machen zusammen rund ein Fünftel der deutschen Exporte aus.“

Die Herabstufung dieser Länder von AA1 auf A1 signalisiere zwar weiterhin ein insgesamt niedriges Länderrisiko, deute jedoch auf erhebliche mittelfristige Risiken für Unternehmen hin.

Risikokonzentrationen in großen Volkswirtschaften

Auch global betrachtet relativieren sich die positiven Signale. Zwar überwiegen zahlenmäßig die Heraufstufungen, doch die wirtschaftliche Bedeutung der herabgestuften Länder ist hoch. „Die Widerstandsfähigkeit nimmt zu, aber in wichtigen Volkswirtschaften bestehen weiterhin Risikokonzentrationen“, erklärt Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade.

Belgien, Brasilien, Frankreich und die USA stehen zusammen für rund ein Drittel des globalen BIP – ein Vielfaches der Volkswirtschaften, in denen sich die Risikolage verbessert hat. Die Weltwirtschaft befinde sich in einer Phase tiefgreifender Umbrüche, in der geopolitische Schocks, demografische Entwicklungen, KI, Klimawandel, Handelskonflikte und regulatorische Veränderungen gleichzeitig wirkten.

Selektives Risikomanagement statt Globalblick

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Allianz Trade einen länderspezifischen, differenzierten Ansatz im Risikomanagement. Neben makroökonomischen Entwicklungen rücken Transfer- und Konvertibilitätsrisiken, fiskalische Dynamiken sowie handelspolitische Maßnahmen stärker in den Fokus.

„Unsere Ratings kombinieren 17 kurzfristige und 18 mittelfristige Indikatoren und dienen Entscheidungsträgern als pragmatischer Kompass in einer Welt voller Krisen“, erläutert Luca Moneta, Senior Volkswirt für Emerging Markets bei Allianz Trade. Ziel sei es, Volatilität zu managen, Cashflows zu sichern und Risikobewusstsein strategisch zu nutzen.

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