AMLR 2027: Wo Versicherer beim digitalen Onboarding nachschärfen müssen
Mit der neuen EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) und dem geplanten Start neuer digitaler Altersvorsorgeprodukte treffen 2027 zwei regulatorische Entwicklungen aufeinander. Für Versicherer wächst damit der Druck, Prozesse zu automatisieren und Compliance dauerhaft in digitale Antragsstrecken zu integrieren.
Zwei Fristen erhöhen den Umsetzungsdruck
Auf Versicherer kommen 2027 gleich zwei regulatorische Meilensteine zu. Während nach den Plänen der Bundesregierung ab Januar neue Altersvorsorgeprodukte mit digitalem Abschluss an den Start gehen sollen, wird die europäische Geldwäscheverordnung (AMLR) ab Juli 2027 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten gelten.
Beide Entwicklungen betreffen denselben Prozess: das digitale Onboarding neuer Kunden. Denn je einfacher und schneller Versicherungsverträge künftig digital abgeschlossen werden können, desto stärker müssen Identitätsprüfung, Kundensorgfalt und Dokumentation automatisiert im Hintergrund funktionieren.
Dass viele Finanzunternehmen hier noch Nachholbedarf sehen, zeigt die aktuelle EMEA AML Survey 2026 von PwC. Demnach rechnen lediglich rund 30 Prozent der europäischen Finanzinstitute damit, die Anforderungen der AMLR bis zum Inkrafttreten vollständig umgesetzt zu haben. Zwar kennen die meisten Compliance-Abteilungen die regulatorischen Vorgaben. Schwieriger sei jedoch der Aufbau dauerhaft funktionierender, skalierbarer Prozesse.
Manuelle Prozesse stoßen an Grenzen
Gerade Versicherer stehen dabei vor einer besonderen Herausforderung. Im Vertrieb sind häufig Makler, Mehrfachagenten oder andere Vermittler in den Onboarding-Prozess eingebunden. Die aufsichtsrechtliche Verantwortung für die Einhaltung der Geldwäschevorschriften verbleibt jedoch beim Versicherer.
Nach Einschätzung von René Blaschke, Managing Director Financial Crime Prevention and Compliance Solutions bei cleversoft, verfügen viele Unternehmen zwar über die erforderlichen Regelwerke. Es fehlten jedoch vielfach automatisierte Prozesse, die die Anforderungen der AMLR dauerhaft erfüllen könnten. Mit einem steigenden Anteil digitaler Abschlüsse dürfte dieser Handlungsdruck weiter zunehmen.
Fünf Bereiche stehen besonders im Fokus
Nach Einschätzung von cleversoft sollten Versicherer ihre Vorbereitungen insbesondere in fünf Bereichen überprüfen.
- Governance und Vermittlersteuerung: Auch bei ausgelagerten Onboarding-Prozessen bleibt die Gesamtverantwortung beim Versicherer. Entsprechend müssen Kontrollmechanismen etabliert werden, mit denen sich die Einhaltung der regulatorischen Anforderungen jederzeit nachvollziehen lässt.
- Kundensorgfalt in digitale Antragsstrecken integrieren: Identitätsprüfung und Customer Due Diligence (CDD) dürfen den digitalen Abschlussprozess nicht ausbremsen. Gefragt sind automatisierte Workflows, die Identifizierung und Prüfung im Hintergrund abwickeln.
- Wirtschaftlich Berechtigte im Blick behalten: Insbesondere in der betrieblichen Altersversorgung gewinnen Informationen über wirtschaftlich Berechtigte (Ultimate Beneficial Owner, UBO) an Bedeutung. Komplexe Unternehmensstrukturen erfordern aktuelle Daten und nachvollziehbare Dokumentation.
- Screening risikobasiert gestalten: Sanktionslisten, PEP-Prüfungen und Adverse-Media-Screenings sollen Risiken erkennen, dürfen aber nicht dazu führen, dass unkritische Kunden unnötig ausgeschlossen werden. Ein risikobasierter Ansatz könne hier helfen, unnötige Geschäftsverluste zu vermeiden.
- Audit-Trail jederzeit verfügbar halten: Künftig dürfte die Aufsicht verstärkt verlangen, dass sämtliche Entscheidungen im Onboarding-Prozess lückenlos dokumentiert und kurzfristig nachvollziehbar sind. Digitale Prüfpfade gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.
Compliance wird Teil des digitalen Betriebsmodells
Mit der AMLR verschiebt sich der Schwerpunkt der Geldwäscheprävention zunehmend von einzelnen Compliance-Projekten hin zu dauerhaft betriebenen digitalen Prozessen. Gerade im Zusammenspiel mit neuen digitalen Abschlussstrecken dürfte die technische Umsetzung zu einem Wettbewerbsfaktor werden.
Die Studie von PwC legt nahe, dass viele Finanzunternehmen diesen Wandel bislang noch nicht abgeschlossen haben. Für Versicherer bedeutet dies, die verbleibende Zeit bis 2027 nicht nur zur Anpassung einzelner Regelwerke zu nutzen, sondern Governance, Datenmanagement und digitale Onboarding-Prozesse gemeinsam weiterzuentwickeln.
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