„Wenn es den Versicherern nicht gelingt, das Profil der Unfallversicherung zu schärfen, wird sie mittelfristig Kunden verlieren“
Franke und Bornberg hat die private Unfallversicherung erneut unter die Lupe genommen – mit ambivalentem Ergebnis. Zwar steigt die Zahl der Spitzentarife leicht an. Doch das eigentliche Problem der Branche liegt tiefer: Ein „Flickenteppich“ aus Bedingungswerken und fehlenden Standards erschwert nicht nur die Analyse, sondern könnte langfristig das Vertrauen von Kundinnen und Kunden untergraben.
Die private Unfallversicherung stabilisiert mit einer Schaden-Kostenquote von 76 Prozent seit Jahren die Ertragslage im Sach- und Unfallgeschäft. Doch die aktuelle Untersuchung von Franke und Bornberg wirft die Frage auf, wie lange dieser Trend anhält. Im Fokus steht weniger die Ertragskraft, sondern vielmehr die mangelnde Transparenz.
„Die GDV-Musterbedingungen für die private Unfallversicherung dienen heute für viele Versicherer bestenfalls als grobes Raster“, kritisiert Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. Durch die Vielzahl an Erweiterungen des Unfallbegriffs seien die Tarife unübersichtlich und inhaltlich schwer vergleichbar. Identische Sachverhalte würden von Anbietern unterschiedlich benannt, Ausschlüsse und Erweiterungen seien oft willkürlich platziert. Franke warnt: „Dieser Flickenteppich macht die Analyse von Unfall-Tarifen extrem aufwändig und zeitintensiv – sogar für unsere versierten Analysten.“
Die Folgen könnten gravierend sein. Während der GDV noch rund 24,8 Millionen private Unfallverträge zählt, stagniert das Neugeschäft seit Jahren und die Versicherten werden älter. Jüngere Kundengruppen lassen sich nur schwer erreichen. „Wenn es den Versicherern nicht gelingt, das Profil der Unfallversicherung zu schärfen, wird sie mittelfristig Kunden verlieren“, so Franke. Zudem drohe ein Imageschaden, wenn unklare Leistungsbilder Erwartungen wecken, die im Ernstfall nicht erfüllt werden können.
Das Rating im Detail: 486 Tarife von 93 Gesellschaften wurden in 18 Bereichen mit 62 Kriterien untersucht. Fast 12 Prozent der Tarife erreichen die Bestnote „FFF+ hervorragend“ – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. 25 Versicherer platzieren mindestens einen Tarif in der Spitzengruppe. Gleichzeitig schrumpft der Anteil schwacher Tarife, auch wenn noch immer 12 Prozent als mangelhaft oder ungenügend eingestuft werden.
Ein weiterer Fokus liegt auf Nachhaltigkeit. Bekannte Features wie erhöhte Leistungen bei ehrenamtlichem Engagement oder bei Unfällen im öffentlichen Nahverkehr sind etabliert, neue Impulse bleiben jedoch aus. „Prävention ist immer nachhaltig – auch in der privaten Unfallversicherung“, betont Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken. Denkbar seien etwa Anreize zur Unfallvermeidung oder Kooperationen mit Dienstleistern für Gesundheits- und Vorsorgedienstleistungen.
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