Cyberrisiken: Jeder siebte Betrieb verliert mindestens einen Arbeitstag
Cyberangriffe sind längst kein Randphänomen mehr: Eine neue Studie des Industrieversicherers QBE zeigt, dass jedes siebte mittelständische Unternehmen (14 Prozent) im vergangenen Jahr mindestens einen Arbeitstag durch einen Cybervorfall verloren hat. Besonders brisant: In fast 60 Prozent der Fälle war eine Schwachstelle in der Lieferkette ausschlaggebend.
Lieferketten als neue Achillesferse
Cyberbedrohungen treffen Unternehmen immer häufiger über Umwege. "Unternehmen sind heute stärker miteinander vernetzt als je zuvor", erklärt Serene Davis, Global Head of Cyber bei QBE Insurance. "Natürlich müssen sie ihre eigenen Systeme absichern, aber sie sollten auch ihre Lieferkette genau prüfen." Tatsächlich gaben 59 Prozent der betroffenen Unternehmen an, dass mindestens ein Angriff über einen Zulieferer erfolgte. Fast die Hälfte (49 Prozent) erlitt dadurch unmittelbare Umsatzverluste.
Produktivitätsausfälle und wirtschaftliche Folgen
Mehr als jedes zweite befragte Unternehmen (52 Prozent) war 2024 Ziel eines Cyberangriffs. Bei 14 Prozent kam es zu gravierenden Ausfällen: Ein ganzer Arbeitstag oder mehr ging durch Angriffsfolgen verloren. Hochgerechnet auf die Gesamtheit der mittelständischen Betriebe ergibt das ein massives gesamtwirtschaftliches Risiko.
Europa im Visier – geopolitische Spannungen als Treiber
Begleitend zur Umfrage analysierte die Sicherheitsberatung Control Risks im Auftrag von QBE die Entwicklung schwerwiegender Cyberattacken. In Europa und Nordamerika stieg deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent. Besonders betroffen: Länder mit aktiver Rolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur wie Deutschland, Frankreich oder Italien. Der Bericht nennt als Hauptursache die geopolitische Lage, insbesondere den Ukrainekrieg. Angriffe reichen von Ransomware und DDoS-Attacken bis zu sogenannten Hack-and-Leak-Kampagnen.
Künstliche Intelligenz: Risiko- und Hoffnungsträger zugleich
Ein zentrales Thema der Studie ist der Einsatz von generativer KI. Zehn Prozent der erfolgreichen Angriffe wurden 2024 mit Hilfe von Deepfakes durchgeführt. Gleichzeitig nutzen zwei Drittel der Unternehmen bereits KI-Anwendungen in Bereichen wie IT, Finanzdienstleistungen und TMT. Deutschland liegt mit 77 Prozent Einsatzquote an der Spitze.
Trotz Sicherheitsbedenken überwiegt der Optimismus: 86 Prozent der Unternehmen erwarten positive Effekte durch KI – etwa mehr Effizienz, Innovationskraft und besseren Kundenservice. Doch auch KI-Systeme selbst geraten zunehmend ins Visier von Angreifern, etwa durch manipulierte Trainingsdaten.
Absicherung und Investitionsbereitschaft
65 Prozent der Unternehmen verfügen über eine Cyberversicherung. Die Absicherungsquote variiert jedoch stark zwischen den Ländern – von 77 Prozent in Großbritannien bis 55 Prozent in Schweden. Ein Drittel der Unternehmen plant, das eigene Cyberbudget 2025 real zu erhöhen. In Spanien liegt dieser Anteil sogar bei 44 Prozent.
Handlungsempfehlung für Vermittler
Die Studienergebnisse zeigen: Cyberschutz muss ganzheitlich gedacht werden. Es reicht nicht aus, nur die eigene IT-Infrastruktur abzusichern. Vermittler sollten ihre Firmenkundschaft auf Risiken entlang der gesamten Lieferkette hinweisen und dabei auch passende Versicherungslösungen für Zuliefererausfälle, Betriebsunterbrechungen und Reputationsschäden prüfen. Ebenso entscheidend: Aufklärung über die Chancen und Gefahren von KI in der Cybersicherheit.
Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 3.600 Unternehmen mit 100 bis 2.000 Mitarbeitenden in neun westlichen Industrieländern.
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