Cyberrisiken: Jeder siebte Betrieb verliert mindestens einen Arbeitstag

Veröffentlichung: 18.06.2025, 09:06 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Cyberangriffe sind längst kein Randphänomen mehr: Eine neue Studie des Industrieversicherers QBE zeigt, dass jedes siebte mittelständische Unternehmen (14 Prozent) im vergangenen Jahr mindestens einen Arbeitstag durch einen Cybervorfall verloren hat. Besonders brisant: In fast 60 Prozent der Fälle war eine Schwachstelle in der Lieferkette ausschlaggebend.

(PDF)
Cyberrisiken: Jeder siebte Betrieb verliert mindestens einen ArbeitstagCyberrisiken: Jeder siebte Betrieb verliert mindestens einen ArbeitstagDALL-E

Lieferketten als neue Achillesferse

Cyberbedrohungen treffen Unternehmen immer häufiger über Umwege. "Unternehmen sind heute stärker miteinander vernetzt als je zuvor", erklärt Serene Davis, Global Head of Cyber bei QBE Insurance. "Natürlich müssen sie ihre eigenen Systeme absichern, aber sie sollten auch ihre Lieferkette genau prüfen." Tatsächlich gaben 59 Prozent der betroffenen Unternehmen an, dass mindestens ein Angriff über einen Zulieferer erfolgte. Fast die Hälfte (49 Prozent) erlitt dadurch unmittelbare Umsatzverluste.

Produktivitätsausfälle und wirtschaftliche Folgen

Mehr als jedes zweite befragte Unternehmen (52 Prozent) war 2024 Ziel eines Cyberangriffs. Bei 14 Prozent kam es zu gravierenden Ausfällen: Ein ganzer Arbeitstag oder mehr ging durch Angriffsfolgen verloren. Hochgerechnet auf die Gesamtheit der mittelständischen Betriebe ergibt das ein massives gesamtwirtschaftliches Risiko.

Europa im Visier – geopolitische Spannungen als Treiber

Begleitend zur Umfrage analysierte die Sicherheitsberatung Control Risks im Auftrag von QBE die Entwicklung schwerwiegender Cyberattacken. In Europa und Nordamerika stieg deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent. Besonders betroffen: Länder mit aktiver Rolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur wie Deutschland, Frankreich oder Italien. Der Bericht nennt als Hauptursache die geopolitische Lage, insbesondere den Ukrainekrieg. Angriffe reichen von Ransomware und DDoS-Attacken bis zu sogenannten Hack-and-Leak-Kampagnen.

Künstliche Intelligenz: Risiko- und Hoffnungsträger zugleich

Ein zentrales Thema der Studie ist der Einsatz von generativer KI. Zehn Prozent der erfolgreichen Angriffe wurden 2024 mit Hilfe von Deepfakes durchgeführt. Gleichzeitig nutzen zwei Drittel der Unternehmen bereits KI-Anwendungen in Bereichen wie IT, Finanzdienstleistungen und TMT. Deutschland liegt mit 77 Prozent Einsatzquote an der Spitze.

Trotz Sicherheitsbedenken überwiegt der Optimismus: 86 Prozent der Unternehmen erwarten positive Effekte durch KI – etwa mehr Effizienz, Innovationskraft und besseren Kundenservice. Doch auch KI-Systeme selbst geraten zunehmend ins Visier von Angreifern, etwa durch manipulierte Trainingsdaten.

Absicherung und Investitionsbereitschaft

65 Prozent der Unternehmen verfügen über eine Cyberversicherung. Die Absicherungsquote variiert jedoch stark zwischen den Ländern – von 77 Prozent in Großbritannien bis 55 Prozent in Schweden. Ein Drittel der Unternehmen plant, das eigene Cyberbudget 2025 real zu erhöhen. In Spanien liegt dieser Anteil sogar bei 44 Prozent.

Handlungsempfehlung für Vermittler

Die Studienergebnisse zeigen: Cyberschutz muss ganzheitlich gedacht werden. Es reicht nicht aus, nur die eigene IT-Infrastruktur abzusichern. Vermittler sollten ihre Firmenkundschaft auf Risiken entlang der gesamten Lieferkette hinweisen und dabei auch passende Versicherungslösungen für Zuliefererausfälle, Betriebsunterbrechungen und Reputationsschäden prüfen. Ebenso entscheidend: Aufklärung über die Chancen und Gefahren von KI in der Cybersicherheit.

Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 3.600 Unternehmen mit 100 bis 2.000 Mitarbeitenden in neun westlichen Industrieländern.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Computer FreakComputer Freaklassedesignen – stock.adobe.com
Cyber

“Der Versicherungsmarkt bröckelt: Pflicht-Cyberversicherungen als Rettungsanker für Unternehmen?“

Trotz regelmäßiger Warnungen ergreifen viele Unternehmen nicht die notwendigen Maßnahmen, um ihre IT-Infrastruktur effektiv abzusichern. Die Passivität führt zu immensen wirtschaftlichen Schäden und bringt auch den Versicherungsmarkt ins Wanken. Ziehen sich Versicherer aus dem Segment zurück, entsteht eine fatale Entwicklung für die Unternehmen und den Markt.
Die Bundesregierung plant weitreichendere Eingriffsbefugnisse gegen Cyberangriffe. Gleichzeitig warnen Unternehmen und der Digitalverband Bitkom vor neuen Risiken, zusätzlicher Bürokratie und möglichen Eingriffen in digitale Infrastrukturen.Die Bundesregierung plant weitreichendere Eingriffsbefugnisse gegen Cyberangriffe. Gleichzeitig warnen Unternehmen und der Digitalverband Bitkom vor neuen Risiken, zusätzlicher Bürokratie und möglichen Eingriffen in digitale Infrastrukturen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Cyber

Mehr Cyberabwehr, mehr Eingriffe: Bundesregierung plant weitreichende Sicherheitsreform

Die Bundesregierung will die Befugnisse von Bundespolizei, BKA und BSI im Kampf gegen Cyberangriffe deutlich ausweiten. Der jetzt beschlossene Gesetzentwurf soll Deutschland widerstandsfähiger gegen digitale Angriffe und hybride Bedrohungen machen. Der Digitalverband Bitkom unterstützt zwar das Ziel, warnt aber vor weitreichenden Eingriffen, Bürokratie und Risiken für Unternehmen.
Cyber-Versicherungen entwickeln sich zunehmend zur zentralen Gewerbeversicherung für Unternehmen. Gleichzeitig bleiben bei vielen Tarifen weiterhin Schwächen bei Cloud-Ausfällen, Betriebsunterbrechungen und technischen Risiken bestehen.Cyber-Versicherungen entwickeln sich zunehmend zur zentralen Gewerbeversicherung für Unternehmen. Gleichzeitig bleiben bei vielen Tarifen weiterhin Schwächen bei Cloud-Ausfällen, Betriebsunterbrechungen und technischen Risiken bestehen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Rating

Cyber-Versicherung für Firmen: Markt reift, Schwächen bleiben

Die gewerbliche Cyber-Versicherung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Im aktuellen Cyber-Rating 2026 von Franke und Bornberg erreicht erstmals ein Tarif die Höchstnote FFF+ (hervorragend). Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse aber auch: Viele Unternehmen bleiben weiterhin unzureichend abgesichert – und zahlreiche Tarife weisen nach wie vor kritische Schwächen auf.
Cyberangriffe bleiben das größte Geschäftsrisiko, während Künstliche Intelligenz neue Unsicherheiten und Angriffsflächen schafft (Symbolbild).Cyberangriffe bleiben das größte Geschäftsrisiko, während Künstliche Intelligenz neue Unsicherheiten und Angriffsflächen schafft (Symbolbild).DALL-E
Gewerbeschutz

Cyber dominiert, KI holt auf: Die größten Geschäftsrisiken 2026

Cyberangriffe führen das Allianz Risk Barometer 2026 erneut an – zum fünften Mal in Folge. Neu ist der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz, die sich binnen eines Jahres unter die größten Geschäftsrisiken schiebt.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht