Privater Rechtsschutz 2025: Mehr Top-Tarife, aber auch deutliche Schwächen
Das Interesse an Rechtsschutzversicherungen bleibt hoch: Mit mehr als 27 Millionen Verträgen verzeichnete der GDV Ende 2024 einen neuen Höchststand. Orientierung für Verbraucher bietet das aktuelle Rating „Privater Rechtsschutz“ von Franke und Bornberg. Die Analyse umfasst 258 Tarife und Tarifvarianten von 38 Gesellschaften. Das Qualitätsniveau steigt weiter – doch längst nicht alle Angebote halten mit.
Neue Kriterien: Mehr digitale Risiken berücksichtigt
Für das Rating 2025 wurden die Bewertungskriterien erneut erweitert. Neu aufgenommen wurden Leistungen bei Identitätsmissbrauch im Internet sowie der Schutz bei rufschädigenden Online-Inhalten. Auch der Verwaltungsrechtsschutz bei Streitigkeiten um Studienplatzvergaben ist nun Teil des Katalogs. Gleichzeitig entfiel das Kriterium „Fahrer fremder Fahrzeuge“, da hier mittlerweile kaum Unterschiede zwischen den Anbietern bestehen. Die Gewichtung für weltweiten Versicherungsschutz wurde reduziert.
Höhere Qualität bei Familientarifen
Für Familientarife analysierte Franke und Bornberg 81 Kriterien – sechs mehr als im Vorjahr. Die Qualität insgesamt hat zugenommen: Der Anteil an Tarifen mit der Bestnote FFF+ hervorragend stieg um 3,1 Prozentpunkte. Noch stärker wuchs das Segment FFF sehr gut, das nun fast die Hälfte der untersuchten Familientarife umfasst. Allerdings bleibt die Bandbreite groß – über 20 Prozent der Angebote wurden nur mit „befriedigend“ oder schlechter bewertet.
Singles: Fast jeder zweite Tarif sehr gut
Auch bei den Singles ergibt sich ein positiver Trend. 74 Kriterien flossen hier in die Bewertung ein, vier mehr als 2024. Rund 48 Prozent der Tarife erreichen die Note FFF sehr gut, im Vorjahr waren es noch 41,8 Prozent. Das untere Ende der Skala bleibt jedoch problematisch: 23 Prozent der Tarife erhielten lediglich „befriedigend“ oder schlechter.
Diese Anbieter glänzen 2025 mit Bestnoten
Sechs Versicherer bieten in beiden Kundensegmenten mindestens einen Tarif mit der Bewertung FFF+:
- Arag
- Lippische Landesbrandversicherung
- ÖRAG
- Provinzial Nord Brandkasse
- Provinzial Versicherung
- Roland
Typische Schwächen: Vorsorgeberatung, Arbeitsrecht, Sozialrecht
Ein häufiger Stolperstein auf dem Weg zur Höchstnote ist der fehlende Zugang zur vorsorglichen Rechtsberatung, also juristische Beratung, bevor ein konkreter Versicherungsfall eintritt. Weitere Schwachstellen zeigen sich regelmäßig beim Arbeitsrechtsschutz, Immobilienrechtsschutz sowie im außergerichtlichen Verwaltungs-, Steuer- oder Sozialrecht. Auch beim Erb- und Familienrecht bleiben viele Tarife lückenhaft.
Kosten und Marktdruck: Qualität vor Preis
Für einen sehr guten Tarif mit 150 Euro Selbstbehalt zahlen Singles rund 300 Euro pro Jahr, Familien etwa 350 Euro oder mehr. Ein Preiswettbewerb ist aktuell nicht zu erwarten. „2024 haben Rechtsschutzversicherer laut GDV-Zahlen sieben Prozent mehr für Schäden aufgewendet als im Vorjahr“, erklärt Christian Monke, Leiter Ratings Private Risiken bei Franke und Bornberg. Die Schaden-Kostenquote liegt bei 98 Prozent – nahe an der Verlustgrenze.
Nachhaltigkeit bleibt Randthema
Nachhaltige Aspekte spielen in der Produktgestaltung weiterhin kaum eine Rolle. Laut Monke sei Nachhaltigkeit „kein differenzierender Wettbewerbsfaktor“ im aktuellen Rechtsschutzmarkt.
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