BaFin: „Die kapitalbildende Lebensversicherung ist ein wichtiger Pfeiler der Altersvorsorge“
Kapitalmarktrisiken, hohe Kosten und Reformdruck: BaFin-Exekutivdirektorin Julia Wiens zeichnet ein vielschichtiges Bild der Altersvorsorge. Zugleich betont sie die Rolle der Lebensversicherung – und warnt vor zu viel Vertrauen in die Börse.
Die Zukunft der Altersvorsorge steht im Spannungsfeld aus Reformbedarf, steigenden Risiken und wachsendem Wettbewerb. Bei einer Veranstaltung zum „Zukunftsmarkt Altersvorsorge“ hat Julia Wiens, Exekutivdirektorin für Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht bei der BaFin, zentrale Herausforderungen und regulatorische Schwerpunkte skizziert. „Über kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert. Und das ist auch gut so. Denn kaum eine Frage hat eine solche soziale und politische Sprengkraft“, sagte Wiens.
Kapitalmärkte, Cyberrisiken und Kosten im Blickfeld
Aus Sicht der Aufsicht stehen derzeit mehrere Risikofelder im Vordergrund: „Das sind erstens die Finanzmarktrisiken. Die Lage an den Kapitalmärkten ist fragil. Es kann jederzeit zu signifikanten Korrekturen kommen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Insolvenzen. Und damit auch die Ausfallraten von Unternehmenskrediten.“ Auch operationelle Risiken – insbesondere im IT-Bereich – gewinnen an Bedeutung: „Vor allem im Bereich IT. Cyber-Vorfälle mit gravierenden Auswirkungen. Und Konzentrationen bei der Auslagerung von IKT-Dienstleistungen.“ Hinzu kommen Risiken für Verbraucher – insbesondere mit Blick auf Kosten: „Dazu zählen nach unserer Ansicht auch die Kosten kapitalbildender Lebensversicherungen.“
Kapitalanlagen: Mehr Risiken durch „Alternatives“
Ein besonderer Fokus liegt auf alternativen Kapitalanlagen wie Immobilien, Private Equity oder Private Debt. „Denn sie sind illiquide. Das erschwert natürlich die Bewertung. Zudem sind Alternatives komplex.“ Die BaFin sieht hier teilweise Verbesserungsbedarf im Risikomanagement: „Bei gut einem Drittel haben wir gesehen: Das muss besser werden.“ Grundsätzlich gilt aus Sicht der Aufsicht: „Versicherer sollten nur in Anlagen investieren, die sie auch wirklich verstehen.“
Kosten im Blick: Aufsicht greift bei Ausreißern ein
Ein zentrales Thema bleibt der Kundennutzen von Altersvorsorgeprodukten. Insbesondere hohe Effektivkosten stehen im Fokus: „Die Effektivkosten liegen in manchen Fällen bei vier Prozent. […] Solch hohe Effektivkosten bedeuten doch nichts Anderes, als dass ein Produkt diese Kosten erst einmal verdienen muss.“ Wenn Produkte keinen angemessenen Kundennutzen bieten, schreitet die Aufsicht ein: „Wir haben bereits einiges erreicht. Einige Produkte wurden vom Markt genommen.“
Reformen in der betrieblichen Altersversorgung
Mit dem Zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetz sieht Wiens positive Impulse für die betriebliche Altersversorgung. „Denn bei dieser Form der betrieblichen Altersversorgung sind rentablere Formen der Kapitalanlage und damit auch höhere Betriebsrenten möglich.“ Auch neue Flexibilitäten für Pensionskassen könnten langfristig höhere Renditen ermöglichen.
Private Altersvorsorge: Wettbewerb nimmt zu
Im Bereich der privaten Altersvorsorge erwartet die BaFin zunehmenden Wettbewerb – auch durch neue Anbieter und Produktformen. „Die Lebensversicherer müssen sich aber darauf einstellen, dass die Konkurrenz für sie rauer wird.“ Gleichzeitig sieht Wiens Chancen durch Reformen, etwa durch kostengünstigere und transparentere Produkte.
Lebensversicherung als stabiler Pfeiler
Trotz aller Veränderungen betont Wiens die Rolle klassischer Vorsorgeprodukte: „Die kapitalbildende Lebensversicherung ist ein wichtiger Pfeiler der Altersvorsorge von Millionen von Menschen.“ Sie kritisiert, dass deren Stärken in der öffentlichen Debatte zu wenig Beachtung finden: „Ich wundere mich manchmal schon, wie wenig Aufmerksamkeit ihre Alleinstellungsmerkmale zurzeit in der öffentlichen Diskussion bekommen.“ Dazu zählen insbesondere: „Also der Risikoausgleich im Kollektiv und die lebenslange Rentengarantie.“
Warnung vor überzogenem Optimismus an den Kapitalmärkten
Mit Blick auf die Kapitalmärkte mahnt Wiens zur Vorsicht: „Viele scheinen derzeit davon auszugehen, dass das so weitergeht. Das ist aber alles andere als ausgemacht.“ Und weiter: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir signifikante Korrekturen sehen werden. Oder etwas deutlicher: bis es auch an den Märkten knallt.“
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