Altersvorsorge: GDV fordert Standardprodukt und Opt-out in der Betriebsrente

Reformvorschläge zur privaten Altersvorsorge, Frühstart-Rente und BRSG-Novelle: Der GDV sieht Rückenwind für Kapitaldeckung – aber nur, wenn Umsetzung, Vertriebskanäle und Regeln sauber austariert werden.

(PDF)
Der GDV bewertet die jüngsten politischen Weichenstellungen zur Altersvorsorge als überfällig – und setzt dabei klar auf stärkere Kapitaldeckung (Symbolbild).Der GDV bewertet die jüngsten politischen Weichenstellungen zur Altersvorsorge als überfällig – und setzt dabei klar auf stärkere Kapitaldeckung (Symbolbild).Experten.de

Der GDV bewertet die jüngsten politischen Weichenstellungen zur Altersvorsorge als überfällig – und setzt dabei klar auf stärkere Kapitaldeckung. Hintergrund: Bislang stammen laut Verband nur 13,7 Prozent der Alterseinkommen in Deutschland aus kapitalgedeckten Systemen; im internationalen Vergleich sei das wenig.

Zur Frühstart-Rente begrüßt der GDV den Ansatz, Kinder früh an das Thema Vorsorge heranzuführen und den Zinseszinseffekt zu nutzen. Entscheidend seien jedoch klare Anschlussregeln: Das angesparte Kapital solle mit dem 18. Geburtstag automatisch und unkompliziert in eine geförderte private Altersvorsorge übergehen – plus einfache Möglichkeiten, dass Familien zusätzlich einzahlen können.

Beim geplanten Altersvorsorge-Reformgesetz unterstützt der Verband den Entwurf grundsätzlich: Vorgesehen seien bessere Renditechancen, verständlichere Förderung und mehr Flexibilität. Gleichzeitig macht der GDV konkrete Bedingungen auf: Es brauche ein einfaches, online abschließbares Standardprodukt – und „gleiche Regeln“ für vergleichbare Produkte, damit Versicherer gegenüber Banken, Neobrokern oder Fondsgesellschaften nicht strukturell benachteiligt werden.

Besonders pointiert: Damit der Onlineabschluss schlank bleibt, solle der Verkauf von Standardprodukten als „execution only“ möglich sein – verbunden mit einer Aussetzung der gesetzlichen Beratungspflicht, wie sie bei nicht-versicherungsgebundenen Kapitalanlagen bereits gelte.

Für Vermittler ist das ein sensibler Punkt: Je nachdem, wie „execution only“ konkret geregelt wird, können sich Vertriebspfade, Dokumentationsanforderungen und die Abgrenzung zwischen Beratung und reiner Ausführung deutlich verschieben. Mit „reiner Ausführung“ meint der GDV den Abschluss eines Altersvorsorge-Standardprodukts ohne individuelle Beratung oder Empfehlung. Der Anbieter stellt Informationen bereit und setzt den Abschluss technisch um – die Produktauswahl trifft der Kunde eigenverantwortlich.

Auch bei der betrieblichen Altersversorgung sieht der GDV Potenzial, mehr Menschen zu erreichen. Der Verband plädiert dafür, dass Unternehmen ihren Beschäftigten grundsätzlich eine Betriebsrente anbieten können – es sei denn, jemand widerspricht ausdrücklich (Opt-out-Logik). Zudem sollten angesparte Gelder stärker am Kapitalmarkt arbeiten dürfen, nicht nur bei klassischen Pensionskassen, sondern bei allen Anbietern der betrieblichen Altersversorgung.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

GDV-Präsident Norbert RollingerGDV-Präsident Norbert RollingerGDV
Assekuranz

GDV: Beiträge wachsen – doch „die Spielräume werden kleiner“

Die Versicherungswirtschaft legt 2025 kräftig zu – der GDV rechnet aber 2026 mit gedämpfterer Dynamik. Gleichzeitig benennt der Verband drei „Baustellen“, die für Vermittler strategisch relevant werden.
Die geplante Frühstart-Rente stößt in der Wirtschaft auf Skepsis (Symbolbild).Die geplante Frühstart-Rente stößt in der Wirtschaft auf Skepsis (Symbolbild).DALL-E
Fürs Alter

Frühstart-Rente: Unternehmen fordern Reformen mit Substanz statt Symbolik

Bei der WTW bAV-Konferenz zeigten sich Arbeitgeber kritisch gegenüber der geplanten Frühstart-Rente und dem BRSG II. Eine Mehrheit sieht in den aktuellen Reformplänen keine ausreichende Stärkung der Altersvorsorge – und fordert weniger Bürokratie, mehr Mut und ein Gesamtkonzept für alle drei Säulen.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).Tobias Koch
Politik

BRSG II: Bundesregierung will Betriebsrente stärker verbreiten

Das Bundeskabinett hat den Entwurf für ein Zweites Betriebsrentenstärkungsgesetz beschlossen. Ziel ist es, die betriebliche Altersversorgung gerade in kleinen und mittleren Unternehmen auszubauen. Warum Politik und Versicherungswirtschaft den Schritt begrüßen – und zugleich Nachbesserungen fordern.
Noch ist die Digitale Rentenübersicht nicht vollständig.Noch ist die Digitale Rentenübersicht nicht vollständig.Armin Okula
Fürs Alter

Digitale Rentenübersicht: Transparenz in der Altersvorsorge wächst

Seit Dezember 2023 ist die Digitale Rentenübersicht verfügbar. Sie bündelt erstmals Informationen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge an einem Ort. Noch läuft der Ausbau – doch das Projekt zeigt bereits, wie stark die Digitalisierung die Ruhestandsplanung verändert.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht