Altersvorsorge unter Reformdruck: Nur 29 Prozent halten die Rente für generationengerecht

Veröffentlichung: 02.03.2026, 10:03 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Nur 29 Prozent der Deutschen empfinden die gesetzliche Rente als generationengerecht. Gleichzeitig zweifeln zwei Drittel an der Reformfähigkeit der Rentenkommission. Eine neue Umfrage im Auftrag des GDV zeigt: Das Problem ist nicht nur die Finanzierung – sondern das schwindende Vertrauen.

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Vertrauen als Stabilitätsfaktor

Die Stabilität eines Alterssicherungssystems bemisst sich nicht allein an Beitragssätzen, Rücklagen oder Bundeszuschüssen. Entscheidend ist auch, ob die Bevölkerung das System als fair wahrnimmt. Genau hier offenbart sich eine deutliche Vertrauenslücke. Eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt: Nur 29 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die gesetzliche Rente die Interessen jüngerer und älterer Generationen gleichermaßen berücksichtigt.

„Ein Rentensystem kann nur dauerhaft stabil sein, wenn es als fair wahrgenommen wird. Dass derzeit nur weniger als ein Drittel die gesetzliche Rente als generationengerecht empfindet, ist ein klares Signal für Reformbedarf“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Damit wird Generationengerechtigkeit nicht nur zu einer finanzpolitischen, sondern zunehmend zu einer legitimatorischen Frage.

Skepsis gegenüber der Rentenkommission

Die Zweifel betreffen nicht nur das bestehende System, sondern auch dessen Weiterentwicklung. 68 Prozent der Befragten sind gar nicht oder nur wenig zuversichtlich, dass die neu eingesetzte Rentenkommission tragfähige Reformvorschläge vorlegen wird. Asmussen betont: „Diese Skepsis zeigt, wie wichtig es ist, Vertrauen zu schaffen und Reformen zu erklären. Es geht nicht um ein Gegeneinander von gesetzlicher Rente und kapitalgedeckter privater Vorsorge, sondern um ihr vernünftiges Zusammenspiel – wir brauchen alle drei Säulen der Altersvorsorge.“ Die politische Herausforderung liegt damit nicht allein in der Ausgestaltung von Maßnahmen, sondern in der Vermittlung langfristiger Systemlogik.

Mehr Beitragszahler – aber reicht das?

Gefragt nach Reformoptionen sprechen sich 62 Prozent für eine Ausweitung des Kreises der Beitragszahlenden aus. Eine stärkere Förderung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge folgt mit 47 Prozent Zustimmung. Doch Asmussen warnt vor kurzfristigen Lösungen: „Mehr Beitragszahler können kurzfristig entlasten. Dauerhaft lösen sie das demografische Problem jedoch nicht, weil zusätzliche Einzahler auch eigene Ansprüche erwerben. Strukturell zukunftsfähig ist ein System, das stärker auf Kapitaldeckung setzt.“
Mit rund 14 Prozent Kapitaldeckung liegt Deutschland laut GDV im OECD-Vergleich weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt.

Vorsorge braucht Verlässlichkeit

Auffällig ist zudem, was die Menschen in der privaten Vorsorge priorisieren. Nicht Renditeversprechen stehen im Vordergrund, sondern Sicherheit. 31 Prozent der erwerbstätigen Befragten nennen einen besseren Schutz ihrer Ersparnisse als wichtigsten Anreiz für zusätzliche private Vorsorge. Höhere Gewinne folgen mit 27 Prozent, stärkere staatliche Förderung mit 24 Prozent. Besonders Frauen legen Wert auf Absicherung des vorhandenen Kapitals. „Altersvorsorge muss verlässlich sein, langfristig tragen und darf nicht zu früh enden. Schon heute sind drei Millionen Menschen in Deutschland älter als 85 Jahre“, so Asmussen.
Die Studie zeigt damit ein Spannungsfeld: Reformdruck ist vorhanden – zugleich ist die Erwartung an Stabilität und Verlässlichkeit hoch.

Drei-Säulen-Modell unter Legitimationsdruck

Für den GDV bleibt die gesetzliche Rente das Fundament der Alterssicherung. Ihre langfristige Stabilität setze jedoch voraus, dass umlagefinanzierte Leistungen stärker durch kapitalgedeckte Elemente ergänzt werden. Die Umfrage legt nahe: Die Debatte um Generationengerechtigkeit ist längst keine abstrakte Modellfrage mehr. Sie entscheidet darüber, ob das System politisch tragfähig bleibt.
Ob die Rentenkommission diese Vertrauenslücke schließen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Zur Methodik:
Für die YouGov-Befragung im Auftrag des GDV wurden vom 23. bis 26. Januar 2026 insgesamt 2.234 Personen online befragt. Die Ergebnisse sind nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politischem Interesse gewichtet und repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

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