GKV-Schätzerkreis: Keine Entwarnung für 2026
Der GKV-Schätzerkreis hat für 2026 einen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von 2,9 Prozent prognostiziert. Doch trotz stabiler Zahlen warnt der GKV-Spitzenverband vor einer trügerischen Ruhe: Viele Krankenkassen müssen ihre Rücklagen auffüllen – und könnten gezwungen sein, die Beiträge weiter zu erhöhen.
Prognose auf dem Papier – Realität mit Nachholbedarf
Der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), bestehend aus Vertreter*innen des Bundesgesundheitsministeriums, des Bundesamtes für Soziale Sicherung und des GKV-Spitzenverbandes, hat am 15. Oktober seinen Ausblick für das kommende Jahr vorgestellt. Demnach liegt der rechnerisch notwendige durchschnittliche Zusatzbeitragssatz für 2026 bei 2,9 Prozent.
„Mit dem Ergebnis der heutigen Schätzung nähert sich der offizielle Zusatzbeitragssatz der Realität an“, erklärte Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Tatsächlich erheben die Krankenkassen bereits jetzt durchschnittlich 2,94 Prozent Zusatzbeitrag – deutlich mehr als die vom Bundesgesundheitsministerium für 2025 festgesetzten 2,5 Prozent.
Keine Entwarnung: Rücklagen fehlen
Trotz dieser rechnerischen Stabilität sieht Blatt keinen Grund zur Entwarnung: „Viele Kassen müssen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen auffüllen, und diesen zusätzlichen Finanzierungsbedarf berücksichtigt der Schätzerkreis nicht.“ Damit wiederhole sich ein Problem aus dem Vorjahr – auf den ersten Blick wirkten die Finanzen stabil, doch tatsächlich drohten weitere Beitragserhöhungen.
Laut GKV-Spitzenverband liegt die Rücklagenquote aktuell im Schnitt nur bei sechs Prozent einer Monatsausgabe, gesetzlich vorgeschrieben sind jedoch 20 Prozent. Für viele Kassen werde die Auffüllung dieser Rücklagen im kommenden Jahr Zusatzbeitragserhöhungen erforderlich machen.
Sparpaket als „Notnagel“
Blatt kritisiert, dass das von der Bundesregierung geplante Sparpaket über zwei Milliarden Euro keine nachhaltige Lösung sei: „Das heute auf den Weg gebrachte kleine Sparpaket ist nur ein Notnagel. Für einen stabilen Beitragssatz braucht es kurzfristig weitere entschlossene Maßnahmen zur Ausgabenbegrenzung, insbesondere in den Bereichen Arzneimittel und vertragsärztliche Versorgung.“ Langfristig seien umfassende Strukturreformen nötig, um Einnahmen und Ausgaben wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
10-Milliarden-Klage gegen den Bund
Zudem bekräftigte Blatt die angekündigte Klage der Krankenkassen gegen den Bund. Hintergrund ist die seit Jahren andauernde Unterfinanzierung der Gesundheitsversorgung von Bürgergeldbeziehenden. Der Bund habe die Kassen hier jährlich um rund zehn Milliarden Euro zu niedrig finanziert.
„Immer wieder wurden kurzfristige politische Interessen über die langfristige Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung gestellt. Doch nun reicht es den Krankenkassen“, so Blatt. Der Verwaltungsrat beschloss im September, Klage einzureichen. Die Vorbereitungen liefen bereits auf Hochtouren.
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