Mietpreisbremse bis 2029 verlängert – politische Debatte über Wirksamkeit und Wohnraumpolitik
Der Bundestag hat die Mietpreisbremse bis Ende 2029 verlängert. Ohne die Gesetzesänderung wäre die Regelung zum Jahresende ausgelaufen. Für die Verlängerung stimmten SPD, Grüne und Union. Die AfD votierte dagegen, während sich die Linke enthielt. Anträge für weitergehende Mieterschutzmaßnahmen, eingebracht von den Grünen und der Linken, fanden keine Mehrheit.
Die Mietpreisbremse wurde 2015 eingeführt, um dem Mietpreisanstieg in angespannten Wohnungsmärkten entgegenzuwirken. Sie begrenzt die Miete bei Neuvermietungen auf maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Ausnahmen bestehen jedoch für Neubauten, möblierte Wohnungen und Indexmieten – ein Umstand, der die Effektivität des Instruments erheblich einschränkt.
Kritik der Opposition: „Ein schlechter Witz“
Die Linksfraktion kritisierte die Regelung scharf. Partei-Chef Jan van Aken bezeichnete die Mietpreisbremse als „ein schlechter Witz“, der „gar nichts bremst“. Die Vielzahl an Ausnahmen und das Fehlen wirksamer Sanktionen führten dazu, dass das Instrument massenhaft umgangen werde. Die Linke fordert einen bundesweiten Mietendeckel, einen sechsjährigen Mietenstopp und massive Investitionen in den gemeinnützigen Wohnungsbau.
Auch CDU und CSU äußerten sich kritisch zur dauerhaften Wirksamkeit der Mietpreisbremse. Jan-Marco Luczak, baupolitischer Sprecher der Unionsfraktion, begrüßte zwar die Verlängerung als „notwendiges Signal“, betonte jedoch, sie könne „keinen Wohnungsbau ersetzen“. Eine dauerhafte Mietpreisregulierung stoße zudem auf verfassungsrechtliche Grenzen. Luczak fordert eine konsequente Bauoffensive, um bezahlbaren Wohnraum dauerhaft zu sichern.
Koalition mit Reformambitionen
Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) betonte, die Verlängerung sei ein wichtiger Schritt zum Schutz von Mieterinnen und Mietern. Sie verwies auf den Koalitionsvertrag, in dem Änderungen bei Indexmieten und möblierten Wohnungen vereinbart seien. Diese wurden im aktuellen Gesetz jedoch noch nicht umgesetzt – ein Hinweis auf innerkoalitionäre Differenzen.
Experten sehen Reformbedarf
Wissenschaftliche Analysen und Stimmen aus der Wohnungswirtschaft kritisieren die Mietpreisbremse seit Jahren als lückenhaft. Aufgrund zahlreicher Ausnahmen, unklarer Definitionen und fehlender Kontrollen verpuffe ihre Wirkung. In vielen Städten steigen die Mieten weiterhin ungebremst – insbesondere bei Neuvermietungen, die häufig an der Regelung vorbei gestaltet
Zwischen Symbolpolitik und struktureller Herausforderung
Die Verlängerung der Mietpreisbremse ist ein politisches Signal für kurzfristigen Mieterschutz, dessen praktische Wirkung jedoch begrenzt bleibt. Der politische Konsens über ihre Verlängerung verdeckt tiefere Konflikte über den künftigen Kurs der Wohnungspolitik. Ohne eine nachhaltige Ausweitung des Wohnungsangebots und strukturelle Mietrechtsreformen droht die soziale Wohnraumkrise weiter zu eskalieren.
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