Naturgefahren: „Hausbesitzer tragen die Hauptlast dieser Bedrohung“
Mit „Elementa“ starten die öffentlichen Versicherer eine neue Plattform zur Bewertung von Naturgefahren. Sie soll Risiken sichtbar machen und konkrete Präventionsmaßnahmen aufzeigen – und trifft damit eine Debatte, die längst über individuelle Vorsorge hinausgeht.
Extremwetter wird in Deutschland zunehmend zur Belastungsprobe für Eigentümer, Versicherer und Kommunen. Hochwasser, Starkregen und Hagel verursachen steigende Schäden – gleichzeitig bleibt die Prävention oft lückenhaft. Die öffentlichen Versicherer Deutschlands reagieren darauf mit einem neuen digitalen Angebot. Mit dem „Elementa Zentrum Naturgefahren“ starten sie eine bundesweite Plattform, die Risiken sichtbar machen und konkrete Schutzmaßnahmen aufzeigen soll.
Zentrale Plattform für dezentrale Risiken
Kern des Angebots ist eine adressgenaue Risikoanalyse. Über ein sogenanntes Risiko-Radar können Nutzer die Gefährdung ihres Gebäudes individuell bewerten lassen. Grundlage sind gebündelte Daten aus öffentlichen Hochwasser- und Starkregenkarten sowie wissenschaftlichen Modellen. „Wir schaffen mit Elementa die Möglichkeit, sich ein umfassendes Bild von den individuellen Elementargefahren zu machen und dadurch zielgerichtet Vorsorge zu treffen“, sagt Wolfgang Wiest, Hauptgeschäftsführer des Verbands öffentlicher Versicherer. Zum Start umfasst die Plattform Informationen zu Flusshochwasser, Starkregen und Hagel. Letzteres basiert auf einer aktuellen Risikokarte des Karlsruher Instituts für Technologie, die erstmals im März 2026 veröffentlicht wurde.
Prävention rückt stärker in den Fokus
Neben der Risikoanalyse setzt Elementa gezielt auf Prävention. Die Plattform bietet konkrete Handlungsempfehlungen sowie ein Bauteilregister mit erprobten Lösungen zur Risikominimierung. „Hausbesitzer tragen die Hauptlast dieser Bedrohung. Daher sehen wir es als unsere Pflicht als größte Gebäudeversicherer-Gruppe in Deutschland, die Versicherten bestmöglich zu unterstützen“, so Wiest. Damit geht das Angebot über bisherige, meist fragmentierte Informationsquellen hinaus und bündelt erstmals Risikoanalyse und Präventionswissen zentral.
Zwei Ebenen der Risikovorsorge
Ein zentrales Element der Plattform ist die Verbindung von individueller und öffentlicher Vorsorge. Neben baulichen Maßnahmen am Gebäude werden auch staatliche Schutzkonzepte und infrastrukturelle Lösungen dargestellt. „Der Schutz vor Naturgefahren ruht auf zwei Säulen – individueller Prävention am eigenen Wohnhaus und öffentlicher, übergeordneter Vorsorge“, erklärt Wiest. Ziel ist es, nicht nur einzelne Gebäude, sondern auch Siedlungen und Regionen resilienter gegenüber Naturgefahren zu machen.
Bedeutung für Versicherer und Markt
Für die Versicherungswirtschaft ist die Plattform mehr als ein Informationsangebot. Sie adressiert ein strukturelles Problem: steigende Schäden bei gleichzeitig unzureichender Risikotransparenz. Durch die Kombination aus Daten, Prävention und Aufklärung kann Elementa dazu beitragen, Risiken besser kalkulierbar zu machen – und langfristig auch die Versicherbarkeit von Elementarschäden zu stabilisieren.
Ausbau geplant
Das Angebot soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Geplant ist die Integration weiterer Naturgefahren sowie zusätzlicher Datenquellen. Träger der Plattform sind neben den öffentlichen Versicherern auch das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung. Gemeinsam bündeln sie wissenschaftliche Erkenntnisse, öffentliche Daten und praktische Erfahrungen.
Mehr als ein Naturgefahren-Check
Mit „Elementa“ geht die Versicherungswirtschaft einen Schritt über bestehende Informationsangebote hinaus. Während Initiativen wie der Naturgefahren-Check des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor allem auf Sensibilisierung und eine erste Risikoeinschätzung abzielen, setzt Elementa deutlich tiefer an. Die Plattform kombiniert adressgenaue Gefahrenanalysen mit konkreten Handlungsempfehlungen und technischen Präventionslösungen. Damit verschiebt sich der Fokus: weg von der reinen Risikoanzeige hin zu einem Instrument, das Eigentümer, Planer und Kommunen aktiv bei der Risikosteuerung unterstützt.
Pflichtversicherung bleibt Streitpunkt
Die neue Plattform entsteht in einem Umfeld, in dem die politische Diskussion um eine verpflichtende Elementarschadenversicherung weiter an Fahrt aufnimmt. Während Befürworter auf eine höhere Versicherungsdichte und geringere staatliche Hilfen im Schadensfall verweisen, warnen Kritiker vor Fehlanreizen und steigenden Kosten. Initiativen wie Elementa zeigen dabei eine alternative Stoßrichtung: Statt allein über Versicherungspflichten zu diskutieren, rückt die Frage in den Vordergrund, wie Risiken transparenter gemacht und Schäden durch gezielte Prävention reduziert werden können. Damit wird die Debatte um Pflichtversicherung, staatliche Verantwortung und individuelle Vorsorge um eine praktische Dimension ergänzt, die über reine Finanzierungsfragen hinausgeht.
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