Das Steueränderungsgesetz 2025

Ab dem 1. Januar 2026 gelten neue steuerliche Rahmenbedingungen: Mit dem Steueränderungsgesetz 2025 schafft der Gesetzgeber ein jährliches Entlastungsvolumen von knapp 5 Milliarden Euro, das bis 2030 auf über 6 Milliarden Euro ansteigen soll. Die Maßnahmen reichen von der Absenkung des Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie über die Anhebung der Entfernungspauschale bis hin zu Reformen im Gemeinnützigkeitsrecht. CDU/CSU und SPD setzten das Gesetz gegen die Stimmen der AfD und Grünen bei Enthaltung der Linken durch.

(PDF)
Dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer auf 7 % für Speisen in RestaurantsDauerhafte Senkung der Umsatzsteuer auf 7 % für Speisen in RestaurantsAdobe

Das Gesetz verfolgt primär drei Ziele:

  • Entlastung der Erwerbstätigen (Erhöhung der Entfernungspauschale auf 38 Cent ab dem ersten Kilometer),
  • Unterstützung einzelner Branchen (dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer auf 7% für Speisen in Restaurants, nicht jedoch für Getränke),
  • Stärkung bürgerschaftlichen Engagements (Anhebung der Übungsleiterpauschale auf 3.300Euro, der Ehrenamtspauschale auf 960Euro, erweiterte Gemeinnützigkeit für E-Sport, steuerfreie Prämien für Olympiateilnehmer).

Im Finanzausschuss wurden zusätzlich u.a. folgende Änderungen beschlossen:

  • Gewerkschaftsbeiträge können künftig neben dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag als Werbungskosten abgezogen werden.
  • Der steuerlich abziehbare Parteispendenhöchstbetrag wurde verdoppelt (auf 3.300€ bzw. 6.600€).
  • Die Freigrenze für sportliche Veranstaltungen von Vereinen wurde von 45.000 auf 50.000Euro angehoben.

Politisches Selbstverständnis: Entlastung als Vertrauenssignal

In der parlamentarischen Debatte betonten Vertreter der Regierungskoalition die sozialpolitische Dimension des Gesetzes. Jens Behrens (SPD) sprach von einem klaren Ziel: „Arbeit spürbar stärker belohnen“. Die Entlastung von Arbeitnehmern – etwa durch die Erhöhung der Entfernungspauschale – sei Ausdruck staatlicher Anerkennung für Pendler, die täglich lange Wege auf sich nähmen. Auch die steuerliche Besserstellung von Gewerkschaftsbeiträgen, Ehrenamt und Olympia-Prämien wurde als sozialpolitischer Fortschritt hervorgehoben. Die SPD sieht das Gesetz als Beleg für eine Politik, die „verlässlich liefert“.

Die Union unterstrich dagegen den wirtschaftspolitischen Nutzen: Dr. Mathias Middelberg (CDU/CSU) stellte das Gesetz in eine Reihe von Maßnahmen zur Standortsicherung. Die Absenkung der Umsatzsteuer auf Speisen sei ein gezielter Eingriff zur Stützung der Gastronomie, die als personalintensive Branche von hohen Betriebskosten betroffen sei. Auch das Ehrenamt werde gezielt gestärkt – ein Punkt, den auch Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein (CDU) betonte. Sie sprach von einem „kostbaren Schatz“, den es attraktiver zu machen gelte.

Die Koalition versteht das Steuerpaket damit als Kombination aus Anerkennung, Anreiz und Entlastung – eingebettet in eine politische Erzählung von Arbeit, Zusammenhalt und Standortpolitik. Die entscheidende Frage bleibt: Reichen diese Impulse aus, um strukturelle Probleme zu adressieren – oder bleiben sie symbolisch?

Finanzielle Auswirkungen und Kritik

Laut Finanztableau ergeben sich ab 2026 jährliche Steuermindereinnahmen in Milliardenhöhe, verteilt auf Bund (ca. 2,5 Mrd.€), Länder (ca. 2,2 Mrd.€) und Kommunen (ca. 274 Mio.€). Der Bundesrat forderte daher eine Kompensation für Länder und Kommunen, was die Bundesregierung jedoch mit Verweis auf Art.106 GG ablehnte.

Die Kritik der Opposition ist entlang systemischer Linien nachvollziehbar:

  • Grüne bemängeln eine „Gießkannenlogik“, fordern stattdessen gezielte Steueranreize (z.B. durch Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags, Reform der Umsatzsteuer).
  • Linke kritisieren die Verteilungseffekte zugunsten der oberen Einkommensgruppen und warnen vor zusätzlichen Belastungen der Kommunen.
  • AfD fordert eine noch deutlichere Entlastung von Berufspendlern (50 Cent je km) und kritisiert die steuerliche Besserstellung von Gewerkschaften und Parteien als Klientelpolitik.

Fiskalpolitik im Kleinformat

Das Gesetz steht exemplarisch für eine steuerpolitische Praxis, die primär auf additive Entlastungen setzt. Es gibt keine strukturelle Steuervereinfachung, sondern neue Ausnahmetatbestände und erweiterte Freigrenzen. Dies verschärft langfristig die Komplexität des Steuerrechts und verschiebt die Balance zwischen Steuerentlastung und Systemlogik weiter in Richtung Einzelinteressen – von der Gemeinnützigkeit des E-Sports bis zu steuerfreien Olympia-Prämien.

Die Pendlerpauschale wird nicht nur erhöht, sondern entfristet – und das rückwirkend sozialpolitisch problematisch: Von der Maßnahme profitieren laut Anhörungen vor allem höhere Einkommen und Männer mit langen Arbeitswegen. Maßnahmen zur ökologischen Steuerlenkung fehlen.

Entlastung mit Ablaufdatum

Das Steueränderungsgesetz 2025 ist fiskalisch ambitioniert, politisch konsensfähig und technisch detailliert. Es bietet kurzfristige Entlastung – jedoch in Fragmenten. Was als große Steuererleichterung präsentiert wird, bleibt faktisch begrenzt: Viele Maßnahmen entlasten spezifische Gruppen, ohne strukturelle Vereinfachung oder spürbare Breitenwirkung. Eine echte Entlastung, die bei allen ankommt, bleibt auch dieses Mal aus.

Die abschließende Verabschiedung im Bundestag ist für den 5. Dezember 2025 vorgesehen, die Zustimmung des Bundesrats für den 19. Dezember. Ob noch Änderungen erfolgen, bleibt offen. Klar ist schon jetzt: Das Gesetz setzt punktuelle Impulse – etwa im Gemeinnützigkeitsrecht –, aber eine systematische Neuausrichtung der Steuerpolitik bleibt weiterhin au

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Im Plenum flogen die verbalen Angriffe, während sich beide Lager auf den Endspurt im Wahlkampf vorbereiteten (Symbolbild mit KI erstellt).Im Plenum flogen die verbalen Angriffe, während sich beide Lager auf den Endspurt im Wahlkampf vorbereiteten (Symbolbild mit KI erstellt).GROK
Politik

Hitzige Debatte im Bundestag: Scholz und Merz im offenen Schlagabtausch

Nur wenige Tage vor der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 lieferten sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz eine der schärfsten Auseinandersetzungen der Legislaturperiode.
Herz-Baum-352139863-AS-rangizzzHerz-Baum-352139863-AS-rangizzzrangizzz – stock.adobe.com
Finanzen

Im BVI-Check: Wahlprogramme & Nachhaltigkeit

Am 26. September 2021 ist Bundestagswahl. Was die Parteien erreichen wollen, beschreiben sie in ihren Wahlprogrammen. Im Fokus stehen der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung, die Lehren aus der Pandemie, soziale Gerechtigkeit, Steuern und Bildung.
Der BVI checkt: Was planen CDU/CSU, Grüne, SPD, FDP, Linke und AfD für den Finanzmarkt?Der BVI checkt: Was planen CDU/CSU, Grüne, SPD, FDP, Linke und AfD für den Finanzmarkt?Foto: Adobestock
Finanzen

BVI checkt Bundestagswahlprogramme

Am 26. September 2021 ist Bundestagswahl. Was die Parteien erreichen wollen, beschreiben sie in den kürzlich beschlossenen Wahlprogrammen. Im Fokus stehen eine moderne Wirtschaftspolitik, insbesondere der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung, die Lehren aus der Pandemie, soziale Gerechtigkeit, Steuern und Bildung. 
Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)Christian Lietzmann
Politik

„Dieses Rentenpaket ist nicht nur eine Belastung, es ist eine Zumutung“

32 Wirtschaftsverbände schlagen Alarm: Ein gemeinsamer Brief an CDU/CSU und SPD fordert, das geplante Rentenpaket zu stoppen. Die Verbände warnen vor Milliardenkosten, fehlender Generationengerechtigkeit – und verlangen strukturelle Reformen. Welche Forderungen sie stellen und wie scharf der BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura die Bundesregierung angreift.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht