Elementarschadenversicherung: Breite Zustimmung zur Pflichtversicherung
Die Diskussion um eine gesetzliche Versicherungspflicht gegen Elementarschäden nimmt an Fahrt auf. Nachdem die neue Bundesregierung das Vorhaben in den Koalitionsvertrag aufgenommen hat, zeigt eine aktuelle Umfrage des Vergleichsportals Verivox eine breite Unterstützung in der Bevölkerung: 78 Prozent der Hausbesitzer und 79 Prozent der Mieter sprechen sich für eine solche Pflichtversicherung aus.
Zustimmung über alle Gruppen hinweg
Der Vorschlag trifft auf überraschend breite Zustimmung: Selbst Mieter, die nicht direkt eine Elementarschadenversicherung abschließen würden, befürworten das Vorhaben, da sie über staatliche Hilfen oder mögliche Mietumlagen indirekt betroffen sind. Die Versicherungsfrage ist damit nicht mehr nur eine Angelegenheit für Immobilieneigentümer.
Erfahrungen aus der Vergangenheit dürften zur positiven Haltung beitragen: Nach Hochwasserkatastrophen, wie zuletzt im Sommer 2024, übernahm der Staat mehrfach milliardenschwere Wiederaufbauhilfen. Eine gesetzliche Pflichtversicherung könnte hier Entlastung bringen.
Sorge vor Klimafolgen stärkt Akzeptanz
Die Studie zeigt auch: Je stärker die persönliche Betroffenheit, desto größer die Zustimmung. Unter den Befragten, die sich vor Naturkatastrophen in der eigenen Region sorgen, sprechen sich 86 Prozent für eine Pflichtversicherung aus. 61 Prozent der Hausbesitzer erwarten, dass solche Ereignisse in Zukunft zunehmen könnten.
Finanzielle Belastung bleibt Knackpunkt
Trotz großer Zustimmung sind die finanziellen Erwartungen der Befragten begrenzt. Im Schnitt wären Eigentümer bereit, 286 Euro pro Jahr für den Schutz gegen Elementarschäden auszugeben. 16 Prozent sehen keinen Spielraum für weitere Kosten. Besonders in Risikogebieten könnten die tatsächlichen Beiträge aber weit darüber liegen. Laut Verivox kann der Schutz dort jährlich mehrere Tausend Euro kosten.
Ein zusätzliches Hindernis: Rund ein Drittel der Hausbesitzer ohne Elementarschadenversicherung nennt hohe Kosten als Hauptgrund für den fehlenden Abschluss. Jeder Zweite sieht keinen Bedarf, da das Risiko am eigenen Wohnort als gering eingeschätzt wird.
GDV plädiert für Opt-Out-Lösung
Die Versicherungswirtschaft steht einer gesetzlichen Pflicht kritisch gegenüber. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) favorisiert ein sogenanntes Opt-Out-Modell: Der Elementarschutz wäre dann Standardbestandteil der Wohngebäudeversicherung, könnte aber vom Versicherungsnehmer abgewählt werden. 68 Prozent der befragten Hausbesitzer halten diese Variante für sinnvoll.
Solidarisches Finanzierungsmodell umstritten
Ein Blick nach Frankreich zeigt: Dort ist die Elementarversicherung Pflicht, die Beiträge richten sich nicht nach der Gefahrenlage, sondern nach dem Immobilienwert. Für ein ähnliches Modell in Deutschland kann sich allerdings nur jeder fünfte Hausbesitzer erwärmen. Ein Drittel lehnt eine Umverteilung grundsätzlich ab.
Prävention durch Bauverbote?
Neben dem Versicherungsschutz selbst steht auch die Risikovermeidung zur Debatte. 79 Prozent der Hausbesitzer sprechen sich dafür aus, keine neuen Bauflächen in besonders hochwassergefährdeten Gebieten auszuweisen. Auch unter Mietern findet diese Forderung eine Mehrheit.
Über die Studie:
Im Auftrag von Verivox hat das Marktforschungsinstitut Innofact Mitte Mai 2025 insgesamt 1.052 Hauseigentümer befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für private Hausbesitzer im Alter von 18 bis 79 Jahren, die selbst in ihrer Immobilie wohnen und in ihrem Haushalt für Entscheidungen rund um den Abschluss von Versicherungen zumindest mitverantwortlich sind.
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