Kfz-Rating: 49 Tarife haben Lücken bei Tierunfällen
Im aktuellen Kfz-Rating von Franke und Bornberg erhält rund jeder fünfte untersuchte Tarif nur die Note ausreichend. Besonders häufig verhindert der eingeschränkte Schutz bei Tierunfällen eine bessere Bewertung. Für Autofahrer kann der Unterschied zwischen Haarwild und Tieren aller Art teuer werden.
Im Kfz-Rating 2026 von Franke und Bornberg zeigen sich erhebliche Unterschiede beim Versicherungsschutz. Von 325 untersuchten Tarifen aus 77 Versicherungsgesellschaften erreichen lediglich 92 die Bestnote FFF+ (hervorragend). Gleichzeitig erhalten 68 Tarife und damit 20,9 Prozent nur die Bewertung F+ (ausreichend). Eine wesentliche Ursache für die schwachen Ergebnisse liegt ausgerechnet in einem klassischen Leistungsbereich der Teilkaskoversicherung: dem Zusammenstoß mit Tieren.
Bei 49 Tarifen verhindert die Beschränkung auf Haarwild eine bessere Bewertung. Franke und Bornberg verlangt bereits für die Note FF (befriedigend), dass Zusammenstöße mit Tieren aller Art versichert sind. Fehlt diese Leistung, kann ein Tarif unabhängig von seiner sonstigen Punktzahl höchstens F+ erreichen.
Reh versichert, Pferd nicht: Die Tücken der Teilkasko
Der Unterschied liegt im Kleingedruckten. Während die Teilkasko bei Zusammenstößen mit Haarwild wie Rehen oder Wildschweinen üblicherweise leistet, sind Kollisionen mit anderen Tieren nicht automatisch eingeschlossen. Wer beispielsweise mit einem Pferd oder Hund zusammenstößt, kann deshalb trotz bestehender Teilkaskoversicherung auf dem Fahrzeugschaden sitzen bleiben. Eine vorhandene Vollkaskoversicherung kann den Schaden zwar als Unfall abdecken. Anders als bei einem über die Teilkasko regulierten Schaden kann die Inanspruchnahme der Vollkasko allerdings Auswirkungen auf den Schadenfreiheitsrabatt haben.
„Ob Reh, Pferd oder Hund: Für den Schaden am Auto spielt die Tierart keine Rolle“, erklärt Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Ein Tarif, der bei Zusammenstößen nach der Tierart unterscheide, lasse Teilkaskoversicherte mit einer Deckungslücke zurück, die beim Abschluss leicht übersehen werde.
Wildunfälle kosten Versicherer inzwischen mehr als 1,2 Milliarden Euro
Wie teuer Tierkollisionen werden können, verdeutlicht die Schadenstatistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Bereits im September 2025 hatte experten.de über die erstmals überschrittene Milliardengrenze bei Wildunfallschäden berichtet. Damals lagen die Zahlen für 2024 bei mehr als 1,1 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich die Entwicklung fortgesetzt. Nach den jüngsten GDV-Zahlen verursachten rund 276.000 Wildunfälle im Jahr 2025 Schäden von mehr als 1,2 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Schadenhöhe stieg auf rund 4.400 Euro. Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere die höheren Preise für Ersatzteile und die gestiegenen Werkstattkosten.
Die GDV-Zahlen beziehen sich auf Wildunfälle und lassen sich nicht unmittelbar auf sämtliche Tierkollisionen übertragen. Sie verdeutlichen jedoch, welche finanziellen Folgen ein Zusammenstoß für Fahrzeughalter haben kann.
Nicht nur Tierunfälle: Auch Tierbiss-Folgeschäden bleiben eine Schwachstelle
Neben dem eingeschränkten Schutz bei Tierkollisionen identifiziert Franke und Bornberg weitere Schwächen in Basistarifen. Dazu gehören insbesondere Folgeschäden durch Tierbisse. Während der unmittelbare Schaden an einem Kabel oder Schlauch vergleichsweise gering ausfallen kann, können daraus erhebliche Reparaturkosten entstehen. In manchen Tarifen fehlen entsprechende Leistungen oder sind nur bis zu niedrigen Beträgen versichert. Für die beiden höchsten Ratingnoten FFF (sehr gut) und FFF+ verlangt Franke und Bornberg deshalb, dass Folgeschäden durch Tierbisse mit mindestens 3.000 Euro abgesichert sind. Bei Elektrofahrzeugen können solche Schäden besonders problematisch sein, wenn Leitungen des Hochvoltsystems betroffen sind.
Nur gut jeder vierte Tarif erreicht die Bestnote
Die Ergebnisse zeigen, dass umfangreicher Versicherungsschutz keineswegs selbstverständlich ist.
Von den 325 untersuchten Tarifen erreichen 28,3 Prozent die Bestnote FFF+. Weitere 22,5 Prozent werden mit FFF (sehr gut) bewertet. Auf die Noten FF (befriedigend) und F+ (ausreichend) entfallen zusammen 25,8 Prozent. Die Bewertungen F (mangelhaft) und F- (ungenügend) wurden nicht vergeben.
Grundlage des Ratings sind 73 Kriterien aus 20 Untersuchungsbereichen. Bewertet werden Leistungen der Kfz-Haftpflicht-, Teilkasko- und Vollkaskoversicherung sowie zusätzliche Leistungsbausteine.
Dabei berücksichtigt Franke und Bornberg ausschließlich die Qualität der Versicherungsbedingungen. Die Höhe der Versicherungsbeiträge fließt nicht in die Bewertung ein. Neben der erreichten Punktzahl müssen Tarife bestimmte Mindeststandards erfüllen, um eine der höheren Noten zu erhalten. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass gravierende Leistungslücken durch gute Bewertungen in anderen Bereichen ausgeglichen werden.
Warum der Preisvergleich allein nicht ausreicht
Für Versicherungsmakler liefert das Rating einen konkreten Beratungsanlass. Gerade bei preisgünstigen Basistarifen lohnt es sich, den Umfang des Teilkaskoschutzes genauer zu prüfen. Entscheidend ist nicht allein, ob ein Tarif Tierkollisionen versichert, sondern welche Tiere von der Deckung tatsächlich erfasst werden. Der Unterschied zwischen Haarwild und Tieren aller Art kann im Schadenfall mehrere Tausend Euro ausmachen. Das gilt umso mehr, als die durchschnittlichen Reparaturkosten seit Jahren steigen.
Die Ratingergebnisse machen damit deutlich: Ein günstiger Kfz-Tarif muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Wer ausschließlich auf den Beitrag schaut, riskiert jedoch, wichtige Einschränkungen im Versicherungsschutz zu übersehen.
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