Unfallversicherung: Nicht einmal jeder siebte Tarif erreicht die Bestnote
Die private Unfallversicherung bleibt für Versicherer ein profitables Geschäft. Bei der Qualität der Bedingungen zeigt sich dagegen ein deutlich heterogeneres Bild: Im aktuellen Rating von Franke und Bornberg erreicht nicht einmal jeder siebte untersuchte Tarif die Bestnote. Gleichzeitig wächst die Zahl der Anbieter, die mindestens ein Spitzenprodukt im Portfolio haben. Was hinter dieser gegenläufigen Entwicklung steckt.
Die Qualitätsunterschiede in der privaten Unfallversicherung bleiben groß. Im Unfallversicherungs-Rating 2026 von Franke und Bornberg erreichen lediglich 66 von 474 untersuchten Tarifen die Höchstbewertung FFF+ („hervorragend“). Das entspricht einem Anteil von 13,9 Prozent. Weitere 146 Tarife beziehungsweise 30,8 Prozent erhalten die Bewertung FFF („sehr gut“). Damit schafft es weniger als die Hälfte der untersuchten Angebote in eine der beiden höchsten Ratingklassen. Am anderen Ende der Skala erhalten 20,9 Prozent der Tarife die Note F+ oder schlechter. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Anteil allerdings verbessert: 2025 waren noch 25,5 Prozent der untersuchten Angebote in diesen Ratingklassen gelandet.
Weniger Anbieter im Rating – aber mehr mit Spitzentarif
Bemerkenswert ist die Entwicklung auf Anbieterebene. Franke und Bornberg untersucht 2026 insgesamt 474 Tarife von 86 Versicherern. Im Vorjahr waren es noch 486 Tarife von 93 Gesellschaften. Trotz des kleineren Untersuchungsfeldes wächst die Spitzengruppe: 28 der 86 untersuchten Versicherer verfügen inzwischen über mindestens einen Tarif mit der Bestnote FFF+. Im Vorjahr waren es 25 von 93 Gesellschaften. Damit bieten aktuell knapp 33 Prozent der untersuchten Versicherer zumindest einen hervorragend bewerteten Tarif an. 2025 waren es knapp 27 Prozent.
„Dass in diesem Jahr mehr Versicherer einen Tarif in der Spitzengruppe platzieren, obwohl der Markt insgesamt kleiner wird, zeigt: Qualität und Selektion schließen sich in der Unfallversicherung nicht aus“, sagt Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg.
Für Vermittler ist dabei die Unterscheidung zwischen Anbieter- und Tarifebene entscheidend: Dass mehr Gesellschaften mindestens ein Spitzenprodukt anbieten, bedeutet nicht, dass die Tariflandschaft insgesamt homogen geworden wäre. Mit 13,9 Prozent bleibt FFF+ auf Produktebene eine vergleichsweise seltene Bewertung.
Sofortleistung und Schmerzensgeld werden getrennt bewertet
Für den Ratingjahrgang 2026 verändert Franke und Bornberg die grundsätzliche Bewertungslogik nicht. Die seit dem Relaunch 2024 geltenden Grundlagen bleiben bestehen. An einer Stelle wird die Analyse jedoch feiner. Der bisher gemeinsame Untersuchungsbereich „Sofortleistungen und Schmerzensgeld“ wird in zwei eigenständige Bereiche aufgeteilt. Dadurch steigt die Zahl der Untersuchungsbereiche von 18 auf 19 und die Zahl der Detailkriterien von 62 auf 66. „Schmerzensgeld und Sofortleistungen bei Knochenbrüchen folgen einer unterschiedlichen Systematik. Mit der trennscharfen Bewertung beider Sachverhalte machen wir in diesem Leistungsbereich die zunehmenden Leistungsunterschiede deutlich“, erläutert Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Die Änderung ist damit weniger eine Verschärfung des gesamten Ratings als eine stärkere Differenzierung innerhalb eines Leistungsbereichs.
Bedingungen entscheiden – nicht Selbstauskünfte der Versicherer
Franke und Bornberg bewertet die Tarife ausschließlich anhand der Versicherungsbedingungen und verbindlichen Verbraucherinformationen. Selbstauskünfte der Versicherer werden nach Angaben des Analysehauses nicht berücksichtigt. Insgesamt fließen 19 Untersuchungsbereiche mit 66 Detailkriterien in die Bewertung ein. Maximal können 2.745 Punkte erreicht werden. Zusätzlich gelten Mindeststandards. Sie sollen verhindern, dass Schwächen bei besonders relevanten Leistungsmerkmalen durch gute Bewertungen in anderen Bereichen rechnerisch ausgeglichen werden. Dazu zählen beispielsweise Regelungen zum Mitwirkungsanteil von Krankheiten und Gebrechen sowie Leistungsausschlüsse bei Bewusstseinsstörungen. Seit dem Relaunch 2024 werden sämtliche untersuchten Unfalltarife nach einem einheitlichen Kriterienkatalog bewertet und nicht mehr unterschiedlichen Produktgruppen zugeordnet.
Profitable Sparte – unterschiedliche Produktqualität
Interessant wird das Rating im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation der Sparte. Nach vorläufigen Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft lag die Schaden-Kostenquote der privaten Unfallversicherung 2025 bei rund 75 Prozent und damit nahezu auf dem Vorjahresniveau von 75,1 Prozent. Eine Combined Ratio unter 100 Prozent bedeutet vereinfacht, dass Schaden- und Kostenaufwendungen unter den entsprechenden Beitragseinnahmen liegen. Die Kennzahl allein bildet allerdings nicht das vollständige versicherungstechnische oder wirtschaftliche Ergebnis eines Versicherers ab.
Für die private Unfallversicherung signalisiert der Wert dennoch eine komfortable Ausgangslage: Die Sparte arbeitet auf Marktebene mit deutlichem Abstand zur 100-Prozent-Marke.
Gerade deshalb ist der Kontrast zum Rating bemerkenswert. Eine wirtschaftlich ertragreiche Sparte führt nicht automatisch zu weitgehend einheitlich leistungsstarken Bedingungen. Während inzwischen mehr Versicherer mindestens einen Tarif in der Spitzengruppe anbieten, erreicht über alle untersuchten Produkte hinweg weiterhin nicht einmal jeder siebte Tarif die Höchstbewertung.
Tarifauswahl bleibt entscheidend
Das Rating zeigt damit zwei Entwicklungen gleichzeitig. Am unteren Ende nimmt der Anteil schwach bewerteter Tarife ab und mehr Versicherer schaffen es mit mindestens einem Angebot in die Spitzengruppe. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten bleiben dennoch erheblich. Für die Beratung bedeutet das: Der Name des Versicherers allein lässt noch keinen Rückschluss auf die Qualität eines konkreten Tarifs zu. Entscheidend bleiben die jeweiligen Versicherungsbedingungen und die Frage, welche Leistungsmerkmale für den individuellen Absicherungsbedarf relevant sind.
Dass knapp ein Drittel der untersuchten Versicherer mittlerweile mindestens einen FFF+-Tarif anbietet, während nur 13,9 Prozent aller untersuchten Tarife diese Bewertung erreichen, macht diesen Unterschied besonders deutlich.
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