Wohngebäudeversicherung: Immer mehr Tarife erreichen die Spitzenklasse
Die Qualität in der Wohngebäudeversicherung steigt: Im aktuellen ASCORE-Scoring erreichen 25 von 118 untersuchten Tarifen die höchste Bewertungsstufe – acht mehr als im Vorjahr. Doch bei einzelnen Leistungen bleiben die Unterschiede groß. Ein eher ungewöhnlicher Schaden zeigt besonders deutlich, wie weit die Tarife auseinanderliegen.
Der Markt für Wohngebäudeversicherungen verschiebt sich nach Einschätzung von ASCORE Analyse zunehmend in Richtung höherer Leistungsniveaus. Für den Scoring-Jahrgang 2026 untersuchte das Analysehaus 118 Tarife von 42 Gesellschaften. 25 Tarife erreichen mit sechs Kompassen die Bewertung „herausragend“. Im Vorjahr waren es 17.
Auch in der zweithöchsten Kategorie wächst das Angebot: 43 Tarife erhalten fünf Kompasse und damit die Bewertung „ausgezeichnet“, nach 38 im Vorjahr. Zusammengenommen erreichen damit 68 der 118 untersuchten Tarife eine der beiden höchsten Bewertungsstufen. Das entspricht knapp 58 Prozent.
Am unteren Ende des Scorings wird das Feld zugleich kleiner. Die Zahl der mit zwei oder drei Kompassen bewerteten Tarife sank von zusammen 29 auf 21. Nur noch ein Tarif erhält einen Kompass und damit die Bewertung „schwach“. Die Zahl der untersuchten Tarife blieb mit 118 gegenüber 117 im Vorjahr nahezu konstant.
Neue Technik verändert die Anforderungen
Für den Jahrgang 2026 hat ASCORE den Kriterienkatalog erweitert. Erstmals untersucht werden unter anderem mögliche Rabattsysteme bei Schadenfreiheit, Mietkosten für Heizgeräte bei einem Heizungsausfall sowie Schäden an fest verbauten Smart-Home-Anlagen und fest installierter Haustechnik. Darüber hinaus wurden die Benchmarks für bestehende Kriterien angehoben.
Dass moderne Gebäudetechnik inzwischen einen eigenen Blick verlangt, zeigt auch die ausführliche Scoring-Dokumentation. Dort werden beispielsweise Photovoltaik- und Solarthermieanlagen, Wärmepumpen, Geothermieanlagen sowie Vandalismusschäden an Balkonkraftwerken und Wallboxen berücksichtigt.
Beim Spechtschaden trennt sich das Feld
Doch nicht nur neue Technik sorgt für Unterschiede zwischen den Tarifen. Ein deutlich bodenständigeres Risiko zeigt, wie verschieden der Leistungsumfang weiterhin ausfallen kann: Spechtschäden. ASCORE berücksichtigt 2026 erstmals die Kosten für die Beseitigung von Spechtschlägen. Lediglich 28 der 118 untersuchten Tarife bieten dafür nach Angaben des Analysehauses Versicherungsschutz. Christina Frese, Versicherungsanalystin Komposit bei ASCORE Analyse, ordnet die Ergebnisse so ein:
„Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Markt bei vielen Tarifen in Richtung höherer Leistungsniveaus entwickelt. Gleichzeitig lohnt sich weiterhin ein genauer Blick in die Versicherungsbedingungen, insbesondere bei neuen technischen Risiken und zusätzlichen Leistungen“, sagt Christina Frese. „So versichern nur 28 der 118 untersuchten Tarife Schäden durch Spechtschläge. Dieses Beispiel macht deutlich, wie stark sich der Leistungsumfang einzelner Tarife unterscheiden kann.“
Damit zeigt das Scoring zugleich die Grenzen einer Betrachtung allein nach Gesamtnoten: Eine insgesamt hohe Bewertung bedeutet nicht, dass einzelne, für den jeweiligen Gebäudeeigentümer relevante Leistungen automatisch eingeschlossen sind.
54 Kriterien fließen in die Bewertung ein
Das ASCORE-Scoring umfasst 2026 insgesamt 54 bewertungsrelevante Kriterien. Hinzu kommen 68 sogenannte IR-Kriterien („Individual Research“), die zusätzliche Informationen für Produktvergleiche liefern, aber nicht unmittelbar in die Gesamtnote eingehen.
Die score-relevanten Kriterien verteilen sich auf acht Bereiche: Deckungsumfang, Versicherungsort und -kosten, Gebäude und Grundstück, nachhaltige Energie, Feuer, Blitz und Strom, Leitungswasser, Elementarschäden sowie sonstige Leistungen. Grundlage sind die jeweils aktuellen Versicherungsbedingungen sowie Annahme- und Verkaufsrichtlinien. Für jedes erfüllte Kriterium wird ein Punkt vergeben; eine Gewichtung einzelner Kriterien findet nicht statt.
Zu berücksichtigen ist, dass zum Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht sämtliche untersuchten Tarife von den jeweiligen Anbietern freigegeben waren. Nach Angaben von ASCORE kann sich die Verteilung der Kompasse deshalb noch geringfügig verändern.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Wohngebäudeversicherung: Allianz setzt auf Flexibilität und Selbstbehalte
Wohngebäudeversicherung: uniVersa erweitert Schutzkonzept
Wohngebäudeversicherung: VHV erweitert Schutz für Wärmepumpen und Smart-Home-Technik
Fahrradversicherung im Test: Nur 7 Tarife erreichen Höchstwertung
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Die besten Privathaftpflicht-Tarife für Familien 2026
Hausrat-Rating 2026: Jeder 5. Tarif fällt durch
Einbruchschäden auf Rekordniveau: Was moderne Hausratversicherungen leisten müssen
Sterbegeldversicherung gegen Einmalbeitrag: Für wen sich die Einmalzahlung lohnen kann
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.
















