Depotkosten im Vergleich: Bis zu 800 Euro Unterschied pro Jahr
Wer in Aktien oder ETFs investiert, achtet häufig auf Kursentwicklung und Rendite. Doch auch die Wahl des Depots kann erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt, wie weit die Kosten bei Banken und Brokern auseinanderliegen.
Neobroker dominieren den Kostenvergleich
Die Stiftung Warentest hat für ihre November-Ausgabe 2026 insgesamt 26 Depotangebote von 23 Direktbanken, Online- und Neobrokern sowie die Online- und Filialdepots von acht bundesweit tätigen Filialbanken untersucht. Grundlage waren vier Modellfälle, die vom monatlichen ETF-Sparplan über 50 Euro bis zum Wertpapierdepot mit 150.000 Euro Volumen reichten.
Das Ergebnis: Zwischen den günstigsten und teuersten Angeboten liegen bei einem Depot mit 50.000 Euro Bestand und zwölf Wertpapiertransaktionen jährlich mehr als 800 Euro. Besonders günstig schneiden erneut die Neobroker ab.
Für die untersuchten Modellfälle berechnen Finanzen.net Zero, Smartbroker+, Tradegate.direct, Traders Place und der erstmals berücksichtigte Anbieter Trading 212 weder Order- noch Verwahrgebühren. Weitere Anbieter verlangen am jeweils günstigsten Handelsplatz höchstens einen Euro je Order.
Filialbanken verlangen teilweise mehrere Hundert Euro
Deutlich höhere Kosten entstehen dagegen häufig bei klassischen Filialbanken. So können bei der Deutschen Bank für die untersuchten Depotmodelle Ordergebühren von bis zu 122 Euro anfallen. Bei einem Depotvolumen von 150.000 Euro und vier jährlichen Transaktionen summieren sich die Kosten auf 548 Euro. Davon entfallen allein 180 Euro auf die Verwahrung der Wertpapiere.
Auch bei ETF-Sparplänen zeigen sich Unterschiede. Für die monatliche Ausführung eines Sparplans über 50 Euro fallen beim Klassikdepot der Commerzbank jährlich 36 Euro an, bei der BBBank sind es zwölf Euro. Die Postbank verzichtet dagegen derzeit auf die regulär vorgesehenen Ausführungsgebühren.
Neue Regeln verändern das Geschäftsmodell der Neobroker
Die günstigen Konditionen vieler Neobroker stehen allerdings vor einer Bewährungsprobe. Seit dem 1. Juli 2026 ist das sogenannte Payment for Order Flow (PFOF) in der Europäischen Union verboten. Dabei erhielten Broker bislang Rückvergütungen dafür, dass sie Wertpapieraufträge an bestimmte Handelspartner weiterleiteten.
Mit dem Wegfall dieser Einnahmequelle müssen die Anbieter ihre Geschäftsmodelle anpassen. Dennoch hat sich die Zahl besonders günstiger Depotangebote laut Stiftung Warentest gegenüber dem Vorjahr vergrößert.
Nicht allein die Ordergebühren entscheiden
Die Untersuchung verdeutlicht zugleich, dass niedrige Handelsgebühren nicht automatisch das beste Depot für jeden Anleger bedeuten. Entscheidend sind neben den Verwahrkosten insbesondere die Häufigkeit der Transaktionen, die verfügbaren Handelsplätze und das angebotene Wertpapierspektrum.
Während Neobroker häufig eine eingeschränkte Auswahl an Handelsplätzen bieten, ermöglichen Direkt- und Filialbanken meist einen breiteren Zugang zum Wertpapierhandel. Wer persönliche Beratung benötigt, findet diese in der Regel eher bei einer Filialbank.
Auch zeitlich befristete Sonderkonditionen sollten nicht den Ausschlag für einen Depotwechsel geben. Maßgeblich sind vielmehr die dauerhaft geltenden Gebühren und die Frage, ob das Angebot zum individuellen Anlageverhalten passt.
Quelle: Stiftung Warentest Finanzen, Ausgabe 11/2026, „Achtung, Depot-Falle! So viel kostet Sie Ihr Broker“, S. 22–29.
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