Krankheitskosten steigen um 7,6 Prozent – mehr als die Hälfte entfällt auf Ältere

Veröffentlichung: 08.10.2026, 15:10 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Die Krankheitskosten in Deutschland sind 2024 auf 528,5 Milliarden Euro gestiegen. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf Menschen ab 65 Jahren. Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, welche Erkrankungen besonders hohe Kosten verursachen – und warum die demografische Entwicklung für Kranken- und Pflegeversicherung zunehmend zum finanziellen Faktor wird.

(PDF)
Die heute veröffentlichte Statistik zeigt, dass Krankheiten und Gesundheitsprobleme im Jahr 2024 direkte Kosten von 528,5 Milliarden Euro verursacht haben, 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Bemerkenswert ist vor allem die Altersverteilung: 53,8 Prozent dieser Kosten entfallen auf Menschen ab 65 Jahren.Die heute veröffentlichte Statistik zeigt, dass Krankheiten und Gesundheitsprobleme im Jahr 2024 direkte Kosten von 528,5 Milliarden Euro verursacht haben, 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Bemerkenswert ist vor allem die Altersverteilung: 53,8 Prozent dieser Kosten entfallen auf Menschen ab 65 Jahren.Experten/KI

Die Behandlung, Pflege und Rehabilitation kranker Menschen hat in Deutschland 2024 direkte Kosten von 528,5 Milliarden Euro verursacht. Nach den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren das 37,5 Milliarden Euro beziehungsweise 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Pro Einwohner lagen die rechnerischen Krankheitskosten damit bei durchschnittlich 6.330 Euro.

Hinter diesem Durchschnitt verbirgt sich allerdings eine erhebliche Ungleichverteilung. Während bei den 15- bis 29-Jährigen im Schnitt 2.390 Euro anfielen, lagen die Kosten bei Menschen ab 85 Jahren bereits bei 30.150 Euro pro Kopf. Insgesamt entfielen 284,3 Milliarden Euro und damit 53,8 Prozent der gesamten Krankheitskosten auf die Bevölkerung ab 65 Jahren.

Alter ist der größte Kostentreiber

Die Zahlen zeigen damit recht deutlich, wie eng Gesundheitsausgaben und Altersstruktur miteinander verbunden sind. Je älter die Bevölkerung wird, desto häufiger treten chronische Erkrankungen, Mehrfachdiagnosen und längere Behandlungsverläufe auf. Hinzu kommen Pflegebedürftigkeit, Rehabilitationsmaßnahmen und ein insgesamt höherer medizinischer Betreuungsbedarf.

Das ist zunächst keine überraschende Erkenntnis. Politisch relevant wird sie dort, wo die demografische Entwicklung auf ein umlagefinanziertes System trifft. In der gesetzlichen Krankenversicherung und in der sozialen Pflegeversicherung werden laufende Leistungen im Wesentlichen aus den aktuellen Beiträgen finanziert. Wenn der Anteil älterer Menschen wächst und gleichzeitig die Zahl der Erwerbstätigen langsamer zunimmt oder sinkt, verschiebt sich dieses Verhältnis.

Die Krankheitskostenrechnung beantwortet zwar nicht die Frage, wer diese Ausgaben künftig finanziert. Sie zeigt aber, welche Größenordnung hinter der Debatte steht.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Leiden kosten besonders viel

Den größten Anteil an den Krankheitskosten hatten Erkrankungen des Kreislaufsystems mit 69,4 Milliarden Euro. Unmittelbar dahinter folgten psychische und Verhaltensstörungen mit 68,7 Milliarden Euro. Dazu zählen auch Demenzerkrankungen, deren Bedeutung mit zunehmendem Alter der Bevölkerung weiter steigen dürfte.

Zusammen verursachten diese beiden Krankheitsgruppen mehr als ein Viertel der gesamten Kosten. Ebenfalls stark ins Gewicht fallen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, des Verdauungssystems sowie Krebserkrankungen.

Auffällig ist dabei, dass hohe Krankheitskosten längst nicht nur aus akuten medizinischen Eingriffen entstehen. Ein erheblicher Teil entfällt auf langwierige, chronische oder pflegeintensive Erkrankungen, deren Behandlung sich über Jahre hinzieht.

Für Versicherer und Leistungsträger bedeutet das: Nicht einzelne Kostenblöcke sind das Problem, sondern die Dauerhaftigkeit bestimmter Belastungen.

Was die Zahlen für GKV und PKV bedeuten

Für die gesetzliche Krankenversicherung verschärft sich damit eine Entwicklung, die bereits seit Jahren sichtbar ist. Steigende Leistungsausgaben treffen auf eine Finanzierung, die stark von Löhnen und Beschäftigung abhängt. Wachsen die Gesundheitskosten schneller als die beitragspflichtigen Einkommen, steigt der Druck auf Beitragssätze und Bundeszuschüsse.

Für die private Krankenversicherung ist die Mechanik eine andere. Beiträge werden individuell kalkuliert, Altersrückstellungen sollen steigende Krankheitskosten im höheren Lebensalter abfedern. Die langfristige Kostenentwicklung bleibt jedoch auch für die PKV relevant, weil medizinischer Fortschritt, höhere Behandlungspreise und längere Leistungsdauern in die Kalkulation einfließen.

Die neuen Destatis-Zahlen liefern deshalb für beide Systeme denselben Befund, wenn auch mit unterschiedlicher Wirkung: Gesundheitskosten steigen nicht nur wegen höherer Preise, sondern auch wegen der Altersstruktur der Bevölkerung.

Pflegeversicherung gerät zusätzlich unter Druck

Noch unmittelbarer ist der Zusammenhang bei der Pflegeversicherung. Mit steigendem Lebensalter nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, pflegebedürftig zu werden. Die hohen Krankheitskosten in den ältesten Altersgruppen deuten deshalb auf einen finanziellen Druck hin, der sich nicht allein im Gesundheitssystem zeigt.

Krankenversicherung, Pflegeversicherung und kommunale Sozialausgaben lassen sich an dieser Stelle kaum noch getrennt betrachten. Wer über die Finanzierung des einen Systems spricht, kommt am anderen nicht vorbei.

Die Statistik zeigt damit vor allem eines: Der demografische Wandel ist keine abstrakte Zukunftsfrage. Er schlägt sich bereits heute in konkreten Gesundheitskosten nieder.

Wie diese Kosten künftig verteilt werden, bleibt eine politische Entscheidung. Die Zahlen aus dem Jahr 2024 machen jedoch deutlich, dass die Spielräume nicht größer werden.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

„Der Faktor Arbeit wird noch teurer“, warnt Thomas Brahm, Vorsitzender des Verbands der Privaten Krankenversicherung„Der Faktor Arbeit wird noch teurer“, warnt Thomas Brahm, Vorsitzender des Verbands der Privaten KrankenversicherungPKV-Verband
Krankenversicherung

Wahlfreiheit oder Finanzierungslogik? Streit um den Zugang zur PKV spitzt sich zu

Die Bundesregierung will die Hürden für einen Wechsel von Angestellten in die Private Krankenversicherung deutlich anheben. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des PKV-Verbandes zeigt jedoch, dass die Mehrheit der Bevölkerung Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung befürwortet. Hinter der Debatte steht eine grundsätzliche Frage: Soll das Gesundheitssystem künftig stärker auf Wettbewerb oder auf eine Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung durch höhere Beitragseinnahmen setzen?
Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner WillAssekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner WillAssekurata
Krankenversicherung

PKV: Steigende Gesundheitskosten werden zur Belastungsprobe

Die private Krankenversicherung wächst weiter – doch gleichzeitig steigen die Leistungsausgaben in rasantem Tempo. Der aktuelle Marktausblick von Assekurata zeigt: Die Branche profitiert zwar von Rekordbeiträgen, zunehmenden Wechseln aus der GKV und dem Boom der betrieblichen Krankenversicherung. Gleichzeitig geraten Profitabilität, Beitragsstabilität und Prozesse immer stärker unter Druck.
Leeres Krankenhausbett steht für die strukturellen Herausforderungen und Finanzierungslücken in der gesetzlichen Krankenversicherung bis 2035.Leeres Krankenhausbett steht für die strukturellen Herausforderungen und Finanzierungslücken in der gesetzlichen Krankenversicherung bis 2035.Adobe
Gesundheitsvorsorge

2027: 11,8 Milliarden Euro fehlen – DAK fordert Stufenplan

Laut IGES-Projektion steuert die GKV 2027 auf ein strukturelles Defizit von 11,8 Mrd. Euro zu. DAK-Chef Andreas Storm fordert einen dreistufigen Stabilitätspakt für nachhaltige Beitragsfinanzierung.
Zum Semesterstart müssen sich viele Studierende entscheiden: gesetzliche oder private Krankenversicherung?Zum Semesterstart müssen sich viele Studierende entscheiden: gesetzliche oder private Krankenversicherung?Adobe
Gesundheitsvorsorge

Krankenversicherung zum Semesterstart: Was Studierende jetzt wissen müssen

Zum Semesterstart müssen sich viele Studierende entscheiden: gesetzliche oder private Krankenversicherung? Der Überblick zeigt, wer sich wie versichern kann, worauf privat Versicherte achten müssen – und welche Vorteile PKV-Tarife für junge Menschen bieten.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

Beihilfe im Wandel
Ausgabe 10/26

Beihilfe im Wandel

Dr. Günther Blaich, Dr. Gerd Sautter und Fabian Ober - INTER
"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht