Pflege im Alter: Fast jeder Zweite bevorzugt betreutes Wohnen

Veröffentlichung: 15.10.2026, 06:10 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die größte Sorge vor einer Pflegebedürftigkeit gilt nicht den Kosten, sondern dem Verlust der Selbstständigkeit. Gleichzeitig bevorzugt fast jeder zweite Erwachsene betreutes Wohnen gegenüber der Pflege durch Angehörige oder einem Pflegeheim. Eine aktuelle Befragung zeigt, wie sich die Vorstellungen vom Leben mit Unterstützungsbedarf verschieben.

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Betreutes Wohnen ist für viele Menschen die bevorzugte Wohnform im Pflegefall. In einer YouGov-Befragung im Auftrag von Swiss Life Deutschland entscheiden sich 47 Prozent dafür – deutlich mehr als für die Pflege durch Angehörige oder ein Pflegeheim.Betreutes Wohnen ist für viele Menschen die bevorzugte Wohnform im Pflegefall. In einer YouGov-Befragung im Auftrag von Swiss Life Deutschland entscheiden sich 47 Prozent dafür – deutlich mehr als für die Pflege durch Angehörige oder ein Pflegeheim.Redaktion experten.de / KI-generiert

Wenn Menschen über eine mögliche Pflegebedürftigkeit nachdenken, steht die finanzielle Belastung nicht an erster Stelle. 69 Prozent der Erwachsenen nennen die Abhängigkeit von anderen als größte Sorge. Eine persönliche finanzielle Belastung beschäftigt 47 Prozent, körperliche Schmerzen 38 Prozent. Das zeigt eine repräsentative Onlinebefragung, die YouGov im Auftrag von Swiss Life Deutschland durchgeführt hat. Befragt wurden 2.015 Erwachsene. Die Ergebnisse zeichnen damit zunächst ein deutliches Bild: Auch für den Pflegefall möchten viele Menschen möglichst viel Selbstständigkeit bewahren. Das zeigt sich besonders bei der Frage, wie sie im Fall eigener Pflegebedürftigkeit leben möchten.

47 Prozent wünschen sich betreutes Wohnen

Fast die Hälfte der Befragten – 47 Prozent – bevorzugt betreutes Wohnen, bei dem bei Bedarf Unterstützung durch Dritte zur Verfügung steht. Deutlich weniger Befragte wünschen sich die Pflege durch Angehörige im eigenen Zuhause. Diese Variante nennen 24 Prozent. Für ein Pflegeheim entscheiden sich in der Befragung 14 Prozent. Damit liegt das betreute Wohnen deutlich vor zwei Versorgungsformen, die die öffentliche Diskussion über Pflege häufig prägen: der Betreuung innerhalb der Familie und der vollstationären Versorgung.
„Beim Thema Pflege sind die Wünsche so individuell wie die Menschen selbst“, sagt Stefan Holzer, Mitglied des Vorstands von Swiss Life Deutschland und Leiter Market Management Versicherung. Um sich die Wahlfreiheit darüber zu erhalten, wo und wie Pflege stattfinde, brauche es nach seiner Einschätzung auch eine entsprechende finanzielle Grundlage.

Pflege durch Angehörige ist nicht das bevorzugte Modell

Der Befund zum betreuten Wohnen ist auch deshalb bemerkenswert, weil Pflege für viele Befragte keineswegs ein abstraktes Thema ist. 59 Prozent haben bereits persönliche Erfahrungen mit Pflegebedürftigkeit gesammelt. 36 Prozent kennen entsprechende Fälle aus ihrem Umfeld, 23 Prozent haben selbst einen Angehörigen gepflegt. Trotzdem nennen nur 24 Prozent die Pflege durch Angehörige zu Hause als bevorzugte Lösung für die eigene mögliche Pflegebedürftigkeit. Aus den Ergebnissen lässt sich nicht ablesen, warum sich die Befragten für die jeweilige Wohn- und Versorgungsform entscheiden. Sie zeigen jedoch, dass der Wunsch nach Unterstützung offenbar nicht zwangsläufig mit dem Wunsch verbunden ist, die eigene Versorgung vollständig auf Angehörige zu übertragen.

Selbstbestimmung wird auch zur finanziellen Frage

Damit berühren die Vorstellungen vom Wohnen im Pflegefall unmittelbar die Frage der Finanzierung. Wer zwischen verschiedenen Wohn- und Versorgungsformen wählen möchte, benötigt dafür entsprechenden finanziellen Spielraum. Genau an diesem Punkt trifft das Wunschbild auf die Ergebnisse zur eigenen Absicherung. 67 Prozent der Befragten fühlen sich für den Fall einer Pflegebedürftigkeit finanziell schlecht oder sehr schlecht vorbereitet. Lediglich neun Prozent geben an, eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen zu haben.
Die geringe Verbreitung einer solchen Versicherung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass keine andere finanzielle Vorsorge besteht. Die Befragung macht vielmehr eine grundsätzlichere Spannung sichtbar: Der Wunsch nach möglichst großer Selbstbestimmung im Pflegefall ist stark ausgeprägt – gleichzeitig hält eine deutliche Mehrheit die eigene finanzielle Absicherung dafür für unzureichend.
Pflegevorsorge betrifft damit nicht allein die Frage, wie mögliche Kosten bezahlt werden. Sie entscheidet auch darüber mit, welche Wahlmöglichkeiten Menschen behalten, wenn sie ihren Alltag nicht mehr vollständig allein bewältigen können.

Über die Befragung
YouGov befragte im Auftrag von Swiss Life Deutschland vom 9. bis 11. September 2026 insgesamt 2.015 Mitglieder des eigenen Panels online. Die Erhebung ist nach Angaben des Auftraggebers repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren und wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert.

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