Pflegevorsorge: Zwei Drittel fühlen sich finanziell schlecht abgesichert
Pflegebedürftigkeit ist für viele Menschen keine abstrakte Gefahr: 59 Prozent haben bereits Erfahrungen damit gesammelt. Trotzdem fühlen sich zwei Drittel für den eigenen Pflegefall finanziell schlecht abgesichert. Eine YouGov-Befragung für Swiss Life zeigt noch eine weitere Lücke – diesmal in der Beratung.
Pflegebedürftigkeit gehört für einen großen Teil der Bevölkerung bereits zur persönlichen Lebenswirklichkeit. 59 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben nach einer aktuellen Befragung Erfahrungen mit dem Thema gesammelt. 36 Prozent kennen Pflegebedürftigkeit aus ihrem persönlichen Umfeld, weitere 23 Prozent haben selbst bereits einen Angehörigen gepflegt. Dennoch fühlt sich eine deutliche Mehrheit finanziell nur unzureichend auf einen eigenen Pflegefall vorbereitet. 67 Prozent bewerten ihre Absicherung als schlecht oder sehr schlecht. 28 Prozent bezeichnen sie sogar als sehr schlecht. Das geht aus einer repräsentativen Onlinebefragung hervor, die YouGov im Auftrag von Swiss Life Deutschland durchgeführt hat.
Nur neun Prozent haben eine Pflegezusatzversicherung
An fehlendem Bewusstsein für mögliche finanzielle Belastungen scheint die Vorsorgelücke zumindest nicht allein zu liegen. 41 Prozent der Befragten veranschlagen den monatlichen Eigenanteil im Pflegefall auf 3.000 Euro oder mehr. Trotzdem geben lediglich neun Prozent an, eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen zu haben. 57 Prozent der Befragten ohne entsprechenden Schutz sehen derzeit keine Notwendigkeit dafür. 56 Prozent verlassen sich nach Angaben von Swiss Life auf die gesetzliche Pflegeversicherung und Sozialleistungen.
Aus der geringen Verbreitung einer Pflegezusatzversicherung lässt sich allerdings nicht schließen, dass die übrigen Befragten überhaupt keine finanzielle Vorsorge für einen möglichen Pflegefall getroffen haben. Die Untersuchung erfasst an dieser Stelle konkret den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung.
61 Prozent wurden noch nie auf Pflegevorsorge angesprochen
Bemerkenswert ist deshalb ein weiterer Befund der Untersuchung. 61 Prozent der Befragten ohne Pflegezusatzversicherung geben an, bislang weder von ihrer Bank noch von einem Versicherungsvermittler auf das Thema Pflegevorsorge angesprochen worden zu sein. Weitere 23 Prozent haben nach eigener Aussage keinen festen Ansprechpartner für Finanzfragen.
Swiss Life sieht darin erhebliches Beratungspotenzial. „Die Studie macht deutlich: Millionen Menschen in Deutschland sind beim Thema Pflegevorsorge noch ohne professionelle Beratung – obwohl der Bedarf längst da ist“, sagt Stefan Holzer, Mitglied des Vorstands von Swiss Life Deutschland und Leiter Market Management Versicherung.
Die Befragung selbst geht allerdings nicht so weit: Dass Menschen bislang nicht auf eine Pflegezusatzversicherung angesprochen wurden, bedeutet nicht automatisch, dass sie eine Beratung wünschen oder benötigen. Die Zahlen zeigen zunächst, dass das Thema bei einem erheblichen Teil der Menschen ohne entsprechenden Versicherungsschutz im Kontakt mit Banken oder Vermittlern offenbar noch keine Rolle gespielt hat.
Pflegeerfahrung kann Vorsorgeentscheidung beeinflussen
Persönliche Erfahrungen scheinen dabei zumindest für einen Teil der Versicherten eine Rolle zu spielen. Von den Befragten, die eine Pflegezusatzversicherung besitzen und zugleich Pflegebedürftigkeit im persönlichen Umfeld erlebt haben, geben 45 Prozent an, dass diese Erfahrung ihre Entscheidung für den Abschluss beeinflusst habe.
Auch daraus lässt sich nicht ableiten, dass Pflegeerfahrung zwangsläufig zu zusätzlicher Vorsorge führt. Schließlich haben zahlreiche Befragte Pflege im eigenen Umfeld erlebt, ohne eine entsprechende Versicherung abzuschließen.
Die Ergebnisse weisen vielmehr auf eine auffällige Konstellation hin: Das Risiko ist vielen Menschen aus eigener Anschauung bekannt, die finanzielle Absicherung wird häufig als unzureichend eingeschätzt – trotzdem bleibt privater Zusatzschutz wenig verbreitet. Ob dahinter fehlende Beratung, bewusste Entscheidungen gegen eine Versicherung, finanzielle Gründe oder andere Formen der Vorsorge stehen, lässt sich aus den veröffentlichten Befragungsergebnissen nicht bestimmen.
Über die Befragung
YouGov befragte im Auftrag von Swiss Life Deutschland vom 9. bis 11. September 2026 insgesamt 2.015 Mitglieder des eigenen Panels online. Die Ergebnisse sind nach Angaben des Auftraggebers repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren und wurden nach Alter, Geschlecht und Region quotiert.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Pflegebeitrag bis 2,3 Prozent: Was am neuen Generationenvertrag wirklich neu ist
Pflege wird zum Kostentreiber im Gesundheitssystem
Wenn Pflege plötzlich zum Thema wird, ist es meist zu spät
Das kostet die private Absicherung des Pflegerisikos
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Pflege hängt bei Digitalisierung hinterher
Eigenanteile in Pflegeheimen steigen weiter – das Finanzierungsmodell gerät an seine Grenzen
Pflegereform 2026: Sanierung statt Systemwechsel
Pflege zu Hause: Millionen Angehörige geraten zwischen Belastung, Beruf und Kostenfalle
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

















