Pflegevorsorge: Zwei Drittel fühlen sich finanziell schlecht abgesichert

Veröffentlichung: 07.10.2026, 10:10 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Pflegebedürftigkeit ist für viele Menschen keine abstrakte Gefahr: 59 Prozent haben bereits Erfahrungen damit gesammelt. Trotzdem fühlen sich zwei Drittel für den eigenen Pflegefall finanziell schlecht abgesichert. Eine YouGov-Befragung für Swiss Life zeigt noch eine weitere Lücke – diesmal in der Beratung.

(PDF)
Stefan Holzer, Mitglied des Vorstands von Swiss Life Deutschland und Leiter Market Management VersicherungStefan Holzer, Mitglied des Vorstands von Swiss Life Deutschland und Leiter Market Management VersicherungSwiss Life

Pflegebedürftigkeit gehört für einen großen Teil der Bevölkerung bereits zur persönlichen Lebenswirklichkeit. 59 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben nach einer aktuellen Befragung Erfahrungen mit dem Thema gesammelt. 36 Prozent kennen Pflegebedürftigkeit aus ihrem persönlichen Umfeld, weitere 23 Prozent haben selbst bereits einen Angehörigen gepflegt. Dennoch fühlt sich eine deutliche Mehrheit finanziell nur unzureichend auf einen eigenen Pflegefall vorbereitet. 67 Prozent bewerten ihre Absicherung als schlecht oder sehr schlecht. 28 Prozent bezeichnen sie sogar als sehr schlecht. Das geht aus einer repräsentativen Onlinebefragung hervor, die YouGov im Auftrag von Swiss Life Deutschland durchgeführt hat.

Nur neun Prozent haben eine Pflegezusatzversicherung

An fehlendem Bewusstsein für mögliche finanzielle Belastungen scheint die Vorsorgelücke zumindest nicht allein zu liegen. 41 Prozent der Befragten veranschlagen den monatlichen Eigenanteil im Pflegefall auf 3.000 Euro oder mehr. Trotzdem geben lediglich neun Prozent an, eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen zu haben. 57 Prozent der Befragten ohne entsprechenden Schutz sehen derzeit keine Notwendigkeit dafür. 56 Prozent verlassen sich nach Angaben von Swiss Life auf die gesetzliche Pflegeversicherung und Sozialleistungen.
Aus der geringen Verbreitung einer Pflegezusatzversicherung lässt sich allerdings nicht schließen, dass die übrigen Befragten überhaupt keine finanzielle Vorsorge für einen möglichen Pflegefall getroffen haben. Die Untersuchung erfasst an dieser Stelle konkret den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung.

61 Prozent wurden noch nie auf Pflegevorsorge angesprochen

Bemerkenswert ist deshalb ein weiterer Befund der Untersuchung. 61 Prozent der Befragten ohne Pflegezusatzversicherung geben an, bislang weder von ihrer Bank noch von einem Versicherungsvermittler auf das Thema Pflegevorsorge angesprochen worden zu sein. Weitere 23 Prozent haben nach eigener Aussage keinen festen Ansprechpartner für Finanzfragen.
Swiss Life sieht darin erhebliches Beratungspotenzial. „Die Studie macht deutlich: Millionen Menschen in Deutschland sind beim Thema Pflegevorsorge noch ohne professionelle Beratung – obwohl der Bedarf längst da ist“, sagt Stefan Holzer, Mitglied des Vorstands von Swiss Life Deutschland und Leiter Market Management Versicherung.
Die Befragung selbst geht allerdings nicht so weit: Dass Menschen bislang nicht auf eine Pflegezusatzversicherung angesprochen wurden, bedeutet nicht automatisch, dass sie eine Beratung wünschen oder benötigen. Die Zahlen zeigen zunächst, dass das Thema bei einem erheblichen Teil der Menschen ohne entsprechenden Versicherungsschutz im Kontakt mit Banken oder Vermittlern offenbar noch keine Rolle gespielt hat.

Pflegeerfahrung kann Vorsorgeentscheidung beeinflussen

Persönliche Erfahrungen scheinen dabei zumindest für einen Teil der Versicherten eine Rolle zu spielen. Von den Befragten, die eine Pflegezusatzversicherung besitzen und zugleich Pflegebedürftigkeit im persönlichen Umfeld erlebt haben, geben 45 Prozent an, dass diese Erfahrung ihre Entscheidung für den Abschluss beeinflusst habe.
Auch daraus lässt sich nicht ableiten, dass Pflegeerfahrung zwangsläufig zu zusätzlicher Vorsorge führt. Schließlich haben zahlreiche Befragte Pflege im eigenen Umfeld erlebt, ohne eine entsprechende Versicherung abzuschließen.
Die Ergebnisse weisen vielmehr auf eine auffällige Konstellation hin: Das Risiko ist vielen Menschen aus eigener Anschauung bekannt, die finanzielle Absicherung wird häufig als unzureichend eingeschätzt – trotzdem bleibt privater Zusatzschutz wenig verbreitet. Ob dahinter fehlende Beratung, bewusste Entscheidungen gegen eine Versicherung, finanzielle Gründe oder andere Formen der Vorsorge stehen, lässt sich aus den veröffentlichten Befragungsergebnissen nicht bestimmen.

Über die Befragung
YouGov befragte im Auftrag von Swiss Life Deutschland vom 9. bis 11. September 2026 insgesamt 2.015 Mitglieder des eigenen Panels online. Die Ergebnisse sind nach Angaben des Auftraggebers repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren und wurden nach Alter, Geschlecht und Region quotiert.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

PKV-Verbandsdirektor Florian ReutherPKV-Verbandsdirektor Florian ReutherPKV-Verband
Pflege

Pflegebeitrag bis 2,3 Prozent: Was am neuen Generationenvertrag wirklich neu ist

Der PKV-Verband legt seinen „Neuen Generationenvertrag für die Pflege“ erneut vor – diesmal mit konkreteren Folgen für Beitragssatz, Leistungen und Eigenvorsorge. Die Grundidee ist bekannt: Jüngere sollen stärker kapitalgedeckt vorsorgen. Neu ist, wie weit die Soziale Pflegeversicherung künftig aus der Finanzierung steigender Pflegekosten herausgenommen werden könnte.
Steigende Pflegeausgaben verschieben die Gewichte im Gesundheitssystem – und erhöhen den finanziellen Druck auf Versicherte und Sozialversicherung.Steigende Pflegeausgaben verschieben die Gewichte im Gesundheitssystem – und erhöhen den finanziellen Druck auf Versicherte und Sozialversicherung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Pflege

Pflege wird zum Kostentreiber im Gesundheitssystem

Die Ausgaben für pflegerische Leistungen steigen deutlich schneller als die Gesundheitsausgaben insgesamt. Aktuelle Zahlen zeigen, wie stark sich die Gewichte im System verschieben – und warum die Pflegefinanzierung zur zentralen Strukturfrage wird.
Leonie Pfennig, Spezialistin für Pflegeversicherungen bei arunaLeonie Pfennig, Spezialistin für Pflegeversicherungen bei aruna
Pflege versichert

Wenn Pflege plötzlich zum Thema wird, ist es meist zu spät

Pflegebedürftigkeit trifft Familien oft unvorbereitet – mit gravierenden finanziellen Folgen. Leonie Pfennig, Spezialistin für Pflegeversicherungen bei aruna, zeigt im Gastbeitrag, warum rechtzeitige Vorsorge kein Zusatzthema, sondern ein zentraler Baustein jeder Finanz- und Ruhestandsplanung ist. Der Text erschein zuerst im expertenReport 10/25.
Sick senior woman lies in a hospital bed and reads a bookSick senior woman lies in a hospital bed and reads a bookPhotographee.eu – stock.adobe.com
Pflege versichert

Das kostet die private Absicherung des Pflegerisikos

In der PKV existieren individuell bedarfsgerechte Pflegezusatz-Versicherungsprodukte, mit denen zu bezahlbaren Preisen eine Vollabsicherung für den Pflegefall möglich ist. Assekurata untersucht die verschiedenen Lösungen und gibt Tipps, worauf beim Abschluss geachtet werden sollte.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

Beihilfe im Wandel
Ausgabe 10/26

Beihilfe im Wandel

Dr. Günther Blaich, Dr. Gerd Sautter und Fabian Ober - INTER
"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht