Bundesgesundheitsminister Carsten LinnemannBundesgesundheitsminister Carsten LinnemannTobias Koch

Rentenbeiträge für pflegende Angehörige: Linnemann will Kürzung stoppen

Veröffentlichung: 24.08.2026, 10:08 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die geplante Kürzung der Rentenansprüche pflegender Angehöriger steht wieder zur Disposition. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann will den Sparplan seiner Vorgängerin korrigieren und die Rentenpunkte erhalten. Der PKV-Verband begrüßt den Vorstoß – verbindet ihn allerdings mit einer grundsätzlichen Forderung zur Finanzierung.

(PDF)

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann will die geplanten Einsparungen bei den Rentenansprüchen pflegender Angehöriger möglichst verhindern. Das kündigte der CDU-Politiker am Wochenende in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ an. „Ich möchte bei pflegenden Angehörigen, bei der Rente, nicht sparen“, erklärte Linnemann. Er werde versuchen, den entsprechenden Punkt der bisherigen Planungen zu korrigieren, sodass es keine Abstriche gebe und die Rentenpunkte erhalten blieben. Damit stellt der neue Gesundheitsminister einen Teil der bisherigen Reformplanung seiner Amtsvorgängerin Nina Warken infrage.

Rentenbeiträge sollten auf 70 Prozent sinken

Hintergrund sind die erheblichen Finanzprobleme der sozialen Pflegeversicherung. Ohne Reform könnte deren Defizit nach jüngsten Schätzungen der Bundesregierung 2027 auf mehr als 7,6 Milliarden Euro und 2028 bereits auf mehr als 15 Milliarden Euro anwachsen. Der bisherige Entwurf zur Stabilisierung der Pflegeversicherung sieht deshalb Ausgabenbremsen und zusätzliche Einnahmen vor. Dazu gehört auch eine Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für Menschen, die Angehörige pflegen. Unter bestimmten Voraussetzungen zahlt die Pflegeversicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung. Nach den bisherigen Plänen sollten künftig nur noch 70 Prozent der entsprechenden Beiträge gezahlt werden. Die dadurch vorgesehenen Einsparungen werden auf rund 1,8 Milliarden Euro beziffert.
Linnemann hält diesen Ansatz inzwischen für falsch. Würden die Kürzungen nicht umgesetzt, müsse innerhalb der Koalition allerdings eine Gegenfinanzierung gefunden werden.

Millionen Pflegebedürftige werden von Angehörigen versorgt

Die politische Auseinandersetzung betrifft eine tragende Säule des deutschen Pflegesystems. Nach den jüngsten verfügbaren Daten des Statistischen Bundesamtes waren Ende 2023 rund 5,69 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Davon wurden 4,89 Millionen beziehungsweise 86 Prozent zu Hause versorgt. Rund 3,8 Millionen Pflegebedürftige – etwa zwei Drittel aller Pflegebedürftigen in Deutschland – wurden zu Hause überwiegend durch Angehörige betreut.
Welche Belastungen diese häusliche Versorgung für Angehörige mit sich bringt, hatte Experten.de bereits ausführlich beleuchtet. Neben der Pflege selbst geraten dabei Erwerbsarbeit, eigene Altersvorsorge und finanzielle Belastungen zunehmend in Konflikt.
Die Bedeutung dieser Versorgung dürfte weiter wachsen. Nach einer Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes könnte die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2055 auf rund 7,6 Millionen steigen.
Die Rentenbeiträge sollen dabei einen Teil der sozialen Folgen abfedern, die entstehen können, wenn Angehörige ihre Erwerbstätigkeit wegen der Pflege reduzieren oder zeitweise ganz aufgeben.

PKV-Verband begrüßt Linnemanns Kurswechsel

Unterstützung für Linnemanns Vorstoß kommt vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV). „Die Angehörigen sind das Rückgrat der Versorgung in der Pflege. Deswegen ist es richtig, wenn Gesundheitsminister Carsten Linnemann die geplante Regelung zur Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge noch einmal diskutieren will“, erklärt PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. Für den Verband ist die Rücknahme der geplanten Kürzung allerdings nur ein Teil der Frage. Reuther kritisiert grundsätzlich, dass die Rentenbeiträge über die Pflegeversicherung finanziert werden.

PKV fordert Finanzierung aus Steuermitteln

Der PKV-Verband ordnet die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige als versicherungsfremde Leistung ein. Deshalb sollten sie nach Auffassung des Verbandes künftig aus Steuermitteln finanziert werden. „Es ist daher zwingend, sie in Zukunft aus Steuermitteln und nicht zu Lasten der Beitragszahler zu finanzieren“, fordert Reuther. Eine Steuerfinanzierung würde aus seiner Sicht die Kosten fairer verteilen und zugleich die Lohnnebenkosten entlasten.
Damit verschiebt sich die Diskussion von der Frage, ob pflegende Angehörige über Rentenbeiträge abgesichert werden sollen, zur Frage, wer dafür bezahlt.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Florian Reuther, Direktor des Verbandes der Privaten KrankenversicherungFlorian Reuther, Direktor des Verbandes der Privaten KrankenversicherungPKV-Verband
Pflege & Gesetz

Pflegereform: Zukunftspakt Pflege droht zentrales Ziel zu verfehlen

Die Zwischenergebnisse des „Zukunftspakt Pflege“ stoßen beim PKV-Verband auf Kritik. Direktor Florian Reuther warnt, die Reformkommission laufe Gefahr, ihr eigentliches Ziel – eine nachhaltige Finanzierung der Pflegeversicherung – zu verfehlen. Statt tragfähiger Lösungen drohten neue Ausgabenprogramme ohne solide Grundlage.
PKV-Verbandsdirektor Florian ReutherPKV-Verbandsdirektor Florian ReutherPKV-Verband
Pflege

Pflegebeitrag bis 2,3 Prozent: Was am neuen Generationenvertrag wirklich neu ist

Der PKV-Verband legt seinen „Neuen Generationenvertrag für die Pflege“ erneut vor – diesmal mit konkreteren Folgen für Beitragssatz, Leistungen und Eigenvorsorge. Die Grundidee ist bekannt: Jüngere sollen stärker kapitalgedeckt vorsorgen. Neu ist, wie weit die Soziale Pflegeversicherung künftig aus der Finanzierung steigender Pflegekosten herausgenommen werden könnte.
Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-SpitzenverbandesDr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-SpitzenverbandesGKV-Spitzenverband
Pflege & Gesetz

Pflegefinanzierung am Limit: Kurzfristige Stabilisierung und langfristige Reformen gefordert

Die Pflegeversicherung steht vor enormen finanziellen Herausforderungen. Ein Defizit von 1,55 Milliarden Euro in 2024, steigende Ausgaben und wachsende Pflegebedürftigkeit machen umfassende Reformen dringend notwendig. Doch wie kann die Finanzierung langfristig gesichert werden? Neue Studien und Forderungen der Sozialversicherungsträger werfen ein Schlaglicht auf mögliche Lösungen.
Seniorin-Fenster-einsam-315666800-AS-pololiaSeniorin-Fenster-einsam-315666800-AS-pololiapololia – stock.adobe.com
Pflege & Gesetz

Pflege daheim: Verängstigt, vergessen und zu wenig Pflegegeld

Verängstigt und vergessen – so fühlten sich die meisten Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen zu Hause während der Corona-Pandemie. Dies zeigen die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der Hochschule Osnabrück, die der Sozialverband VdK in Auftrag gegeben hat.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht