Pflegekosten: Warum die größte Vorsorgelücke oft unterschätzt wird

Veröffentlichung: 13.04.2026, 12:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Steigende Eigenanteile in der Pflege treffen auf eine weit verbreitete Fehleinschätzung: Viele Menschen halten private Vorsorge für zu teuer. Eine aktuelle Analyse zeigt jedoch, dass sich selbst hohe Pflegelücken mit vergleichsweise moderaten Beiträgen absichern lassen.

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Steigende Eigenanteile in der Pflege belasten viele Haushalte – gleichzeitig wird das Potenzial privater Vorsorge häufig unterschätzt.Steigende Eigenanteile in der Pflege belasten viele Haushalte – gleichzeitig wird das Potenzial privater Vorsorge häufig unterschätzt.Redaktion experten.de / KI-generiert

Pflege wird zur finanziellen Belastungsprobe

Die Finanzierung von Pflege entwickelt sich zunehmend zu einem der zentralen Risiken im Alter. Bereits heute müssen Pflegebedürftige im stationären Bereich im Durchschnitt rund 3.500 Euro monatlich aus eigener Tasche aufbringen. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt damit weiterhin nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab. Gleichzeitig verschärft sich die Situation strukturell. Die Zahl der Pflegebedürftigen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und dürfte weiter zunehmen. Damit wächst auch die Finanzierungslücke – sowohl für Betroffene als auch für das System insgesamt.

Die Pflegelücke bleibt das zentrale Problem

Im Kern steht die sogenannte Pflegelücke: die Differenz zwischen tatsächlichen Kosten und gesetzlichen Leistungen. Die reinen pflegebedingten Kosten bei stationärer Unterbringung liegen aktuell im Bundesdurchschnitt bei 1.971 Euro monatlich. Hinzu kommen Kosten für Unterkunft und Verpflegung, die den Eigenanteil insgesamt auf deutlich über 3.000 Euro steigen lassen. Damit wird Pflege zu einem Risiko, das die finanzielle Stabilität im Alter massiv beeinflussen kann.

Beiträge werden systematisch überschätzt

Eine aktuelle Marktanalyse der Rating-Agentur Assekurata zeigt, dass sich diese Lücke grundsätzlich absichern lässt – und zwar zu deutlich geringeren Kosten, als vielfach angenommen. Demnach ist eine Absicherung der Pflegekosten über ein monatliches Pflegegeld von 2.000 Euro bei frühem Einstieg bereits zu vergleichsweise moderaten Beiträgen möglich. Für 25-Jährige beginnen entsprechende Tarife bei rund 38 Euro monatlich, für 35-Jährige bei etwa 56 Euro und für 45-Jährige bei rund 85 Euro. Die Analyse wurde im Auftrag des PKV-Verband durchgeführt.

Timing entscheidet über die Wirtschaftlichkeit

Ein weiterer zentraler Faktor ist das Eintrittsalter. Die Analyse zeigt klar: Je früher eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen wird, desto geringer sind die Beiträge über die gesamte Laufzeit hinweg. Neben den niedrigeren Kosten reduziert ein früher Abschluss auch das Risiko, aufgrund von Vorerkrankungen keinen oder nur eingeschränkten Versicherungsschutz zu erhalten. Gleichzeitig wird ein oft übersehener Punkt deutlich: Pflegebedürftigkeit ist kein reines Hochaltersrisiko. Ein relevanter Anteil der Betroffenen ist jünger als 65 Jahre.

Hohe Zustimmung für stärkere Förderung

Parallel zur Analyse zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey, dass die Bevölkerung eine stärkere staatliche Unterstützung der privaten Pflegevorsorge befürwortet. Rund 76 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, entsprechende Versicherungen stärker zu fördern, etwa durch steuerliche Anreize. Für den PKV-Verband ist die private Vorsorge ein zentraler Baustein für die langfristige Stabilität der Pflegefinanzierung. „Für eine dauerhaft tragfähige Pflegefinanzierung muss die Bundesregierung eine Reform auf den Weg bringen, die auf Eigenverantwortung, mehr Kapitaldeckung und Generationengerechtigkeit setzt“, erklärt Verbandsdirektor Florian Reuther. Die private Pflegezusatzversicherung könne dazu beitragen, Betroffene vor finanzieller Überforderung zu schützen und gleichzeitig die umlagefinanzierten Systeme zu entlasten.

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