Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes: Dr. Carola ReimannVorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes: Dr. Carola ReimannAOK

Pflege: Wachsende Kosten treffen auf schwindendes Vertrauen

Veröffentlichung: 27.04.2026, 16:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die gesetzliche Pflegeversicherung verliert an Vertrauen, die finanziellen Belastungen steigen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie groß die Verunsicherung ist – und warum ergänzende Vorsorge an Bedeutung gewinnt.

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Die soziale Pflegeversicherung steht zunehmend unter Druck. Steigende Beiträge, wachsende Eigenanteile und strukturelle Defizite prägen die Debatte – und wirken sich offenbar direkt auf die Wahrnehmung der Bevölkerung aus.
Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverband zeigt ein deutliches Bild: 44 Prozent der Befragten bewerten die Arbeit der Bundesregierung in der Pflegepolitik mit der Note „ungenügend“, weitere 24 Prozent vergeben ein „mangelhaft“. Nur drei Prozent stellen ein positives Zeugnis aus.

Vertrauen schwindet, Kosten steigen

Die Skepsis geht über eine reine Momentaufnahme hinaus. 77 Prozent der Befragten halten die Pflegeversicherung für chronisch unterfinanziert. Gleichzeitig erwarten 84 Prozent in den kommenden zwölf Monaten steigende Beiträge. Auch das Vertrauen in die langfristige Stabilität ist gering: Ebenfalls 84 Prozent gehen davon aus, dass die finanzielle Sicherheit der Pflegeversicherung in den nächsten zehn Jahren nicht gegeben ist.
„Die Ergebnisse der Umfrage sind deutlich und zeigen, dass der seit langem ungelöste Reformbedarf in der Pflege die Menschen verunsichert“, sagt Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. Ohne schnelle Stabilisierung drohe ein weiterer Vertrauensverlust.
Besonders belastend sind aus Sicht der Befragten die Eigenanteile in stationären Einrichtungen. Diese lagen zuletzt bei durchschnittlich rund 2.600 Euro monatlich. 86 Prozent der Befragten fürchten, im Pflegefall finanziell überfordert zu sein.

Strukturelle Probleme verstärken den Druck

Neben der finanziellen Dimension zeigen sich auch strukturelle Defizite. Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) bewertet die Pflegeangebote im eigenen Bundesland als unzureichend. Nur 18 Prozent sind der Meinung, dass Pflegebedürftige und Angehörige in Deutschland ausreichend Unterstützung finden.
Die Ergebnisse verdeutlichen: Die Herausforderungen in der Pflege sind nicht nur finanzieller Natur, sondern betreffen auch Organisation, Zugang und regionale Versorgung.

Private Vorsorge als Ergänzung zur Pflichtversicherung

Vor diesem Hintergrund rückt die ergänzende Absicherung stärker in den Fokus. Darauf verweist der PKV-Verband mit Blick auf die bestehende Finanzierungslücke. Denn die gesetzliche Pflegepflichtversicherung deckt nur einen Teil der Kosten ab. In stationären Einrichtungen müssen Pflegebedürftige aktuell im Durchschnitt rund 3.500 Euro monatlich selbst tragen. Auch nach mehreren Jahren im Heim verbleibt ein Eigenanteil von etwa 2.000 Euro pro Monat. Über längere Zeiträume summieren sich diese Belastungen erheblich. Bei einer durchschnittlichen Pflegedauer von fünf Jahren können Kosten im sechsstelligen Bereich entstehen.

Frühzeitige Absicherung senkt die Eintrittshürde

Eine Möglichkeit, diese Lücke zu schließen, ist die private Pflegezusatzversicherung. Studien zeigen, dass ein früher Einstieg vergleichsweise niedrige Beiträge ermöglicht. So kann beispielsweise eine Absicherung der Pflegekosten in Höhe von rund 2.000 Euro monatlich bereits mit einem Beitrag im Bereich von wenigen Dutzend Euro realisiert werden – abhängig vom Eintrittsalter und Tarif.
Entscheidend ist dabei weniger das konkrete Produkt als der Zeitpunkt des Abschlusses. Je früher mit der Vorsorge begonnen wird, desto geringer fällt in der Regel die monatliche Belastung aus.

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