Hausratversicherung: Warum der Wohnort zum Preisfaktor wird
Nicht die Wohnungsgröße allein entscheidet über den Beitrag zur Hausratversicherung. Eine aktuelle Auswertung zeigt: Mit der Entwicklung der Einbruchskriminalität verschieben sich auch die regionalen Preisunterschiede. Für identische Musterhaushalte können die Beiträge je nach Wohnort um ein Mehrfaches auseinanderliegen.
Wer eine Hausratversicherung abschließt, achtet meist auf Wohnfläche, Versicherungssumme oder den gewünschten Leistungsumfang. Weniger offensichtlich ist ein weiterer Faktor, der den Beitrag erheblich beeinflussen kann: der Wohnort. Eine aktuelle Auswertung des Leipziger Vergleichsdienstleisters Inveda zeigt, dass sich die regionale Einbruchskriminalität zunehmend in den Versicherungsbeiträgen widerspiegelt. Grundlage sind die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 sowie aktuelle Marktangebote für einen einheitlich definierten Musterhaushalt.
Neue Einbruchsschwerpunkte verändern die Risikokarte
Die Untersuchung deutet auf eine Verschiebung der Einbruchsschwerpunkte hin. Während Berlin weiterhin die höchste absolute Zahl an Wohnungseinbrüchen verzeichnet, weisen mehrere Städte im Ruhrgebiet inzwischen die höchste Einbruchsdichte bezogen auf die Einwohnerzahl auf. Spitzenreiter ist Mülheim an der Ruhr, gefolgt von Essen und Düsseldorf. Am anderen Ende der Statistik liegen mehrere bayerische Großstädte. Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg gehören laut Polizeilicher Kriminalstatistik zu den Städten mit den niedrigsten Einbruchszahlen je 100.000 Einwohner.
Diese Unterschiede schlagen sich nach Angaben von Inveda unmittelbar in der Tarifkalkulation nieder. Für vergleichbare Musterhaushalte liegen die günstigsten verfügbaren Beiträge in Städten mit hohem Einbruchsrisiko teilweise rund dreimal so hoch wie in Regionen mit niedriger Einbruchsdichte.
Risiko fließt in die Beitragskalkulation ein
Der Zusammenhang überrascht nicht. Versicherer kalkulieren Hausratversicherungen auf Grundlage verschiedener Risikofaktoren. Neben Wohnfläche, Versicherungssumme, Bauart des Gebäudes und gewünschtem Leistungsumfang spielt auch die regionale Schadenentwicklung eine Rolle. Steigen in einer Region Einbruchdiebstähle oder andere versicherte Schäden über längere Zeit, kann sich dies auf die Prämien auswirken. Umgekehrt profitieren Versicherte in Regionen mit geringerer Schadenbelastung häufig von niedrigeren Beiträgen.
Die aktuelle Auswertung macht deutlich, dass sich Veränderungen der Kriminalitätsentwicklung damit mittelbar auch auf die Kosten des Versicherungsschutzes auswirken können.
Preis ist nicht gleich Leistung
Die Untersuchung zeigt zugleich, dass sich die Angebote am Markt nicht allein über den Preis unterscheiden. Zwischen den einzelnen Tarifen bestehen erhebliche Unterschiede beim Leistungsumfang. Ein günstiger Beitrag sagt daher wenig darüber aus, welche Schäden tatsächlich versichert sind.
Für Verbraucher empfiehlt es sich deshalb, nicht ausschließlich auf die Jahresprämie zu achten. Entscheidend sind unter anderem Regelungen zu grober Fahrlässigkeit, Wertsachen, Überspannungsschäden oder Unterversicherungsverzicht. Gerade bei größeren Preisunterschieden lohnt sich ein genauer Tarifvergleich.
Regionale Unterschiede dürften bleiben
Die Auswertung unterstreicht, dass sich die Risikolandschaft in Deutschland verändert. Für Versicherer bedeutet dies eine kontinuierliche Anpassung ihrer Kalkulationsgrundlagen. Für Verbraucher wird der Wohnort damit zunehmend zu einem Faktor, der die Kosten des Versicherungsschutzes mitbestimmt – auch wenn sich an Wohnung oder Haus selbst nichts geändert hat.
Welche Faktoren beeinflussen den Beitrag zur Hausratversicherung?
- Wohnort und regionale Schadenentwicklung
- Wohnfläche und Versicherungssumme
- Bauart und Nutzung des Gebäudes
- gewünschter Leistungsumfang
- Selbstbeteiligung
- Zusatzbausteine (z. B. Fahrraddiebstahl oder Elementarschäden)
Themen:
LESEN SIE AUCH
Welche Versicherung zahlt für Schäden in der Ferienwohnung?
Hausrat-Rating 2026: Jeder 5. Tarif fällt durch
Einbruchschäden auf Rekordniveau: Was moderne Hausratversicherungen leisten müssen
Verlobungsringe und Co.: Ist Schmuck bei einem Einbruch versichert?
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Schmuck im Hausrat: „Bei Einzelwerten über 10.000 Euro stößt Standarddeckung oft an Grenzen“
Fahrraddiebstahl: Schadenssummen steigen trotz sinkender Fallzahlen
Wenn der Schutz versagt: Einbruch ohne Spuren und die Tücken der Hausratversicherung
Urteil: Kein Schutz bei reinem Rauchschaden
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.
















