Fahrradversicherung im Test: Nur 7 Tarife erreichen Höchstwertung
E-Bikes, Rennräder und hochwertige Fahrräder werden für Versicherer zunehmend zum Risiko – und für Verbraucher zur Kostenfrage. Ein neues Rating von Franke und Bornberg zeigt nun erstmals, wie unterschiedlich Fahrradversicherungen tatsächlich leisten. Viele Tarife weisen laut Analyse erhebliche Deckungslücken auf.
Fahrräder sind längst keine reinen Alltagsgegenstände mehr. Vor allem hochwertige E-Bikes, Mountainbikes und Rennräder erreichen heute schnell Werte von mehreren Tausend Euro – und geraten damit zunehmend ins Visier von Dieben. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den Versicherungsschutz. Die Franke und Bornberg GmbH hat deshalb erstmals ein eigenständiges Rating für Fahrradversicherungen veröffentlicht. Untersucht wurden 83 Tarife von 36 Versicherern. Das Ergebnis zeigt deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den Angeboten.
Nur sieben Tarife beziehungsweise 8,4 Prozent erreichten die Höchstnote FFF+ („hervorragend“). Gleichzeitig erhielten rund zwölf Prozent der Tarife lediglich die Bewertung F+ oder schlechter und bieten damit nach Einschätzung der Analysten nur unzureichenden oder mangelhaften Schutz.
Hausratversicherung reicht oft nicht aus
Nach Einschätzung von Franke und Bornberg verlassen sich viele Verbraucher noch immer auf den Fahrradschutz innerhalb der Hausratversicherung – häufig zu Unrecht. Denn klassische Hausratpolicen decken meist lediglich den Diebstahl des Fahrrads ab. Schäden durch Sturz, Unfall oder Vandalismus sowie Schutzbriefleistungen wie Pannenhilfe oder Transportkosten sind dort oft nicht enthalten. Genau diese Leistungen gehören jedoch zu den zentralen Bestandteilen eigenständiger Fahrradversicherungen. „Fahrräder, insbesondere E-Bikes und hochwertige Räder, sind heute Wertgegenstände, die eine ernsthafte Absicherung verdienen“, erklärt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. „Unser Erstrating zeigt: Die Qualitätsunterschiede sind erheblich – von hervorragend bis mangelhaft ist alles vertreten.“
Diebstahl bleibt entscheidender Leistungsbereich
Besonders stark gewichtet das Rating den Bereich Diebstahl. Insgesamt flossen dort 16 Einzelkriterien mit mehr als 1.000 möglichen Punkten in die Bewertung ein. Weitere zentrale Kategorien waren versicherte Schäden, versicherte Sachen sowie Schutzbriefleistungen. Die Analysten kritisieren insbesondere strenge Anforderungen vieler Tarife an Fahrradschlösser oder Einschränkungen bei Zubehör, Gepäck und Anhängern. „Beim Diebstahl trennt sich die Spreu vom Weizen: Viele Tarife stellen überzogene Anforderungen an das verwendete Schloss oder decken Anhänger, Gepäck oder Zubehör gar nicht oder nur unzureichend ab“, sagt Christian Monke, Leiter Ratings Private Risiken bei Franke und Bornberg.
Für die Höchstnote mussten Tarife unter anderem:
- Carbonräder absichern,
- grobe Fahrlässigkeit uneingeschränkt einschließen,
- Fahrradanhänger ausreichend versichern,
- sowie eine mindestens dreijährige Neuwerterstattung bieten.
Schadenhöhen steigen weiter
Hintergrund des neuen Ratings ist auch die Entwicklung der Schadenstatistiken. Laut GDV wurden im Jahr 2025 rund 115.000 versicherte Fahrräder gestohlen. Die Versicherer zahlten dafür erneut rund 150 Millionen Euro Entschädigung. Besonders auffällig: Obwohl die Zahl der Diebstähle zurückging, erreichte der durchschnittliche Schaden pro gestohlenem Fahrrad mit 1.270 Euro einen neuen Höchststand. Seit 2005 hat sich dieser Wert laut GDV mehr als verdreifacht. Die Entwicklung zeigt, dass sich der Markt zunehmend auf hochwertige Fahrräder und E-Bikes konzentriert.
Beratung gewinnt an Bedeutung
Die Ergebnisse des Ratings dürften auch Auswirkungen auf Vermittler und Makler haben. Denn die Analyse zeigt, wie unterschiedlich die Leistungsumfänge einzelner Tarife inzwischen ausfallen.
Gerade bei hochwertigen Fahrrädern könnten unzureichende Policen im Schadenfall schnell zu erheblichen Deckungslücken führen. Entsprechend wichtig werde eine sorgfältige Tarifauswahl und qualifizierte Beratung.
Franke und Bornberg will das Fahrrad-Rating künftig jährlich aktualisieren und weiterentwickeln.
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